Der Auszubildende Lennard Kauke gehört zu den 100.000 Studienabbrechern in Deutschland. Er macht nun eine Ausbildung als Industriekaufmann. Dabei profitiert er vom Abbrecher-Programm der IHK Osnabrück.
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Der Auszubildende Lennard Kauke gehört zu den 100.000 Studienabbrechern in Deutschland. Er macht nun eine Ausbildung als Industriekaufmann. Dabei profitiert er vom Abbrecher-Programm der IHK Osnabrück.

Nichts erreicht?

Wie Unternehmen Studienabbrecher umwerben

Hunderttausende junge Leute gehen nun mit frisch bestandenem Abi in die Sommerferien - viele wechseln dann zur Uni. Doch die Hochschullaufbahn endet oft mit Frust und Abbruch. Dabei haben Betroffene ihre Chancen nicht verspielt.

Nach vier Semestern war für Lennard Kauke Schluss. "Am Anfang hat mir das Studium noch gut gefallen", sagt der 22-Jährige. Nach Abitur und einem Jahr Auszeit in Australien war es eine neue Erfahrung. "Aber es war einfach nicht das Richtige."

850 Mitstudenten hatte Lennard Kauke in seinem Wirtschaftsstudiengang in einer der großen deutschen Unis - viel zu viele für seinen Geschmack. "Das war alles sehr unpersönlich." So wie Kauke geht es tausenden Studenten in Deutschland. Fast nirgendwo scheitern so viele junge Leute an der Hochschule. 100 000 brechen ihr Studium jedes Jahr ab. Doch immer mehr machen aus dem tiefen Einschnitt etwas Positives.

Lennard Kauke wusste sich an seiner Uni nicht recht zu helfen. "Zu den Professoren gab es kaum Kontakt", sagt er. "Persönliche Fragen zu stellen, war praktisch nicht möglich." Ihn plagten Zweifel und Bedenken. "Am Schwersten fällt es einem, sich einzugestehen, dass man nichts erreicht hat." Geholfen haben ihm Berater der Arbeitsagentur und der IHK. Nahtlos konnte er im April eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei einem Anlagenbauer bei Osnabrück anfangen.

Erst allmählich wurde ihm klar, dass sein Studium gar keine verlorene Zeit war. Die Personalreferentin seiner Firma, Melanie Paul, sagt: "Wir haben ihn gerne genommen, weil er in seiner Entwicklung weiter war, als es direkt nach dem Abitur üblich ist."

Hunderttausende gehen mit frisch bestandenem Abi nun in die Sommerferien - und viele büffeln ab Herbst in den Hörsälen und Bibliotheken der Unis weiter. Doch gut jeder dritte Student gibt im Bachelor auf, in Naturwissenschaften und Technikfächern sind es bis zu 40 Prozent. Bei einer Befragung hat jeder Dritte zu hohe Anforderungen oder Versagen in Prüfungen angegeben. Zu den weiteren Motiven zählen wenig Motivation, Geldprobleme oder Ärger über schlechte Studienbedingungen. Hochschulen können Frustrierte oft kaum halten - bei Unternehmen sind Betroffene oft gern gesehen.

"Sie sind eine wichtige Zielgruppe, wenn es um die Fachkräftesicherung geht", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. "Studienabbrecher sind für viele Betriebe aufgrund der Kombination von höherem Lebensalter, größerem Erfahrungshorizont und bereits erworbenem Fachwissen attraktiv." Auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer wirbt schon seit Längerem mit flachen Hierarchien und Aufstiegschancen in den Unternehmen um Studienabbrecher.

Auch die Bundespolitik hat diese spezielle Gruppe zwischen Abbruch und Aufbruch entdeckt. So setzt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) auf aktive Vermittlung und Beratung. Ihr Ressort fördert den Bereich seit diesem Jahr bis 2018 mit 15 Millionen Euro. So sollen Betroffene ab kommendem Jahr auf einer zentralen Online-Plattform über die Möglichkeiten rund um den Ausstieg aus dem Studium und über Beratungsstellen vor Ort informiert werden. Spezielle Beratung für Studienabbrecher soll etwa in Hessen, Hamburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Thüringen vom Bund gefördert werden.

Eines der zahlreichen Projekte, die Studienabbrecher in den Beruf helfen sollen, läuft an der IHK Osnabrück. Auch Lennard Kauke bekam dort Hilfe. "Wir versuchen deutlich zu machen, dass ein Studienabbruch kein Versagen bedeutet", sagt die verantwortliche Ausbildungsreferentin Maria Deuling. Viele Unternehmen suchen dringend junge Leute, die direkt in die Ausbildung gehen, statt erst einmal zu studieren. Deuling: "Es muss nicht immer der Weg über die Hochschule sein, der zu einer guten Karriere führt."

dpa

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