Den Stundenlohn von 3,40 Euro hielten die Richter für sittenwidrig.
+
Den Stundenlohn von 3,40 Euro hielten die Richter für sittenwidrig. 

3,40 Euro Stundenlohn?

Sittenwidrig niedriger Lohn: Tarif-Bezahlung einklagbar

3,40 Euro Stundenlohn - mit so einem niedrigen Gehalt wollte sich eine Frau nicht zufriedengeben. Sie zog vor Gericht. Mit Erfolg. Die Richter bewerteten das Entgelt als sittenwidrig.

Zahlt der Arbeitgeber einen sittenwidrig niedrigen Lohn, lässt sich eine Bezahlung nach Tarif einklagen. So urteilte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (Az.: 8 Sa 764/13).

In dem verhandelten Fall hatte eine Frau geklagt, deren Job es ist, Schüler mit Handicap im Schulbus zu begleiten. Sie bringt sie morgens hin und holt sie nachmittags wieder ab. Dafür bekam sie pro Tag 15 Euro. Die Frau meinte, ihre Vergütung sei sittenwidrig niedrig und klagte auf Nachzahlung sowie ein höheres Gehalt.

Mit Erfolg. Das Gericht sprach ihr einen Anspruch auf rund 4000 Euro brutto Nachzahlung zu. Der gezahlte Lohn von 15 Euro pro Arbeitstag sei sittenwidrig. Entgegen der Auffassung des Arbeitgebers beginne ihre Arbeitszeit morgens bei der Abholung von ihrem Wohnort und ende auch dort wieder. Die Standzeiten an der Schule müssten berücksichtigt werden. Somit umfasse ihre Arbeitsleistung vier Stunden und 25 Minuten. Daraus ergebe sich bisher ein Stundenlohn von 3,40 Euro, der sittenwidrig ist. Ihr stehe vielmehr das zu, was der Tarifvertrag für private Omnibusbetriebe vorsieht. Auf das Urteil weist der Deutsche Anwaltverein hin.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jobzusage: Immer schriftlich bestätigen lassen

Nur ein Handschlag reicht für einen Bewerber als Bestätigung für den neuen Job nicht aus. Damit beide Parteien auf der sicheren Seite sind, sollte die Einigung …
Jobzusage: Immer schriftlich bestätigen lassen

200-Kilo-Arbeiter: Kündigung wegen Fettleibigkeit abgewendet

Vor dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf haben sich ein zeitweise 200 Kilo schwerer Arbeiter und sein Arbeitgeber auf einen Vergleich geeinigt.
200-Kilo-Arbeiter: Kündigung wegen Fettleibigkeit abgewendet

Nicht bei "Scheinbewerbung": EuGH zu Diskriminierungsverbot

Eine gute Bewerbung kann einen ziemlichen Aufwand bedeuten. Warum sollte man Zeit investieren für eine Stelle, die man gar nicht haben möchte? Zum Beispiel, um abgelehnt …
Nicht bei "Scheinbewerbung": EuGH zu Diskriminierungsverbot

Selbstständige: Pflichtversicherung als Rettungsanker

Selbstständige lieben häufig ihre Freiheit. Doch wenn es um die Rente geht, kann es sinnvoll sein, auf ein Stück Freiheit zu verzichten und die gesetzliche …
Selbstständige: Pflichtversicherung als Rettungsanker

Kommentare