Die Universität in Vechta bietet Flüchtlingen Deutschkurse an. Für einen Berufsstart und eine Zukunft in Deutschland ist die Sprache entscheidend. Foto: Carmen Jaspersen
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Die Universität in Vechta bietet Flüchtlingen Deutschkurse an. Für einen Berufsstart und eine Zukunft in Deutschland ist die Sprache entscheidend.

Grundlage für die Zukunft in Deutschland

Ohne Deutsch geht nichts: Asylbewerber büffeln an Unis

Auch wenn sie noch so qualifiziert sind: Ohne Deutschkenntnisse geht nichts für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt. Viele Hochschulen bieten nun Kurse für Asylbewerber an.

Es sind die Fallstricke des Imperativs, die Deutschlehrerin Engela Witte an diesem Vormittag ihrer Klasse nahebringen will. "Nimm" heißt es im Singular - "Nehmen Sie" im Plural. "Wenn man ein "Bitte" einfügt, klingt es ein bisschen netter", sagt Witte.

Ihre Zuhörer sind 27 Flüchtlinge, die an der Universität Vechta einen Anfänger-Deutschkurs belegen. Konzentriert hören sie zu und machen sich Notizen zum Vokalwechsel im Wortstamm der Verben. Die meisten kommen aus Syrien, einer aus Kolumbien und einer aus dem Kosovo.

Zu ihren Schülern gehören der Computerexperte Daniel Abou-Shakrah (27), der Laborarzt Mohamad Ayman Alhallak (40), der Apotheker Hasan Hasan (49) mit seiner Frau, der Zahnärztin Khadija Khamel (47) und ihre Tochter Venus Hasan (18). Alle sind innerhalb der vergangenen drei Monate aus Syrien zu Familienangehörigen nach Deutschland geflüchtet. Wie alle in diesem Kurs büffeln sie im Moment Vokabeln und Grammatik. "Es ist sehr wichtig für uns, schnell Deutsch zu lernen", sagt Hasan Hasan. "Wenn wir Deutsch lernen, können wir auch arbeiten", ergänzt Mohamad Ayman Alhallak.

Aber der Weg dahin ist noch weit. Das Angebot der Uni Vechta ist ein erster Einstieg in das Lernen der Sprache - ein Deutschkurs für akademisch interessierte Flüchtlinge, sagt Judith Peltz vom International Office der Universität Vechta. Wer als Ausländer in Deutschland studieren will, muss ein fortgeschrittenes Sprachniveau nachweisen und die Prüfung B2 bestehen. "Das sind locker 700 bis 1000 Unterrichtsstunden", sagt Peltz. Die Flüchtlinge werden am Ende gerade einmal 60 Stunden absolviert haben.

Dennoch, der Kurs ist für alle ein Anfang. Aber der Anfang eines steinigen Wegs. Wie soll es weitergehen mit ihnen in Deutschland? Sie müssten ihre Zeugnisse in Deutschland anerkennen lassen. "In Syrien, den USA, in Großbritannien und Frankreich kann ich mit meinem Studium ein eigenes Labor betreiben", sagt Mohamad Alhallak, der Pharmazie studiert hat. In Deutschland müsste er dafür eigentlich noch ein Medizinstudium dranhängen. "Wir hoffen darauf, dass die Arbeitgeber bei den Zeugnissen ein Auge zudrücken und auch unsere Berufserfahrung anerkennen", sagt Hasan Hasen. "Wir sind schon zu alt, um noch etwas Neues zu studieren."

Die 18-jährige Venus Hasan muss sogar ihren Schulabschluss nachholen. "Ich bin in die zehnte Klasse gekommen", sagt sie. Nun muss sie das deutsche Abitur machen. Sie will einmal Apothekerin werden, wie ihr Vater.

Die Hochschulen in Niedersachsen sollen sich den Flüchtlingen öffnen, so will es die Landesregierung. "Die Hochschulen haben ihre aktive Unterstützung bei der Integration von Flüchtlingen zugesagt", heißt es dazu von der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen. So gebe es an allen Einrichtungen Initiativen, die Flüchtlinge beim Deutschlernen helfen. An der Uni Hildesheim etwa unterstützen Lehramtsstudenten in einem Projekt Kinder aus verschiedenen Ländern in Kleingruppen. 13 Prozent dieser Kinder kommen aus Syrien.

Die Uni Osnabrück und andere Unis wollen Germanistik-Studenten schulen, damit diese in Flüchtlingsunterkünften Deutsch unterrichten können. "Wir werden Ende September mit den Schulungen anfangen", sagt Vizepräsident der Uni Osnabrück für Studium und Lehre, Joachim Härtling. Ohne Vorbereitung sollen die Studenten nicht in die Aufnahmeeinrichtungen gehen. "Diese Art von Qualitätsmanagement müssen wir leisten, auch wenn das Programm dadurch später anläuft."

Für einen Berufsstart und eine Zukunft in Deutschland steht und fällt alles mit der Sprache. "Hier sind alle super motiviert", sagt Sprachlehrerin Witte. Auch wenn die unregelmäßigen Verben im Deutschen nicht leicht zu lernen sind.

dpa

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