Elfenbein-Stoßzähne eines afrikanischen Elefanten: Im Netz boomt das Geschäft mit bedrohten Tierarten. Foto: Boris Roessler
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Elfenbein-Stoßzähne eines afrikanischen Elefanten: Im Netz boomt das Geschäft mit bedrohten Tierarten. Foto: Boris Roessler

Internet-Handel mit bedrohten Tieren boomt

Hamburg (dpa) - Elfenbein, Reptilien, exotische Vögel: Bedrohte Tierarten dürfen nicht einfach so gehandelt werden. Für die Ein- und Ausfuhr gibt es in der EU Vorschriften. Im Internet stießen Tierschützer jedoch auf zahlreiche Angebote ohne Genehmigung.

Im Internet boomt nach Auskunft von Tierschützern das Geschäft mit bedrohten Tierarten. Bei einer Untersuchung Anfang 2014 auf 280 Internet-Plattformen in 16 Ländern entdeckte der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) nach eigenen Angaben 33 006 bedrohte Wildtiere, Wildtierteile oder -produkte. Der Online-Handel erhöhe die Bedrohung ohnehin gefährdeter Arten und ermögliche es kriminellen Händlern, "unauffällig und anonym ihrem blutigen Geschäft nachzugehen", berichtete Robert Kless, Kampagnenleiter für Wildtierhandel beim IFAW-Deutschland in Hamburg. Bei einer Recherche 2008 waren lediglich 7000 Angebote auf 183 Plattformen in elf Ländern gefunden worden.

In Deutschland ermittelten die Tierschützer dieses Mal auf 13 Internet-Portalen 1666 Anzeigen, in denen 4837 geschützte Tiere oder Tierprodukte angeboten wurden. Ihr Wert: rund 497 000 Euro. Am häufigsten sollten dabei lebende Reptilien - zum Beispiel geschützte Schildkröten (70 Prozent) - sowie exotische Vögel (8 Prozent) verkauft werden. Bei einem Großteil der Anzeigen fehlten die erforderlichen artenschutzrechtlichen Genehmigungen, so dass es oft nicht möglich gewesen sei, ohne weitere aufwendige Prüfung die Legalität der Angebote einzuschätzen, teilte der IFAW mit.

Er forderte Online-Marktplatzbetreiber auf, mit Polizei und Zoll zusammenzuarbeiten sowie den Verkauf bedrohter Tiere oder ihrer Produkte gänzlich zu verbieten. 2009 habe etwa das Online-Auktionshaus Ebay den Elfenbein-Handel über seine Plattform untersagt.

Im Kampf gegen den illegalen Tierhandel verlangt die Organisation von den Regierungen schärfere Gesetze. Mehr als ein Drittel der 2014 international erfassten Anzeigen waren demnach Elfenbein-Angebote, 26 Prozent boten Reptilien an. 54 Prozent der Verkaufsanzeigen betrafen lebende Tiere, 46 Prozent Wildtierprodukte oder -teile. Den gesamten Angebotswert bezifferte der IFAW auf 7,8 Millionen Euro. Etliche Anzeigen gab die Organisation zur Weiterverfolgung an die Behörden weiter - wegen Zweifeln an der Legalität.

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert die Einfuhr bedrohter Reptilien nach Europa auch außerhalb des Internet-Handels. In der EU seien Wildfänge frei verkäuflich, die in ihren Herkunftsländern aber geschützt seien. "Professionelle Tierschmuggler haben sich auf solche Arten spezialisiert, denn dies verspricht maximalen Profit bei minimalem Risiko", berichtete die Biologin der Organisation, Sandra Altherr.

Als besonders wertvoll gelten nach ihren Angaben derzeit Borneo-Taubwarane für 8000 Euro pro Paar, neuseeländische Waldgeckos für 5300 Euro je Paar und fransige Baumschleichen aus Guatemala für 2800 Euro pro Paar. Aufgefallen ist der Organisation, dass sich im nordrhein-westfälischen Hamm im Umfeld einer Reptilienbörse eine regelrechte Drehscheibe für die Tiere in ganz Europa entwickelt habe.

IFAW-Studie (pdf-Format)

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