Wenn die Tierärztin und Pferdezahnärztin Nicole Herde-Jäckel ihre Patienten behandelt, benötigt sie großes Werkzeug. Das Tier wird zuvor mit einer Narkosespritze beruhigt. Foto: Patrick Pleul
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Wenn die Tierärztin und Pferdezahnärztin Nicole Herde-Jäckel ihre Patienten behandelt, benötigt sie großes Werkzeug. Das Tier wird zuvor mit einer Narkosespritze beruhigt.

Weit aufmachen

Auch Pferde müssen regelmäßig zum Zahnarzt

Dass Pferde kaum noch in der Wildnis leben, bereitet ihren Zähnen Probleme. Ihr Gebiss nutzt sich nicht mehr richtig ab und sie bekommen Schwierigkeiten beim Kauen - ein Fall für Experten.

Friesenhengst "Wunder" fletscht die Zähne. Aber das alles andere als freiwillig. Vielmehr hat das schwarze Reitpferd vom Pferdehof Hohenwalde gerade Besuch vom Zahnarzt und ein metallenes Maulgatter verpasst bekommen.

Pferdedentalpraktiker nennen sich die Fachleute, die den Tieren beherzt ins Maul greifen. Eine Veterinärmedizinerin mit dieser zusätzlichen Spezialausbildung ist seit zehn Jahren Nicole Herde-Jäckel aus Herzfelde in Brandenburg. Entschlossen und mit routinierten Handgriffen behandelt sie die Zähne des achtjährigen Hengstes "Wunder". Zunächst benutzt sie eine elektrisch betriebene Zahnraspel und bearbeitet seine Backenzähne. Später schleift sie die Schneidezähne ab, so dass es aus dem Pferdemaul staubt.

Das mächtige Tier hält nur deshalb still, weil es zuvor mit einer leichten Narkosespritze ruhiggestellt worden ist. Zudem hält es Reitlehrerin Silke Pöschke am Halfter und spricht ihm beruhigend zu. "Pferde sind von Natur aus Fluchttiere. Wenn sie könnten, würden sie in solchen Situationen einfach abhauen."

So aber kann "Wunder" nicht davongaloppieren und muss - aufrecht in der Box stehend - ertragen, wie sich die mit Mundschutz und Schutzbrille ausgerüstete Fremde an ihm zu schaffen macht. "Pferdezähne wachsen ein Leben lang - pro Jahr im Durchschnitt um drei Millimeter", erklärt die 38-jährige Expertin. "Früher, in der freien Wildbahn, haben die Tiere 16 Stunden pro Tag hartes Steppengras gekaut. Die Zähne nutzten sich von alleine ab." Da diese Zeiten lange vorbei sind, müssten Pferde alle ein, zwei Jahre zum Zahnarzt.

"Wenn die Kauleisten des jeweiligen Pferdes nicht in Ordnung sind, merkt das der Reiter irgendwann. Das Tier macht Probleme", erläutert Herde-Jäckel, die selbst zwei Pferde besitzt. Die Gebiss-Korrekturen seien richtig und notwendig, bestätigt Futterberater Dieter Reelitz aus Müncheberg. "Das Kauen ist wichtig für den Nährstoffaufschluss. Schon im Pferdemaul wirken Enzyme, die wichtig sind für die Verdauung", erläutert der promovierte Landwirt, der zusätzlich Tierernährung studiert hat.

Funktioniere das nicht richtig, weil das Futter nicht ordentlich zerkaut werden kann, würden Pferde immer magerer. Allzu verbreitet sei das Bewusstsein für eine Notwendigkeit der Pferdezahnpflege bei Haltern und Reitern allerdings noch nicht, lehren Reelitz' Erfahrungen.

Ein Pferd hat 36 bis 40 Zähne, das Gebiss reicht bis unter die Augen. Viel Arbeit also für die Pferdedentalpraktikerin, die zweimal wöchentlich zu ihren Patienten fährt und an den anderen Tagen ein Kleintierpraxis in Herzfelde betreibt. An den Backenzähnen entfernt sie die scharfen Kanten und Haken, die Schneidezähne kürzt sie, damit die Backenzähne dahinter beim Kauen wieder ordentlich aufeinandertreffen.

Herde-Jäckels Arbeit ist körperlich anstrengend, denn sie hantiert nicht mit filigranem Besteck wie ein herkömmlicher Zahnarzt, sondern mit großem Gerät. Maximal zehn Pferde kann sie pro Tag behandeln. "Täglich würde ich das nicht durchhalten", bekennt die zierliche Dunkelhaarige.

Die Pferdedentalpraxis ist ihr zufolge keine neue Erfindung. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte ein deutscher Militärtierarzt damit begonnen. "Ihm ging es damals nicht in erster Linie um das Wohl der Tiere, sondern um Einspareffekte. Denn kann das Pferd gut kauen, verwertet es das Futter besser, und man spart ein Kilo Kraftfutter und ein Kilo Heu pro Tag."

Nach dem Krieg sei die Sache in Vergessenheit geraten und erst vor gut 15 Jahren aus Amerika nach Europa zurückgebracht worden. Einen Zahnarzt benötigen laut Herde-Jäckel in der Regel nur Pferde. Bei anderen Tierarten müsse der Mensch selten eingreifen.

Ab und zu muss Herde-Jäckel auch einen vereiterten Zahn ziehen. "So ein Pferdezahn ist zwölf bis 16 Zentimeter lang." Karies bekommen Pferde ihren Angaben nach selten. "Die Zähne wachsen ständig und auch die Wurzelkanäle schließen sich wieder." Kaue ein Pferd schief, so übertrage sich diese Fehlstellung über das Nackenband bis in den Rücken. "So ein Tier hat Schmerzen und kann eigentlich nicht mehr geritten werden."

dpa

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