Der Auszubildende Tim Kudszus schnitt in der Zwischenprüfung so gut ab, dass er inzwischen selbstständig Kunden frisieren darf. Foto: Markus Scholz
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Der Auszubildende Tim Kudszus schnitt in der Zwischenprüfung so gut ab, dass er inzwischen selbstständig Kunden frisieren darf. Foto: Markus Scholz

Wie werde ich...? Friseur/in

Hamburg (dpa/tmn) - Zu kurz, zu lang, zu schräg: Wenn es um das Thema Haare geht, verstehen viele keinen Spaß. Ein guter Friseur ist deshalb nicht nur kreativ und schneidet akkurat. Er sorgt außerdem dafür, dass der Kunde sich rundum wohlfühlt.

Tim Kudszus ist so etwas wie ein Exot in der Friseurbranche. Das liegt nicht daran, dass er sich erst mit 29 Jahren nach langjähriger Arbeit im Theater für die Ausbildung beim Friseur-Salon "Complete Care" in Hamburg-Eppendorf entschied. Kudszus, heute 30, gehört vielmehr zu den wenigen Männern, die Friseur werden wollen.

Laut Gisela Mettin vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn waren 2012 rund 88 Prozent aller neuen Friseur-Azubis weiblich. Bei Tim Kudszus ist das Verhältnis noch klarer: "Ich habe 28 Mitschülerinnen in meiner Berufsschulklasse." Der einzige Mann ist er. Friseur ist einer der wenigen von Frauen dominierten Handwerksberufe.

Das Klischee vom Friseurberuf lautet: ein bisschen Schneiden und Plaudern. Dabei fällt unter den Tisch, dass sich ein anspruchsvolles Handwerk dahinter verbirgt. Bei dem nicht nur praktische Fähigkeiten verlangt werden.

"Es gibt kaum einen Beruf, der so nah am Menschen ist", sagt Robert Fuhs, Leiter der Berufsbildungsausschüsse beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Hinzu komme, dass der Kunde immer ein Wohlgefühl erwartet, vergleichbar mit dem Besuch bei einem Masseur.

Das Wissen im Umgang mit Schere, Fön und Colorationen mache 50 Prozent des Berufs aus, schätzt Fuhs. "Die andere Hälfte bilden Kommunikationsstärke und Psychologie." Man müsse beides gleichzeitig können: Klatsch und Tratsch und ein professionelles Beratungsgespräch, sagt Gisela Mettin. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die meisten Friseur-Azubis haben laut Arbeitsagentur Hauptschulabschluss oder mittlere Reife.

Kudszus vergleicht das Haareschneiden mit Mathematik. Tatsächlich spielen Achsen und Winkel eine wichtige Rolle, wie der Azubi aus Hamburg am Beispiel einer graduierten Form erklärt. Dieser Schnitt wird im Volksmund auch Bob genannt und hat zahlreiche Varianten.

"Zuerst teile ich mir einen Arbeitsbereich am Hinterkopf ab. Dann ziehe ich horizontal eine Linie von Haaren ab, die auf null Grad geschnitten wird." Danach nimmt sich Kudszus eine vertikale Haarlinie und stellt diese 90 Grad vom Kopf ab. Seine Handstellung bildet nun eine 45-Grad-Linie und dann wird geschnitten. So entstehe letztlich die Abstufung, erklärt Kudszus. "Wer Haare schneiden will, sollte sich also mit Winkeln auskennen."

Wer sich zum Friseur ausbilden lässt, muss den Gürtel eng schnallen. Denn das Entgelt liegt im Vergleich mit anderen Ausbildungsberufen im untersten Bereich. 2014 wurden im Schnitt über alle drei Lehrjahre laut BIBB in den neuen Bundesländern nach Tarif 269 Euro, in den alten Bundesländern immerhin 474 Euro gezahlt.

Bei den ausgelernten Friseuren gibt es starke Unterschiede im Gehaltsgefüge je nach Region: Zwar liegt der Schnitt laut statistischem Bundesamt bei rund 1400 Euro brutto pro Monat. In vielen Gegenden verdienen angestellte Friseure aber deutlich weniger als 1000 Euro brutto. Ab August 2015 gilt der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde flächendeckend im gesamten Friseurhandwerk. Dann sollte dieses Lohngefälle etwas abnehmen.

Berufsbild Friseur bei der Bundesarbeitsagentur

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