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Laut OECD-Bericht haben junge Menschen in Deutschland gute Aussichten auf einen Job. Andere große Industriestaaten wie Großbritannien und USA schneiden schlechter ab. Foto: Sebastian Kahnert

OECD: Deutschland bietet jungen Leuten gute Job-Chancen

Jahr für Jahr wird der OECD-Ländervergleich zur Bildung von Experten und Politikern mit Spannung erwartet. Manchmal gibt es Schelte, auch für Deutschland. Die neue Studie enthält einige gute Zeugnisnoten.

Berlin (dpa) - Die Job-Chancen junger Menschen sind in Deutschland mit seinem dualen Bildungssystem viel besser als in den anderen großen Industrienationen. Das steht in dem Bericht "Bildung auf einen Blick 2015", den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorstellte.

Laut Vergleichsdaten für 2014 lag die Quote der 20- bis 24-Jährigen, die nach ihrer Schulzeit weder in Arbeit noch in Aus- oder Weiterbildung waren, hierzulande bei 10,1 Prozent - im Durchschnitt von 33 OECD-Staaten dagegen bei 17,9 Prozent.

In Großbritannien (17,0 Prozent), den USA (17,5), Frankreich (18,3), Spanien (29,0) und Italien (34,8) war die Quote der jungen Leute zwischen 20 und 24 Jahren ohne Integration ins Erwerbsleben deutlich schlechter als in Deutschland. Bessere Werte verzeichneten nur Luxemburg (9,0), Island (9,4) und Norwegen (10,0), etwas schwächer schnitten die Niederlande, Österreich, Tschechien, Dänemark, Schweden und die Schweiz ab. Ähnlich sah es im Gesamtüberblick von Männern und Frauen zwischen 15 und 29 Jahren aus: Erwerbslosigkeit in Deutschland bei 9,2 Prozent, OECD-weit bei 15,5 Prozent.

Laut Jahresbericht trugen "die gute Konjunktur, aber auch die leistungsfähige berufliche Bildung" dazu bei, jungen Menschen in der Bundesrepublik den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Mit dem dualen System - der Kombination von betrieblicher Lehre und Berufsschule - habe Deutschland "gute Voraussetzungen", auch die Arbeitsmarktintegration von Migranten zu stemmen, sagte der stellvertretende OECD-Generalsekretär Stefan Kapferer.

Die Beschäftigungsquoten in Deutschland waren bei allen Bildungsabschluss-Niveaus über dem OECD-Schnitt, hieß es weiter. Der Anteil der Erwerbstätigen unter den Hochqualifizierten - etwa mit Studienabschluss - liege bei herausragenden 88 Prozent. Ein höherer Bildungsabschluss versetze demnach eher in die Lage, sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen, so das OECD-Fazit. Dem Bericht zufolge geht es bei der höheren Bildung in der Tat aufwärts: Rund 53 Prozent eines Jahrgangs in Deutschland - ohne ausländische Studenten - beginnen ein Studium oder einen anderen sogenannten tertiären Bildungsgang wie Meister oder Techniker.

Allerdings liegt der OECD-Schnitt (60 Prozent) noch ein gutes Stück darüber. Kapferer verband mit diesen Zahlen die Empfehlung, den Weg zu mehr hoher Bildung weiterzugehen: "Demografiebedingt wird in den kommenden Jahren in Deutschland eine vergleichsweise große Zahl an Hochqualifizierten aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die entstehende Fachkräftelücke kann nur geschlossen werden, wenn sich der Anteil gut ausgebildeter Jugendlicher an den zahlenmäßig schwächeren, nachrückenden Jahrgängen weiter erhöht."

Der OECD-Bericht nimmt auch die in Deutschland lange vernachlässigte frühkindliche Bildung etwa in Kitas oder bei Tagesmüttern in den Blick und registriert "gute Fortschritte auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit". Knapp zwei von drei Zweijährigen (2013: 59 Prozent) nehmen solche Angebote wahr - mehr als im OECD-Durchschnitt (39 Prozent). Die allermeisten Dreijährigen (92 Prozent) genießen jetzt eine Vorschulbildung - 2005 waren es nur 80 Prozent.

"Gerade Kinder mit Migrationshintergrund oder die neu ankommenden Flüchtlingskinder" könnten in Kitas ihr Deutsch verbessern, betonten Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brunhild Kurth (beide CDU). "Dieser erste Schritt in unser Bildungssystem ist für einen erfolgreichen Bildungsweg besonders wichtig."

Die Jobchancen in Deutschland sind nach dem neuen OECD-Bericht für Jugendliche gut. Doch längst nicht alle profitieren von dieser Entwicklung am Arbeitsmarkt, sagt Jürgen Wursthorn von der Bundesarbeitsagentur. Wer keine abgeschlossene Ausbildung hat, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren und in die Arbeitslosigkeit zu rutschen. Um eine Lehrstelle zu bekommen, ist in der Regel mindestens ein Hauptschulabschluss Voraussetzung. Er appelliert deshalb an alle Jugendlichen, die Schule nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Jedes Jahr gebe es weiterhin trotz guter Konjunkturlage mehr als 20 000 unversorgte Jugendliche. Das sind alle, die gerne eine Lehrstelle wollen, aber keine bekommen und keine Alternative haben, etwa weiter zur Schule gehen. Trotz der an sich guten Lage am Arbeitsmarkt stagniert die Zahl der unversorgten Bewerber auf diesem Niveau. "Wir haben immer stärker ein Matching-Problem", sagt Wursthorn. Stellen und Bewerber passen nicht zusammen.

Wenn möglich, sollten Jugendliche auf jeden Fall versuchen, nicht nur den Hauptschulabschluss zu machen, sondern gleich die mittlere Reife. Immer häufiger bewerben sich nämlich auch Abiturienten auf Ausbildungsplätze, sagt Wursthorn. Ein Beispiel: Von den Bewerbern für eine Ausbildung hatten 2011 rund 53 000 Abitur, 2015 waren es 68 000. Die Chancen, ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss in einem beliebten Ausbildungsberuf zu landen, werden so immer geringer.

Dass Ausbildung der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist, zeigt auch ein Blick auf die aktuellen Arbeitsmarktzahlen: Im Oktober 2015 gab es 2 649 277 Personen, die arbeitslos gemeldet waren. Von ihnen hatte fast jeder Zweite (47,2 Prozent) keine abgeschlossene Ausbildung. Von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatten aber nur 11,8 Prozent keine abgeschlossene Ausbildung. Das zeigt, dass das Risiko arbeitslos zu werden, vergleichsweise hoch ist.

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