Obwohl der Frauenanteil in der Forschung zunimmt, kommen Forscherinnen weniger zur Geltung. Von ihnen werden etwa weniger Studien veröffentlicht. Das ergab eine Datenbank-Auswertung. Foto: Oliver Berg
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Obwohl der Frauenanteil in der Forschung zunimmt, kommen Forscherinnen weniger zur Geltung. Von ihnen werden etwa weniger Studien veröffentlicht. Das ergab eine Datenbank-Auswertung. Foto: Oliver Berg

Studie: Frauen in der Forschung oft noch im Nachteil

Sie veröffentlichten weniger und werden seltener zitiert: Frauen haben hierzulande in der Forschung oft noch das Nachsehen. Ausgerechnet in einigen Männerdomänen haben sie ihren Kollegen allerdings etwas voraus.

Berlin (dpa) - In der deutschen Forschungslandschaft herrscht noch immer eine Kluft zwischen den Geschlechtern. Das ist das Ergebnis des Reports "Mapping Gender in the German Research Area".

Demnach stieg der Anteil von Frauen in der Forschung zwar fächerübergreifend von rund 28 Prozent in 2010 auf fast 31 Prozent im vergangenen Jahr. Allerdings veröffentlichen Frauen aus verschiedenen Gründen weniger Studien als ihre männlichen Kollegen und werden auch seltener zitiert.

Für den Report, der im Wissenschaftsverlag Elsevier erscheint, werteten die beteiligten Forscher mit Hilfe einer Datenbank nach eigenen Angaben unter anderem fast 709 000 veröffentlichte Dokumente von mehr als 405 500 Forschern aus. Um zu erheben, wie häufig aus ihren Texten zitiert wurde, wurde demnach ein Zeitfenster von fünf Jahren ab der Veröffentlichung betrachtet. Grundlage dazu war der sogenannte "field-weighted citation impact (FWCI)", der die Zahl der Zitierungen eines Artikels denen vergleichbarer Texte - etwa mit dem gleichen Erscheinungsjahr oder Forschungsfeld - gegenüberstellt.

Das Ergebnis: Publikationen von Frauen wurden seltener zitiert als die von Männern. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 lag der durchschnittliche FWCI von weiblichen Forschern demnach mit einem Wert von 1,68 etwas unter dem der männlichen mit 1,75.

Prof. Martina Schraudner, Leiterin des Fachgebiets Gender und Diveritsy-Aspekte an der Technischen Universität Berlin, hält dafür verschiedene Gründe für möglich. Bestehende Seilschaften zwischen männlichen Wissenschaftlern seien nur eine denkbare Erklärung. Hinzu komme, dass sich Frauen in Fächern mit ähnlich hohem Männeranteil tendenziell eher mit neueren, unbekannteren Themenbereichen befassten.

"Bis ein Thema sich als relevant festsetzt, sind aber etwa zehn Jahre nötig", erklärte sie. Erst dann werde auch regelmäßig aus entsprechenden Texten zitiert.

Zudem veröffentlichen Forscherinnen ihre Ergebnisse dem Report zufolge seltener. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 kamen sie demnach lediglich auf 2,07 Publikationen im Jahr, während es bei den Männern im Schnitt 2,34 waren. Erst in leitenden Positionen gleicht sich die Publikationsrate demnach aus.

"Man kann entweder relativ lange an einem Thema arbeiten oder in vielen kleinen Scheibchen publizieren", erklärte Schraudner. Möglicherweise gehe bei Forscherinnen Qualität eher vor Quantität.

Überraschend: In eher männlich dominierten Fachbereichen veröffentlichten Frauen sogar überdurchschnittlich viele Ergebnisse. In Informatik, Physik, Astronomie und Maschinenbau publizierten sie der Erhebung zufolge im Schnitt mehr als ihre männlichen Kollegen. Im Fach Physik und Astronomie waren es beispielsweise jährlich 4,03 Publikationen - im Gegensatz zu 3,27 bei den Herren. Schraudner zufolge könnte das auch daran liegen, dass Frauen sich dort besonders beweisen wollten.

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