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Arbeitsmarktexperten sind davon überzeugt, dass sich Job-Sharing weiter ausbreiten wird.

Mehrfach besetzte Arbeitsstellen

Wird Job-Sharing zum Arbeitsmodell der Zukunft?

Stellenteilung als Arbeitsmodell der Zukunft? Obwohl viele Unternehmen noch skeptisch sind, ist diese neue Arbeitsform auf dem Vormarsch. Lesen Sie, was Sie über Job-Sharing wissen müssen.

Montags ist Sandra Rathmann dran. Die 36-jährige Projektleiterin bei Bosch sitzt im Büro, entwickelt Konzepte, leitet Workshops, hält Meetings – Arbeitsalltag einer Führungskraft. Bis Mittwoch ist Rathmann im Büro, donnerstags und freitags arbeitet sie vormittags im Home Office. Verwaist ist ihr Arbeitsplatz in der Zeit trotzdem nicht – Job-Sharing-Partnerin Susanne Klement ist ab Dienstag vor Ort und für den Chef und die Kollegen ansprechbar. „Eine von uns ist immer da“, erklärt Rathmann. Einen Tag verbringen beide Frauen für Koordinierungsaufgaben gemeinsam im Büro, der Rest der Absprachen läuft über Telefonate und E-Mail. Beim Job-Sharing teilen sich mehrere Beschäftigte einen Arbeitsplatz. Häufig sind die Job-Sharer selber für die Aufteilung der Arbeitszeit und Inhalte verantwortlich. „Unser Chef sieht uns als Ganzes. Wenn er eine Aufgabe stellt, will er ein Ergebnis von uns – wie das zustande kommt, wer das macht, ist ihm egal“, erklärt Rathmann.

Kein Rechtsanspruch auf Job-Sharing

Seit Jahren wächst die Zahl der Job-Sharing-Arbeitsverhältnisse in deutschen Unternehmen. „Es ist im Prinzip ja auch eine klassische Win-Win-Situation“, erläutert Christiane Flüter-Hoffmann vom Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Gute Job-Sharing-Teams sind oft sehr produktiv. Argumente für dieses Teilzeitarbeitsmodell gibt es viele: Vor allem weibliche Beschäftigte wünschen sich geringere Arbeitszeiten im Büro, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Möglich ist es aber auch, einen Stellenumfang von über 100 Prozent auf zwei oder mehr Mitarbeiter zu verteilen. Die gesetzlichen Grundlagen regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz: Einen Rechtsanspruch auf Job-Sharing gibt es jedoch nicht.

Skepsis vor allem in kleinen Firmen

Selten sind Job-Sharing-Stellen ausgeschrieben. „Das passiert meistens auf Initiative der Mitarbeiter“, berichtet Barbara Sarx-Lohse, Mitbegründerin von „Flexperten“, einem Jobportal für flexibles Arbeiten. Gerade in kleineren Unternehmen ist die Skepsis groß, vor allem, was die interne Kommunikation, aber auch höhere Sozialabgaben angeht.

Kosten für Gehalt und Sozialabgaben nur geringfügig teurer

Vor allem unter Frauen ist Job-Sharing eine beliebte Alternative zur klassischen Teilzeit-Anstellung.

Auch Rathmann und Klement mussten Überzeugungsarbeit leisten: „Mit einer Gehaltssimulation konnten wir zeigen, dass die Kosten für Gehalt und Sozialabgaben nur um rund 10 Prozent teurer sind als bei einer Vollzeitstelle“, erzählt Rathmann. „Dafür ist unsere Stelle immer besetzt, egal ob mal eine krank oder im Urlaub ist.“ Ein gutes halbes Jahr haben die Bosch-Frauen ihr Arbeitszeitmodell geplant und überarbeitet, bevor sie damit im Konzern auf Stellensuche gingen. Dabei ging es nicht nur darum, Arbeitszeiten und Organisatorisches zu klären. Viel wichtiger war das persönliche Kennenlernen und das ehrliche Abklären von Grundwerten: „Wie lange soll diese Partnerschaft dauern?“ und „Mit welchen Gehaltsvorstellungen geht man in die Arbeitsvertragsverhandlung?“

Die Chemie muss stimmen

Auch die Arbeitsmarktexpertinnen warnen vor schnellen Entscheidungen beim Job-Sharing: „Die Chemie zwischen den beiden Sparring-Partnern muss stimmen, das ist das A und O“, betont Flüter-Hoffmann. Beide Partner müssen offen miteinander umgehen und Kritik sowohl aussprechen als auch einstecken können. Besonders wichtig ist bei Job-Sharing-Modellen die Vertretungsregelung. Was passiert, wenn einer der beiden Partner wegen Krankheit länger ausfällt? So sind Job-Sharer laut Teilzeit- und Befristungsgesetz „zur Vertretung verpflichtet, wenn sie der Vertretung im Einzelfall zugestimmt haben.“ Entsprechende Vereinbarungen sollten Job-Sharer unbedingt prüfen, so Flüter-Hoffmann. Fehlt eine solche Klausel, müssen sie das nicht machen. Es sei denn, der Chef kann Überstunden anordnen. „Am besten geht man bei der Arbeitszeitvereinbarung nicht ganz ans Limit, so dass man eventuell die Möglichkeit hat, vorübergehend auch etwas mehr zu arbeiten.“

Job-Sharing auch für Führungspositionen

Job-Sharing als Arbeitsmodell wird sich weiter ausbreiten, da sind sich die Fachfrauen sicher. Der besondere Reiz des Teilzeitmodells: „Es ist gerade für hoch qualifizierte Jobs interessant“, meint Sarx- Lohse. Denn mit der Aufteilung sind auch Führungspositionen, die eine Vollzeitstelle erfordern, mit reduzierter Arbeitszeit möglich. Bosch-Projektleiterin Rathmann wäre alleine an einer Führungsaufgabe gescheitert. Zusammen mit Klement übt sie jetzt trotz ihrer drei Kinder einen Beruf in leitender Position aus.

Claudia Holder / dpa

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