Das Bundesverwaltungsgericht stellte klar: Katzen, die ohne Fell und Tasthaare gezüchtet werden, wird Schaden zugefügt. Foto: Barnabas Honeczy
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Das Bundesverwaltungsgericht stellte klar: Katzen, die ohne Fell und Tasthaare gezüchtet werden, wird Schaden zugefügt.

Kuriose Rechtssprechung

Fünf Richter und ein nackter Kater namens Willi

Tierische Fälle vor Gericht sichern fast immer öffentliches Interesse. Nun ist ein nackter Kater in Berlin ins Rampenlicht gerückt. Zu klären war die Frage: Verstößt die Zucht gegen das Tierschutzgesetz?

Das Schicksal von Zucht-Kater Willi aus der Hauptstadt ist fürs Erste entschieden: Der vier Jahre alte Nacktkater soll kastriert werden, er darf keine Nachkommen mehr zeugen, urteilte das Berliner Verwaltungsgericht.

Die Zucht von Nacktkatzen ohne funktionsfähige Tasthaare verstoße gegen das Tierschutzgesetz, hieß es im Urteil. Die Richter betraten mit ihrer Entscheidung juristisches Neuland. Über eine Qualzucht habe bislang kein anderes deutsches Gericht seit dem neuen Tierschutzgesetz von 2013 geurteilt, sagte Richter Christian Oestmann. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung wurde eine Berufung zugelassen. Letztlich könnte der Fall von Kater Willi noch beim Bundesverwaltungsgericht landen.

Züchterin Jacqueline Linke kam ohne Willi ins Gericht. Die Berlinerin war nach dem Urteil entschlossen, für ihre Canadian-Sphinx-Katzen weiter zu kämpfen. Sie hält in ihrer Wohnung nicht nur Willi, sondern noch "die Mädchen" Enola, Rumba und Sadira ohne Fell. "Die sind so verschmust und kinderfreundlich", schwärmte die 41-Jährige. Und Willi habe schon mal einen Champions-Titel geholt - wegen seines Aussehens. Acht Katzen habe sie schon verkauft.

Bei Nacktkatzen fehlt nicht nur das Fell, durch eine Genveränderung hat die Rasse Canadian-Sphinx auch fast keine Tasthaare. Mit denen orientieren sich Normalo-Katzen zum Beispiel bei Dunkelheit. Bei einer Zucht wird das Fehlen der Haare vererbt. Auch Wimpern seien bei den Nacktkatzen verkümmert, hatte ein Gutachter im Prozess gesagt.

Zwar zeigte sich Richter Oestmann in der mündlichen Verhandlung zunächst tolerant und sagte: "Schönheit liegt im Auge des Betrachters." Aber es gehe hier um die Grenzen von Liebhaberei. Er hatte es sich wie seine Kollegen nicht leicht gemacht. Auf dem Richtertisch lag auch ein Buch zur Zucht der Nacktkatzen mit etlichen bunten Klebestreifen. Gleich fünf Richter waren zugegen.

Das Urteil war dann glasklar: Das Tierschutzgesetz verbiete es, Wirbeltiere zu züchten, wenn ihnen Körperteile für ihren artgemäßen Gebrauch fehlen und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Sphinx-Katzen werden auch im Internet zum Kauf angeboten. Verkäufer verlangen bei Ebay-Kleinanzeigen derzeit hunderte Euro für ein Jungtier.

Auch der Gutachter hatte gesagt: "Das Fehlen eines Sinnesorgans bewerte ich als Schaden." In seiner Tierarzt-Praxis behandle er immer mal wieder Nacktkatzen-Patienten. Sie seien sehr nette Katzen, hätten aber häufig Hautprobleme. Auch das Gesicht dieser Züchtung sei weniger ausdrucksstark. Eigentlich könnten Katzen mit ihren Haaren ihre Stimmung zum Ausdruck bringen.

Der Streit um Willi zieht sich schon länger hin. Die Züchterin wollte die Anordnung des Bezirksamtes Spandau nicht hinnehmen, die die Zucht verboten und die Kastrierung von Willi angeordnet hatte.

Die Katzenliebhaberin schüttelte nur den Kopf: "Willi ist Familienmitglied." In ihrer Vier-Zimmer-Wohnung gehe es ihren Tieren gut. "Nacktkatzen sind menschenbezogen und sehr intelligent." Sie würden gebadet, es gebe keine Flöhe oder Milben. Seit anderthalb Jahren sei Willi nun aber schon lahmgelegt. Wenn es nicht bald eine endgültige Entscheidung gebe, sei er zu alt für Nachwuchs.

dpa

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