Hunderte Liter Saft lagern in diesem Tank: Als Azubi zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik bekommt Tristan alle Arbeitsschritte der Getränkeproduktion mit. Foto: Jens Schlueter
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Hunderte Liter Saft lagern in diesem Tank: Als Azubi zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik bekommt Tristan alle Arbeitsschritte der Getränkeproduktion mit. Foto: Jens Schlueter
Der 18-jährige Tristan Tschernich ist im zweiten Jahr seiner Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik bei Becker Fruchtsaft in Eisleben. Foto: Jens Schlueter
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Der 18-jährige Tristan Tschernich ist im zweiten Jahr seiner Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik bei Becker Fruchtsaft in Eisleben. Foto: Jens Schlueter
Probieren gehört auch dazu: Tristan lernt während seiner dreijährigen Ausbildung, auf Qualitität zu achten. Foto: Jens Schlueter
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Probieren gehört auch dazu: Tristan lernt während seiner dreijährigen Ausbildung, auf Qualitität zu achten. Foto: Jens Schlueter
Bevor der Saft abgefüllt wird, läuft er durch eine Filtrationsanlage. Ulrich Günther, Geschäftsführer der Becker Eislebener Fruchtsaft GmbH (r.), erklärt, wie die funktioniert. Foto: Jens Schlueter
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Bevor der Saft abgefüllt wird, läuft er durch eine Filtrationsanlage. Ulrich Günther, Geschäftsführer der Becker Eislebener Fruchtsaft GmbH (r.), erklärt, wie die funktioniert. Foto: Jens Schlueter
Ganz ohne Interesse für Chemie und Physik geht es in der Ausbildung zum Fruchtsafttechniker nicht. Nur so kann man die Vorgänge rund um die Filtrationsanlage verstehen. Foto: Jens Schlueter
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Ganz ohne Interesse für Chemie und Physik geht es in der Ausbildung zum Fruchtsafttechniker nicht. Nur so kann man die Vorgänge rund um die Filtrationsanlage verstehen. Foto: Jens Schlueter
Um Tausende Liter Saft in den LKW abzufüllen, muss Tristan Tschernich riesige Maschinen bedienen. Wie die funktionieren, lernt er in der Berufsschule beim Thema Anlagentechnik. Foto: Jens Schlueter
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Um Tausende Liter Saft in den LKW abzufüllen, muss Tristan Tschernich riesige Maschinen bedienen. Wie die funktionieren, lernt er in der Berufsschule beim Thema Anlagentechnik. Foto: Jens Schlueter
Tristan Tschernich setzt mit der Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik auf eine Nische. Viele Jugendliche kennen den Beruf nicht, deshalb sind Fachkräfte gesucht. Foto: Jens Schlueter
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Tristan Tschernich setzt mit der Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik auf eine Nische. Viele Jugendliche kennen den Beruf nicht, deshalb sind Fachkräfte gesucht. Foto: Jens Schlueter

Beruf und Ausbildung

Wie werde ich...? Safttechniker/in

Zum Frühstück ein Glas Saft: Das schmeckt vielen. Damit es auf den Tisch kommt, sind die Fachkräfte für Fruchtsafttechnik gefragt. Sie machen aus Äpfeln und Orangen Getränke. Wenn Ernte ist, arbeiten sie schon einmal länger als acht Stunden am Tag.

Eisleben - Mehrmals am Tag sieht Tristan Tschernich die Tanklaster vom Gelände seines Arbeitsgebers fahren. In den Tanks: große Mengen Apfelsaft. Bis zu 24 000 Liter werden da schon mal abgeholt.

"Das kann man sich, wenn man die Flasche im Geschäft kauft, gar nicht vorstellen", erzählt Tschernich. Der 18-Jährige ist derzeit im zweiten Jahr seiner Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik bei Becker Fruchtsaft in Eisleben bei Leipzig. Doch es sind nicht nur Äpfel, die die Fachkräfte zu Getränken verarbeiten. Auch Orangen, Kirschen, Johannisbeeren, Erdbeeren und Maracujas gehören dazu.

Fachkräfte für Fruchtsafttechnik arbeiten in der Fruchtsaftindustrie und der Obstweinherstellung. Aus frischem Obst und Gemüse oder Konzentrat machen sie Säfte oder Obstweine. Von der Anlieferung der frisch geernteten Früchte bis zur Auslieferung der Getränke sind sie an allen Arbeitsschritten der Saftproduktion beteiligt.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. In der Berufsschule setzen sich Auszubildende mit Anlagentechnik und Lebensmittelrecht auseinander. In Laborpraktika vertiefen sie ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse. Chemie, Physik und Mathematik sind wichtig, sagt Andreas Truglia, Ausbildungsberater für lebensmitteltechnische Berufe bei der IHK Berlin. So müssen Fruchtsafttechniker zum Beispiel den Säuregehalt von Obst messen können.

