Fünf Jahre EU-Osterweiterung

Die Zuwanderung aus den acht osteuropäischen Beitrittsländern erhöhte das Bruttoinlandsprodukt in der erweiterten EU seit 2004 um 0,2 Prozent oder 24 Milliarden Euro, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Deutschland hatte aufgrund seiner Zuwanderungsbeschränkungen in den ersten fünf Jahren seit der EU-Osterweiterung nur einen geringen Anteil an der Migration. Eine Öffnung der deutschen Arbeitsmärkte für eine Zuwanderung aus den Beitrittsländern würde langfristig positive Effekte haben, schreiben die Autoren der Studie Timo Baas, Herbert Brücker und Andreas Hauptmann.

Aufgrund der Migration wird das europäische Bruttoinlandsprodukt bis 2011 noch einmal um knapp 22 Milliarden Euro steigen, so die IAB-Studie. Bei einer Einführung der Freizügigkeit in allen europäischen Staaten bereits ab 2009 würde der Effekt rund zehn Prozent höher ausfallen und 24 Milliarden Euro betragen. In Deutschland könnte es dabei zu einem deutlichen Anstieg der Zuwanderung kommen. „Davon würde die einheimische Bevölkerung langfristig durch höhere Einkommen aus Arbeit und Vermögen profitieren“, schreiben die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Die Arbeitsmarktwirkungen der Zuwanderungen wären in Deutschland weitgehend neutral. Kurzfristig ergäbe sich ein äußerst geringfügiger Anstieg der Arbeitslosigkeit um 0,06 Prozent, langfristig bliebe die Arbeitslosenquote konstant.

EU-weit eine Million Zuwanderer aus den neuen Mitgliedsstaaten seit 2004

Die Öffnung der Arbeitsmärkte im Zuge der EU-Osterweiterung hat zu einem deutlichen Anstieg der Zuwanderung in die Kernländer geführt: Rund eine Million Personen wanderten im Zeitraum von 2004 bis 2007 aus den neuen Mitgliedsstaaten in die 15 alten EU-Länder ein. Allerdings hat die unterschiedliche Anwendung der Arbeitnehmerfreizügigkeit die regionale Verteilung der Migration stark beeinflusst. So wanderten von 2004 bis 2007 rund 70 Prozent der Migranten aus den acht osteuropäischen Beitrittsländern nach Großbritannien und Irland ein, die ihre Arbeitsmärkte damals sofort für die neuen Mitgliedsstaaten geöffnet hatten. 80 Prozent der Zuwanderung aus den 2007 hinzugekommenen Beitrittsländern Rumänien und Bulgarien entfielen dagegen auf Spanien und Italien, die diesen beiden Staaten bereits partiell Freizügigkeit gewähren.

Finanzkrise dämpft Zuwanderung

Die Forscher erwarten aufgrund der Finanzkrise einen Rückgang der Zuwanderung. Die großen Zielländer wie Deutschland und Großbritannien seien besonders stark von der globalen Krise betroffen, so die IAB-Studie. Eine steigende Arbeitslosigkeit in den Zielländern mache die Zuwanderung weniger attraktiv. Auch sei mit einem Anstieg der Rückkehrmigration zu rechen, weil in Krisensituationen schneller ausländische als einheimische Arbeitskräfte entlassen werden.

Die IAB-Studie steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2009/kb0909.pdfzum kostenlosen Download bereit. Sie ist Teil einer umfassenden Untersuchung, die ein internationales Konsortium führender Forschungseinrichtungen unter Leitung des IAB für die Europäische Kommission durchgeführt hat. Der gesamte Bericht ist unter http://doku.iab.de/grauepap/2009/LM_finalreport.pdf abrufbar. (nh)

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