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Während andere schlafen, leisten Nachtarbeiter Höchstleistungen.

Job und Gesundheit

Nachtarbeit macht krank, dick und einsam

Schichtarbeit belastet Körper und Psyche. Wer kann, steigt aus. Aber Millionen Menschen müssen bei Wechselschichten ran - wie überlebt man das, ohne die Gesundheit zu opfern?

Polizisten, Bahnmitarbeiter und Angestellte im produzierenden Gewerbe  sind im Einsatz, wenn es draußen dunkel ist. „Auch Mitarbeiter in Callcentern arbeiten zunehmend rund um die Uhr“, erklärt Psychologin Hiltraut Paridon von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Laut Zahlen des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) arbeitete 2012 jeder elfte Arbeitnehmer (9,2 Prozent) in Deutschland  nachts. Männer machen das deutlich häufiger als Frauen. So arbeitet von den Männern jeder Neunte (11 Prozent) nachts – bei den Frauen sind es 6 Prozent.

Nach dem Arbeitszeitgesetz zählen zur Nachtarbeit alle Tätigkeiten, die mindestens zwei Stunden lang zwischen 23 und 6 Uhr  verrichtet werden.

Körper kommt aus dem Rhythmus

Egal, ob Angestellte am Fließband stehen, Streife fahren oder einen Blinddarm operieren: „Schichtarbeit ist nie wirklich gesund“, stellt Paridon klar. „Unser Körper ist nicht dafür gemacht, nachts zu arbeiten.“ Zwar gebe es Menschen, die mit der Nachtschicht besser klarkommen als andere. Doch auf Dauer sollte niemand nur nachts arbeiten.

Viele Körperfunktionen schwanken in einem 24-Stunden-Rhythmus. Das Schlafhormon Melatonin wird in verschiedenen Mengen ausgeschüttet, tagsüber weniger, in der Nacht mehr. Arbeiten Beschäftigte nachts, kommt der Rhythmus durcheinander. „Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen, sie haben Probleme mit dem Einschlafen  nach der Schicht oder können nicht durchschlafen“, beschreibt Paridon.

Auch gibt es eine Reihe von Krankheiten, die mit Schichtarbeit assoziiert werden. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Probleme mit dem Verdauungssystem.

Nachtarbeitern droht Übergewicht und Einsamkeit

„Schichtarbeiter ernähren sich im Durchschnitt ungesünder, rauchen mehr und machen weniger Sport“, erläutert die Expertin. Beschäftigte sollten darauf achten, dass sie sich etwas Gesundes von zu Hause für die Arbeit mitnehmen, um nicht zu häufig Schokoriegel zu essen und Süßes zu trinken. Auch sollten sie regelmäßig Sport treiben, sonst droht Übergewicht.

Häufig leidet nicht nur der Körper. Auch die Seele wird in Mitleidenschaft gezogen. „Die sozialen Kontakte werden durch die Schichtarbeit beeinflusst“, erläutert Psychologieprofessor Friedhelm Nachreiner. Im schlimmsten Fall können die ungewöhnlichen Arbeitszeiten zur sozialen Isolation führen. Geht ein Schichtarbeiter am Morgen ins Bett, fängt das Leben um ihn herum an. Sie sollten sich deshalb bemühen, nach einem festen Rhythmus zu leben. Dazu gehört, sich regelmäßig mit Freunden und Familie zu verabreden – zum Beispiel zum Essen, zur gemeinsamen Laufrunde an einem festen Tag oder zu gelegentlichen Ausflügen.

Schonen Sie sich nach der Schicht

Keinesfalls sollten sie sich Tage, die sie zum Ausruhen brauchen, mit Arbeit überfrachten – etwa damit, an einem Tag alle Behördengänge zu erledigen. „Das ist nicht nur anstrengend, sondern das Unfallrisiko steigt enorm“, so Paridon.

Während der Körper zwischen 2 und 4 Uhr morgens seinen Leistungstiefpunkt  hat, kann er zum Morgen wieder aufdrehen. Dennoch sollten Nachtarbeiter darauf schauen, dass sie ausreichend Schlaf nach ihrer Schicht bekommen.

Wann man schlafen geht, ist typabhängig. Die einen legen sich sofort nach der Arbeit hin, andere brauchen etwas, um die Anspannung abzubauen. Rituale können dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. „Ob das ein Tee ist, eine Weile die Zeitung zu lesen oder unter die Dusche zu gehen, muss jeder für sich selbst herausfinden“, meint Paridon. Wichtig jedoch für einen erholsamen Schlaf: Eine ruhige Umwelt und dunkle Vorhänge. „Auf gar keinen Fall sollte man regelmäßig zu Schlafmitteln greifen.“ An Pillen gewöhnen sich Berufstätige und geraten in psychische Abhängigkeiten.

Verena Wolff

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