Öfter mal abschalten: Pausen im Job nutzen

Wuppertal - Pause machen klingt nach Faulenzen. Das stimmt aber nur zur Hälfte: Wer Pause macht, tankt Kraft für die nächsten Aufgaben. Am Arbeitsplatz ist das unbedingt sinnvoll.

Öfter Pause machen - das ist ein Erfolgsrezept im Beruf. Wer sich mit voller Energie im Job einbringen will, muss zwischendurch auftanken und einfach mal abschalten. Das machen Arbeitnehmer nach Expertenansicht viel zu selten. Denn viele denken, dass es mehr Eindruck macht, wenn sie jedes Mittagessen zum “Businesslunch“ machen oder gleich durcharbeiten. Wer Pausen dagegen richtig nutzt, fährt gesundheitlich und beruflich besser damit.

Pausen hätten einen schlechten Ruf, sagt der Arbeits- und Organisationspsychologe Prof. Rainer Wieland von der Universität Wuppertal. “Wenn jemand häufig Pause macht, heißt es gleich: 'Das ist ja ein lahmes Ei.'“ Dagegen werde es als Zeichen von Einsatzbereitschaft gewertet, wenn Mitarbeiter sagen: “Ich brauche keine Pause.“

Risiko für Arbeitsunfälle sinkt

Dabei tun sie damit weder sich selbst noch ihrem Chef einen Gefallen. Denn der Erholungseffekt von Pausen kommt nicht nur der eigenen Gesundheit zugute - er beflügelt Mitarbeiter auch bei der Arbeit. Durch regelmäßige Auszeiten sinke der Stresspegel messbar, und Mitarbeiter seien leistungsfähiger, erläutert Wieland.

Auch das Risiko eines Arbeitsunfalls ist geringer, wenn Mitarbeiter genug Pausen machen. Darauf weist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in Berlin hin. Denn viele Unfälle im Betrieb passieren, weil Mitarbeiter überlastet sind und dadurch unaufmerksam werden.

Pausen je nach Belastung unterschiedlich verbringen

Beschäftigte müssen Pausen aber richtig gestalten und aktiv zum Erholen nutzen. Am Schreibtisch beim Essen nebenbei E-Mails zu bearbeiten, sei die falsche Herangehensweise, erklärt Heike Schambortski von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege in Hamburg. Mitarbeiter sollten vielmehr versuchen, zwischendurch einmal richtig abzuschalten und den Kopf freizubekommen. Das klappe am besten, wenn sie den Arbeitsplatz in der Pause kurz verlassen, rät die Expertin für Gesundheitsmanagement. “Und das Handy schaltet man dann am besten aus.“

Eine Pause muss aber nicht nur aus süßem Nichtstun bestehen. Sie sollte vielmehr ein Ausgleich zur Arbeit sein: “Eine Krankenschwester, die den ganzen Tag auf Achse ist, sollte eher mal die Beine hochlegen“, erläutert Schambortski. Wenn jemand dagegen im Büro viel vor dem PC hockt, bietet sich ein kurzer Spaziergang an.

Tee- und Zigarettenpausen

Mehrere kurze Auszeiten bringen zudem mehr als eine lange Pause. Wieland empfiehlt daher, alle anderthalb Stunden fünf bis zehn Minuten lang die Arbeit ruhen zu lassen. Selbst noch kürzere Arbeitsunterbrechungen sind gut, um dem Körper etwas Abwechslung zu verschaffen. “Manchmal reicht es schon, zwei bis drei Minuten die Augen zu schließen oder einmal aufzustehen und ein paar Schritte zu machen“, sagt Schambortski.

Sinnvoll ist, regelmäßig kurze Pausen zu machen. Raucher haben es da einfach - sie müssen für ihre Zigarettenpause meist zwangsläufig den Schreibtisch verlassen. Andere Mitarbeiter könnten den Gang in die Betriebsküche nutzen, um sich einen Tee zu kochen und so einmal aus dem Arbeitstrott herauszukommen, empfiehlt Schambortski. Sinnvoll sei es auch, nicht alles in greifbarer Nähe auf dem Schreibtisch zu lagern, was für die Arbeit benötigt wird. Werden Akten an einem zentralen Ort im Großraumbüro aufbewahrt, führe das automatisch dazu, dass Mitarbeiter öfter aufstehen und nebenbei mit Kollegen in Kontakt kommen.

Zehn Minuten "Power nap"

Effektiv sind Wieland zufolge auch Entspannungsübungen, um in der Pause neue Kraft zu schöpfen. Kleineren Yoga-Übungen oder Autogenem Training steht zum Beispiel im Büro im Prinzip nichts im Wege. Eine weitere Möglichkeit seien “Traumreisen“: Dabei hören Mitarbeiter Entspannungsmusik und stellen sich zum Beispiel vor, über eine grüne Wiese zu laufen, wie Wieland erläutert.

Auch kurzes Dösen ist aus Sicht der Experten ein einfaches und wirksames Mittel, um die Akkus wieder aufzufüllen - was ihm den neudeutschen Namen “Power nap“ verschafft hat. “Das muss kein halbstündiger Mittagsschlaf sein, dafür reichen schon fünf bis zehn Minuten“, erklärt Schambortski.

Ruhezone im Besprechungszimmer

In der Praxis ist es aber nicht so einfach, am Arbeitsplatz einmal die Augen zu schließen und die Seele baumeln zu lassen. Viele trauten sich das nicht, hat Wieland beobachtet. Schließlich will niemand den Spott der Kollegen auf sich ziehen. “Und es gibt immer welche, die das lächerlich finden.“

Ruhe finden Mitarbeiter bei solchen Übungen aber nur, wenn die anderen diese Art der Entspannung respektieren. “Das geht nicht, wenn die anderen sagen: 'Jetzt pennt der schon wieder'“, sagt Wieland, der sich gelegentlich auf einer Isomatte in seinem Büro ausruht.

Idealerweise hat der Betrieb einen Pausenraum, in dem so etwas möglich ist. Gibt es ihn nicht, müssen Mitarbeiter improvisieren - eventuell lässt sich ja ein Schulungsraum oder ein Besprechungszimmer mittags zur Ruhezone umfunktionieren. Dann muss aber klar sein, dass in dieser Zeit nicht dauernd jemand reinkommt. “Ansonsten kann man sich ja nicht entspannen“, sagt Wieland.

dpa

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