Gesellig sollte sie sein, die Weihnachtsfeier im Büro. Aber aus dem Rahmen fallen als Trinker oder anstrengende Stimmungskanone sollte man besser nicht.
+
Gesellig sollte sie sein, die Weihnachtsfeier im Büro. Aber aus dem Rahmen fallen als Trinker oder anstrengende Stimmungskanone sollte man besser nicht. 

Alle Jahre wieder

Netzwerker und Nimmersatte: Eine Weihnachtsfeier-Typologie

Der eine schlägt beim Buffet zu, als wäre es die Henkersmahlzeit. Der andere schaut die ganze Zeit unauffällig auf die Uhr und will so schnell wie möglich nach Hause. Auf der Weihnachtsfeier verhalten sich Kollegen oft auffallend anders. Eine Typologie.

Alle Jahre wieder versammeln sich Menschen, die privat meist nichts miteinander zu tun haben, und feiern eine Party. Die Weihnachtsfeier ist ein sozialer Drahtseilakt. Eigentlich kennt man sich nur aus dem Büro, oft ist der kurze Plausch über das Wetter in der Teeküche schon das Persönlichste, was man sich zu sagen hat. Auf der Weihnachtsfeier brechen plötzlich Eigenschaften durch, die sich sonst nur angedeutet haben.Sieben Typen, die auf keiner Feier fehlen:

Der Netzwerker

Er quatscht mit jedem - nein, Moment. Er quatscht mit den wichtigen Leuten im Unternehmen und scheint unterm Tannenbaum schon die nächste Beförderung klarzumachen. Der Netzwerker kennt jeden, der was zu sagen hat und wandert elegant von einem Grüppchen zum nächsten. "Das wirkt unlocker, der Netzwerker sollte die Weihnachtsfeier einfach mal entspannt genießen", rät Benimmtrainerin Nandine Meyden aus Berlin. Schließlich fällt dieses Getue auch anderen auf.

Der Nimmersatte

Man könnte glauben, er hätte vor der Weihnachtsfeier drei Tage gefastet. Denn am Buffet hantiert er mit mehr Tellern, als er tragen kann - und die sind so voll, dass die Soße schon überschwappt. Nach Runde eins folgen noch einige weitere - eigentlich solange, bis nichts mehr da ist. Der Nimmersatte stopft sich auch noch einige Lebkuchen in die Tasche und sagt so Sachen wie: "Kostet ja nix." Meyden rät den Nimmersatten, sich etwas zurückzuhalten: "Wollen Sie wirklich, dass demnächst die Adresse einer Supperküche auf dem Schreibtisch liegt?"

Der Schnelle

Eine Stunde, das muss reichen. Für den Schnellen ist die Weihnachtsfeier eher lästige Pflicht als Vergnügen. Das Buffet ist sowieso unter seinem Niveau, und die Kollegen muss er nicht auch noch in seiner Freizeit um sich haben. Er verdrückt sich unauffällig wieder, sobald keiner guckt. "Tempo in allen Ehren, aber das ist ein No-Go", findet Meyden. Das zeigt dem Chef, dass man seine freie Zeit auf gar keinen Fall mit den Kollegen verbringen will und trägt nicht zur Stimmung im Team bei.

Der Stille

Er ist schüchtern, redet normalerweise wenig und ist ganz unauffällig - bis zur Weihnachtsfeier. Hier versucht sich der Stille mit Hilfe von Alkohol locker zu machen. Da er aber eigentlich kaum trinkt, haut der Wein richtig rein. Vorbei ist es mit der Unauffälligkeit, über den Sturz vom Barhocker redet am nächsten Tag die ganze Firma. "Die Kollegen wissen, dass man schüchtern ist", sagt Meyden. Zur Weihnachtsfeier muss man nicht plötzlich total locker rüberkommen. "Hände weg vom Alkohol", rät sie.

Die Stimmungskanone

Über seine eigenen Witze lacht er am lautesten. Mit "Jetzt gehen wir aber alle tanzen" sprengt er das gemütliche Beisammensein. Und wehe, die Stimmungskanone erwischt jemanden beim Gehen an der Jackenausgabe - ihn zerrt er sofort wieder zurück. Die Party ist schließlich noch lange nicht vorbei. "So eine super Stimmung hat auch ein zerstörerisches Potenzial", findet Meyden. "Schließlich hat kaum jemand Lust auf so eine One-Man-Show."

Der Trinker

Es gibt kostenlosen Alkohol - super. So oder so ähnlich denkt der Trinker. Er kennt den Namen des Barkeepers schon nach den ersten fünf Minuten und sagt zu den Kollegen so Sachen wie: "Ach komm schon, ein Weinchen geht noch." Am Ende ist er sturzbetrunken, und irgendjemand ruft ihm aus Mitleid ein Taxi. "Jeder sieht das, und jeder zieht seine eigenen Schlüsse daraus", warnt Meyden.

Der Pseudo-Lockere

Er ist überkorrekt, und der Nadelstreifenanzug sitzt immer perfekt. Die Weihnachtsfeier sieht er als Chance, auch mal seine menschliche, gar lockere Seite zu zeigen. Plötzlich macht er schlüpfrige Witze und stürmt völlig unerwartet die Tanzfläche. "Das wirkt nicht glaubwürdig", findet Meyden. Und es ist auch völlig unnötig.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Warten auf den Anruf: Ständige Erreichbarkeit macht krank

Für viele Arbeitnehmer ist der gelegentliche Blick in die E-Mails nach Feierabend selbstverständlich. Experten warnen jedoch: Wer im Kopf ständig erreichbar ist, …
Warten auf den Anruf: Ständige Erreichbarkeit macht krank

Schweißgeruch im Büro: Kollege zurückhaltend ansprechen

Gerüche und dessen Wahrnehmung sind eine heikle Angelegenheit - vor allem am Arbeitsplatz. Wenn das Deo oder das Parfüm des Kollegen versagen, sollte man mit den …
Schweißgeruch im Büro: Kollege zurückhaltend ansprechen

Ignorieren erlaubt: Job-Anrufe in der Freizeit

Es ist gerade so gemütlich auf der Couch, da klingelt das Telefon. Der Arbeitgeber ruft an. Muss man jetzt abnehmen? Oder überhört man das Klingeln einfach? Eine …
Ignorieren erlaubt: Job-Anrufe in der Freizeit

Immer und überall? Folgen des flexiblen Arbeitens

Arbeiten im Park, auf dem Sofa oder einfach mal früher nach Hause gehen und sich später wieder einschalten - die dank moderner Kommunikationsmittel mögliche Flexibilität …
Immer und überall? Folgen des flexiblen Arbeitens

Kommentare