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Der Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt rät dazu, in Aktien zu investieren.

Dr. Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG

„Ich empfehle eine Aktienquote von 80 Prozent“

Er zählt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands. Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltungsgesellschaft DJE Kapital AG in Pullach, hat in seinen annähernd 50 Berufsjahren schon viele Krisen kommen und gehen sehen. Die aktuellen Entwicklungen an den Börsen beurteilt er mit der entsprechenden Gelassenheit aus Erfahrung.

Anleger leiden unter den Niedrigzinsen. Ist ein Ende der Entwicklung abzusehen?

Ehrhardt: „Ich würde nicht auf stärkere Zinserhöhungen spekulieren. Das dauert noch einige Zeit. Die Notenbanken fluten weiterhin die Märkte mit Geld und halten die Zinsen unten. In den USA könnte im Herbst eine leichte Zinsanhebung kommen, doch selbst das wäre in den Aktienkursen bereits weitgehend enthalten. Zudem drängen noch viele Investoren auf die Märkte, die bislang zu wenige Aktien halten. Erst wenn die Notenbanken aus Sorge vor einer ansteigenden Inflation dem Markt wieder Liquidität entziehen und die Zinsen stärker steigen, könnten Anleger in Anleihen umschichten und so die Kurse unter Druck setzen.“

Eine anziehende Inflationsrate wäre also ein Indikator für eine Wende an den Börsen?

Ehrhardt: „Auf lange Sicht ja, aber zuletzt fürchteten viele ja immer noch eher eine Deflation. Inflation entsteht erst, wenn die Nachfrage die Güterproduktion übersteigt. Dafür gibt es aber keine Anzeichen. In China zum Beispiel liegt die Kapazitätsauslastung bei zirka 60 Prozent, da ist noch Luft nach oben. Auch in anderen Industrieländern sind keine Signale für eine sich erhitzende Konjunktur mit übermäßig steigenden Preisen und Löhnen zu erkennen.“

Also grünes Licht weiterhin für Aktien?

Ehrhardt: „Anleger haben derzeit keine andere Wahl. Ich empfehle eine Aktienquote von 80 Prozent. Allerdings kommt es mehr denn je auf eine gute Auswahl der Papiere an, man muss sich die Einzel-Märkte und -Titel genau anschauen.“

Nennen Sie Beispiele.

Ehrhardt: „Wir schauen uns derzeit primär Europa und Japan an, die USA weniger. Dort findet man viele gute Einzeltitel, aber das Wirtschaftswachstum schwächt sich ab; das organische Gewinnwachstum ist gesunken. Die US-Kurse wurden zuletzt vor allem durch Aktienrückkäufe stabilisiert, die im vergangenen Jahr drei Viertel aller Aktienkäufe ausmachten. Unternehmen kaufen 2015 wohl für fast 1000 Milliarden Dollar eigene Aktien. Geld, das nicht investiert wird.“

Wieso bevorzugen Sie Europa?

Der Vergleich zeigt: Während die Zinsen seit einiger Zeit deutlich fallen, legen Aktien kräftig zu. Ende März schloss der Dax erstmals ein Quartal bei einem Stand von über 12 000 Punkten ab. Bei allen Schwankungen – aktuell etwa wegen der Griechenland-Frage – gehen Experten davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Die Zinsen dürften unten bleiben, Aktien langfristig weiter steigen – allerdings um den Preis einer hohen Volatilität. Das heißt, Anleger müssen mit manchmal auch heftigen Kurseinbrüchen rechnen.

Ehrhardt: „Die Fundamentaldaten enttäuschten zwar während der zurückliegenden fünf Jahre. Jetzt bessert sich aber die Lage. Europa ist im Konjunktur-Frühling, die USA im Herbst. Spanien wächst dieses Jahr nach Schätzungen um 3,6 Prozent, Italien immerhin um 0,7 Prozent. Als Belastungsfaktoren bleiben Überkapazitäten und die demografische Stagnation, und viele Länder tun sich weiterhin schwer mit Reformen. Aktienkurse werden künstlich getrieben durch die niedrigen Zinsen, den schwachen Euro und den relativ tiefen Ölpreis. Auch hier kommt es also auf eine gezielte Auswahl der Einzeltitel an.“

Viele Anleger setzen auf deutsche Aktien. Ist das gerechtfertigt?

Ehrhardt: „Auch in Deutschland tut sich mit Blick auf Reformen nicht mehr viel. Immerhin sorgt die Binnenwirtschaft für einen gewissen Schub. Die Löhne steigen, und die Menschen nehmen wegen der niedrigen Zinsen mehr Kredite auf. Strukturell bleibt die deutsche Wirtschaft aber vom Euro-bedingt übermäßig gewachsenen Export und damit von der nicht beeinflussbaren Entwicklung der Weltkonjunktur zu stark abhängig. Das macht uns längerfristig Sorgen, denn dies lässt sich weniger beeinflussen als die Binnenlage.“

Was ist mit Griechenland?

Ehrhardt: „Mögliche Gefahren von dort für die Börsen schätzen wir als gering ein, das ist soweit eingepreist. Irrationale Reaktionen kann man nie voraussagen. Ich glaube aber, dass sie überschaubar bleiben. Wir gehen ohnehin davon aus, dass das Land politikbedingt im Euro bleibt. Käme es überraschend zum Ausstieg, würde das die Aktien wohl nur einmalig drücken und wäre eine Kaufgelegenheit.“

Was erwarten Sie für die nähere Zukunft?

Ehrhardt: „Die Börsenwelt befindet sich derzeit in einem labilen Gleichgewicht. Externe Faktoren, zum Beispiel politische Krisen, unerwartete Zinsänderungen oder Verwerfungen bei Währungsrelationen können das Gleichgewicht stören. Gefahren sehen wir aber weniger bei Aktien, sondern vor allem mittelfristig für Anleihen. Sie sind derzeit die gefährlichste Anlageklasse, da hier selbst kleinste Zinsspekulationen für Unruhe sorgen. Die tiefen Renditen können Kursverluste nicht wie früher ausgleichen. Anleger müssen also wachsam bleiben.“

DAS INTERVIEW FÜHRTE JÜRGEN GROSCHE.

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