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Macht mein Job noch Sinn? Wie viele Downshifter trieb Tanja Keßler diese Frage um. Sie entschied sich, ihren Job aufzugeben - und sich selbstständig zu machen.

Raus aus der Mühle:

Downshifter verzichten auf Karriere

Jetzt ist genug! Obwohl es im Job scheinbar gut läuft, steigen manche irgendwann aus. Downshifter haben die Nase voll davon, dass ihr Leben vor allem um den Job kreist. Sie gehen auf der Karriereleiter freiwillig einen Schritt zurück.

Otzberg - Tanja Keßler hat im Berufsleben immer gut funktioniert. Nach dem Abi hat sie Groß- und Außenhandelskauffrau bei einem großen Automobilhersteller gelernt. Sie wurde in der Werbeabteilung übernommen und arbeitete dort zehn Jahre lang.

Irgendwann war der Wunsch da, kreativer zu werden und mehr zu schreiben. Sie wechselte in eine Werbeagentur als Texterin und blieb dort ebenfalls zehn Jahre. Als sie Anfang 40 war, kam sie in die Sinnkrise: "Ich bin nicht da angekommen, wo ich hinwill", dachte sie.

Sie wollte schreiben, doch die Kunden der Werbeagentur machten so enge Vorgaben, dass für Kreativität kaum Platz blieb. Gleichzeitig war die Arbeitsbelastung hoch: Standen wichtige Projekte an, saß sie am Wochenende vor dem Computer. Die beiden Söhne verbrachten viel Zeit mit dem Au-Pair-Mädchen. Keßler war unzufrieden und fing an, über Alternativen nachzudenken. So wurde sie zur Downshifterin.

Downshifter sind Menschen, die freiwillig einen Schritt auf der Karriereleiter zurückgehen. Wörtlich übersetzt bedeutet es etwa: einen Gang zurückschalten. Sie geben eine Führungsposition auf, um mehr Zeit für sich zu haben, wechseln auf Teilzeit oder hören ganz auf. Das Phänomen an sich ist nicht neu. "Neu ist, dass die Frage nach Downshifting immer früher gestellt wird", sagt Wiebke Sponagel. Sie ist Coach in Frankfurt am Main und berät Berufstätige, die herunterschalten wollen. Vor zehn Jahren kamen vor allem Männer zwischen 40 und 50 Jahren zu ihr. Mittlerweile auch Berufsanfänger.

Das bestätigt Coach Arnd Corts. Auch er berät Menschen, die im Job einen Gang herunterschalten wollen. "Heute habe ich die ersten, die downshiften wollen, bevor sie Vollgas gegeben haben", erzählt er. Den jungen Menschen gehe es weniger um Anerkennung im Beruf oder um Prestige durch ein hohes Gehalt. Sie arbeiteten lieber weniger und gewinnen an frei verfügbarer Zeit.

Bei Keßler kamen mehrere Gründe zusammen: Sie fand ihre Tätigkeit nicht mehr sinnvoll und wollte mehr Zeit mit der Familie verbringen. Deshalb hängte sie im Sommer 2011 den Beruf in der Werbagentur an den Nagel und machte sich mit dem Glücksgarten selbstständig. Der Glücksgarten ist ein Zentrum für naturnahes Leben. Parallel zur Arbeit in der Werbeagentur hatte sie eine Ausbildung zur Naturpädagogin absolviert. Das sind Menschen, die anderen die Natur nahebringen. Sie bietet Kochkurse an sowie Einführungen in die Herstellung von Käse, Brot und Naturkosmetik. "Weniger arbeite ich eigentlich nicht", erzählt sie. Aber sie sei zufriedener.

Wer downshiften will, sollte sich den Schritt gut überlegen, sagt Coach Sponagel. Keine gute Idee ist, so eine Entscheidung zu treffen, wenn Mitarbeiter bei der Arbeit gerade stark überlastet sind. Mancher neigt dann dazu, alles hinwerfen zu wollen. Möchte jemand diesen Schritt gehen, sollte er im Gegenteil erst einmal zwei oder drei Wochen freinehmen und versuchen zur Ruhe zu kommen. "Menschen unter Stress treffen falsche Entscheidungen."

Dann geht es darum, einige Fragen zu klären. Wieviel möchte ich bei der Arbeit zurückfahren? Habe ich ausreichend finanzielle Ressourcen, um das zu stemmen? Wie werden der Partner und die Freunde darauf reagieren? Dieses zu klären, brauche Zeit, bestätigt Coach Corts. Am Ende ist aber im besten Fall sehr viel zu gewinnen.

dpa

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