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Klein, aber fein: Um die zehn Erstsemester wird es voraussichtlich an der Hochschule für Kirchenmusik im kommenden Semester geben. Das Studium in Kirchenmusik bereitet darauf vor, hauptberuflich in Kirchengemeinden den Chor zu leiten und die Orgel zu spielen. Foto: Hochschule für Kirchenmusik Herford

Zu zweit in der Vorlesung - Studieren an den kleinsten Unis

Mit Hunderten anderen zusammen in der Vorlesung sitzen? Ätzend! Wer es kuschelig mag, schreibt sich an Deutschlands kleinsten Unis ein. Dort kennt der Rektor einen am Ende des ersten Semesters mit Namen. Das Fächerangebot ist allerdings begrenzt.

In der Einführungsveranstaltung auf den Stufen sitzen, weil kein Stuhl mehr frei ist? Wer an Deutschlands kleinsten Hochschulen studiert, kennt solche Probleme nur vom Hörensagen.

Relativ neu am Markt: Die Hochschule der bildenden Künste (HBK) Essen. Rund 30 Neuanfänger gibt es dort im kommenden Wintersemester. Im Angebot sind Studiengänge wie Bildhauerei/Plastik oder Fotografie/Medien.

Mancher Winzling zählt nicht mehr als ein paar Dutzend Studenten. Zum Vergleich: An der Universität Köln wollen mehr als 50 000 einen Abschluss machen. Wer sich ein sehr intimes Studium wünscht, schreibt sich am besten an diesen Unis ein: Hochschule für Kirchenmusik Herford: Mit voraussichtlich weniger als zehn Neuanfängern im Wintersemester 2015/2016 ist die Hochschule für Kirchenmusik Herford überschaubar. Was nach Zwerg klingt, sei aber ein Branchenriese, scherzt Prof. Dr. Helmut Fleinghaus. Er ist Rektor der Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche. Von den fast 30 deutschen Ausbildungsstätten für Kirchenmusik ist Herford eine der größten. Herzstück der Hochschule: der Bachelor und Master in Kirchenmusik. Er bereitet darauf vor, hauptberuflich in Kirchengemeinden den Chor zu leiten und die Orgel zu spielen. Rund 1600 hauptamtliche Kirchenmusiker gibt es derzeit - und das Fach hat Nachwuchssorgen, sagt Prof. Fleinghaus. Wer sich an der Hochschule einschreiben will, muss zunächst die Aufnahmeprüfung schaffen. Und die ist nicht ohne: Bewerber spielen auf der Orgel und dem Klavier und singen anschließend noch vor. Später brüten sie über bis zu 20 verschiedenen Fächern und müssen überall Prüfungen ablegen. Dazu gehört etwa Tonsatz, Hörerziehung oder Generalbass spielen. Der Vorteil: Wer das Studium beendet hat, ist anders als viele Orchester-Musiker mit Anstellungssorgen gesucht.

Wirtschaft, Gesundheitswissenschaften und Ethik: Das sind die drei Säulen der Wilhelm Löhe Hochschule (WLH) Fürth. Dort wird der Nachwuchs etwa für das Krankenhausmanagement ausgebildet.

Hochschule der bildenden Künste (HBK) Essen: Ebenfalls um die Schönen Künste dreht sich alles an der HBK Essen. Dort sind es voraussichtlich 30 Neuanfänger im Wintersemester 2015/2016, sagt Sabrina Güntner, Pressereferentin an der HBK. Die verteilen sich auf drei Bachelorstudiengänge: Bildhauerei/Plastik, Fotografie/Medien und Malerei/Grafik. Die Studiengebühren liegen bei 365 Euro pro Monat. An der HBK hätten sie durchaus gerne mehr Studenten. Ob die Hochschule in Zukunft ein Zwerg bleiben wird, ist offen. Schließlich hat sie erst zum Wintersemester 2013/2014 den Betrieb aufgenommen. Wilhelm Löhe Hochschule (WLH) Fürth: "Wir sind hier gut behütet", sagt Studentin Laura Höfler (22) über die private WLH Fürth. Ihr Studiengang heißt Management im Gesundheits- und Sozialmarkt. Später soll sie in Krankenhäusern oder -kassen oder bei Medizintechnikunternehmen arbeiten können. Während der WM, als die Kurse nicht so gut besucht waren, saßen sie in der Vorlesung manchmal zu fünft. "Es ist wie eine Schulklasse, man kann mitarbeiten und Fragen stellen. Nur verstecken kann man sich halt wenig." Im Wintersemester 2015/2016 gibt es an der WLH voraussichtlich 30 Neuanfänger, schätzt Kanzlerin Sabine König. Studenten bewegen sich in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheitswissenschaften und Ethik. Derzeit sind drei Bachelor- und zwei Master-Studiengänge im Angebot. Das Studium kostet pro Monat 400 Euro. Die Hochschule will wachsen: Etwa 500 Studierende sind das Ziel.

An der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel geht es familiär zu. Rektor Prof. Gilberto da Silva kennt jeden Studenten mit Namen.

Lutherische Theologische Hochschule (LTHW) Oberursel: Sich zu verstecken, ist an der LTHW ebenfalls unmöglich. "Spätestens nach dem ersten Semester kenne ich jeden Studenten mit Namen", sagt Rektor Prof. Dr. Gilberto da Silva. Die Hochschule bietet mit Evangelischer Theologie einen einzigen Studiengang an. Zu den klassischen Fächern zählen Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte oder Missionskunde. Zum Wintersemester 2015/2016 sind es voraussichtlich 25 neue Studierende, sagt Prof. da Silva. Die Herausforderung: Für das eigentliche Theologiestudium brauchen Studenten das Latinum, Graecum und Hebraicum. Die Wenigsten haben die drei Abschlüsse in der Schule erworben - und zu Beginn des Studiums heißt es deshalb erst einmal Sprachen pauken. "Da sitzen dann manchmal im Kurs nur zwei", erzählt der Rektor. Bei den Abschlüssen können Studenten wählen. Das Erste Theologische Examen ist Voraussetzung für eine Dienststelle in der Kirche - etwa als Pfarrer. Die andere Option ist, mit dem Magister abzuschließen. "Die Absolventen sind zum Beispiel in der Wirtschaft im Personalbereich gesucht."

dpa

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