Eine Besonderheit der Ausbildung ist, dass der schulische Teil bundesweit im Blockunterricht abgehalten wird. Dreimal im Jahr besuchen alle angehenden Fachkräfte für mehrere Wochen im hessischen Geisenheim gemeinsam die Berufsschule. Azubi Tschernich gefällt das: "Da hört man viel, wie es in anderen Betrieben zugeht, sieht die Unterschiede, kann seine Erfahrungen austauschen."

Im Betrieb setzen sich Auszubildende zunächst damit auseinander, Obst und Gemüse zu sortieren und in großen Waschanlagen zu reinigen. Anschließend pressen sie die Ware zu Saft, filtern Bruchstücke heraus und pasteurisieren den Saft. Dann füllen sie ihn in Flaschen, Tetrapacks, Dosen oder Tanks ab. Anstatt zu Direktsaft verarbeiten viele Fruchtsafttechniker die Früchte auch zu Konzentrat. Dieses verwandeln sie dann mit Wasser und Aroma wieder zu Saft.

Besonders wichtig sind dabei die Hygienevorschriften. Auch Azubi Tschernich muss an vielen Stationen besondere Schutzkleidung und ein Haarnetz tragen. "Gerade wenn man in Kontakt mit dem Saft kommt, muss man schon drauf achten, dass das Produkt nicht kontaminiert wird", erzählt er. Deshalb müssen Fruchtsafttechniker sorgfältig arbeiten. Auch das Auge fürs Detail zählt. "Apfel ist nicht gleich Apfel, nicht alle Kirschen sind identisch. Man muss sich schon für die verschiedenen Fruchtarten interessieren", sagt Klaus-Jürgen Philipp. Er ist Präsident des Verbandes der deutschen Fruchtsaftindustrie.

Da man als Fruchtsafttechniker mit verderblichen Nahrungsmitteln zu tun hat, sind Überstunden keine Seltenheit. Während der Fruchtsaison muss bisweilen auch am Wochenende gearbeitet werden, sagt Ulrich Günther, Geschäftsführer von Becker Fruchtsaft: "Wenn Ernte ist, ist Ernte. Wenn dann Feierabend ist und nicht alles abgefüllt ist, muss es halt noch abgefüllt werden, weil es morgen schon verdorben sein kann." Viele Fruchtsaftbetriebe würden heute jedoch im Schichtsystem arbeiten, fügt er hinzu.

Mit jährlich nur knapp über 100 Azubis ist der Fruchtsafttechniker ein seltener Ausbildungsberuf. Stellenknappheit gibt es trotzdem nicht. Die Facharbeiter sind gefragte Spezialisten. "Es sind mehr Ausbildungsplätze da, als Auszubildende bereit sind, den Beruf zu ergreifen. Geeignete Leute zu finden, die den Beruf erlernen wollen, ist schwierig", sagt Ulrich Günther von Becker Fruchtsaft.

Die Berufsaussichten nach der Ausbildung sind gut. Laut Arbeitsagentur verdienen Fachkräfte für Fruchtsafttechnik in der Ausbildung zwischen 514 und 709 Euro im ersten Lehrjahr und zwischen 658 und 903 Euro im dritten. Das Einstiegsgehalt hängt dann vom Bundesland und Tarif ab, liegt aber laut IHK-Ausbildungsberater Truglia ungefähr zwischen 1900 und 2500 Euro im Monat.

Wer sich nach der Ausbildung noch weiterbilden möchte, kann nach zwei Jahren Berufspraxis einen halbjährigen Meisterkurs besuchen. Dann kann er die Prüfung zum Industriemeister in der Fachrichtung Fruchtsaft und Getränke ablegen. Mit dieser Qualifikation, sagt VdF-Präsident Philipp, kann man dann zum Beispiel Verantwortung als Abteilungsleiter übernehmen.

Auch die Weiterbildung über ein Studium, zum Beispiel im Fach Getränketechnologie, ist bei entsprechender Qualifikation möglich. Ein besonderer Vorteil des Berufs ist die Nähe zum Produkt. "Wir machen aus Äpfeln den Saft, der später im Regal steht. Wenn man die Rohware sieht, und dann auch sieht was dabei rauskommt, das ist schon faszinierend", sagt Tristan Tschernich.

Berufsbild bei der Bundesarbeitsagentur

Berufsbild beim Bundesinstitut für Berufsbildung

Berufsbild beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Ausbildungsordnung (pdf)

Dauer der Ausbildung: drei Jahre

Art der Ausbildung: duale Ausbildung

Azubivergütung im ersten Lehrjahr: ab 510 Euro

Anzahl der Azubis 2013: 117

dpa

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