Wer in die Hocke geht, signalisiert dem Tier, dass keine Gefahr von ihm ausgeht. Foto: Silvia Marks
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Wer in die Hocke geht, signalisiert dem Tier, dass keine Gefahr von ihm ausgeht.

Klare Ansagen

Die richtige Körpersprache für Haustiere

Nicht lange drum herumreden - Tiere können Worte inhaltlich nicht erfassen. Sie reagieren auf Töne und Körpersprache. Mit einigen Tricks klappt die Kommunikation zwischen Mensch und Tieren - zumindest mit manchen.

Ausschweifende Erklärungen können sich Herrchen und Frauchen sparen. "Das versteht das Tier keinesfalls, auch wenn viele Besitzer anderer Meinung sind", sagt Tierärztin Tina Hölscher vom Tierschutzverein Aktion Tier aus München. Sie rät zu knappen und freundlichen Ansagen.

"Sääm, Kumpel, komm her", säuselt die Katzen-Halterin mit hoher sanfter Stimme und geht in die Hocke. Der rote Kater trottet zu ihr, reibt sich an ihren Beinen und beginnt zu schnurren. Während sie ihn krault, spricht die Frau mit dem Tier wie mit einem Säugling. "Der säuselnde, schmeichelnde Tonfall soll Vertrauen erzeugen", erklärt Hölscher. Gelegentlich sei diese Art der Kommunikation in Ordnung. Aber auf Dauer empfiehlt sie etwas anderes: "Tiere brauchen klare Worte, um zu verstehen, was gemeint ist".

Wenn Tiere untereinander kommunizieren, tun sie das vor allem über ihre Körpersprache. Knurr-, Schnurr- oder sonstige Laute sind bloß Ergänzungen. Entsprechend sollten Menschen unbedingt auch nonverbal mit Tieren interagieren und ihnen nicht nur sagen, was sie möchten, sondern es auch zeigen, rät Tiertrainer Marco Heyse aus Wenzendorf. Dann muss Herrchen nicht über die Wiese brüllen, wenn er möchte, dass sein Hund kommt. "Einmal Hand heben genügt", sagt Hölscher. Und wird ein Tier im Alter schwerhörig, haben Halter trotzdem ein Mittel, sich zu verständigen.

Heyse setzt beim Training seiner Tiere stark auf Gestik und Körpersprache. Manches seien bewusste Kommandos, andere aber auch intuitiv, aus dem Bauch heraus. So signalisiert Mensch, dass keine Gefahr von ihm ausgeht, indem er sich auf Höhe des Tieres auf den Boden setzt. "Wenn ich dagegen Dominanz ausstrahlen will, beuge ich mich über ein Tier", sagt Hölscher. Und wenn sie eine Katze dazu bringen will, sich devot und still zu verhalten, packt sie sie an der Hautfalte im Genick - so mache es das Muttertier. Auch drohend den Zeigefinger zu schwenken oder die Hände in die Hüften zu stemmen und sich groß zu machen, erkennen die meisten Tiere durchaus als Tadel, erklärt die Tierärztin.

Um einem Hund visuellen Gehorsam beizubringen, verknüpft Hölscher im Training die akustischen Kommandos mit Zeichen. "Wenn er das gut beherrscht, reicht später allein die Gestensprache, um mit dem Tier zu kommunizieren", sagt sie. Hebt sie also bei jedem "Komm her"-Ruf die Hand, genüge irgendwann die Geste, und der Vierbeiner weiß, was Frauchen möchte.

Ob Körpersprache der Lautsprache generell überlegen ist, bezweifelt Hölscher: "Es kommt vielmehr auf die Eindeutigkeit der Signale an und ob das Gegenüber sie kapiert." Auch falle es den meisten Menschen leichter, Gesten mit Worten zu verbinden. Wichtig ist aber, dass das Tier die Aussage am Klang erkennen kann - denn Inhalte der Worte erfasst es nicht. "Der Ton macht auch beim Tier die Musik", erklärt Heyse. Wenn der positiv und weich ist, verstehe ein Hund, dass der Trainer sich gerade über ihn freut.

Während die Kommunikation mit Hunden oft noch ganz gut klappt, ist den meisten Katzen egal, was Frauchen will. "Sie leben autark und kommunizieren vor allem, wenn sie etwas wollen", erklärt Hölscher. Dazu entwickeln sie eigene Methoden und sind weit weniger als Hunde bereit, etwas anzunehmen. Noch weniger Interaktion ist mit kleinen Heimtieren möglich. Das Meerschweinchen lebt in seinem eigenen Orbit und hat kein Interesse daran, mit den riesigen Menschen zu kommunizieren. "Aber wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Sicher gibt es auch Kaninchen, die viel verstehen können", meint die Tierärztin.

Damit Tierhalter in jeder Situation den richtigen Ton treffen, hat Tierpsychologin Tina Messjetz aus Oldenburg einige Tipps: Wer ein Tier anlocken möchte, sollte ruhig und leise sprechen, mit eintöniger Stimme. Will man das Tier zum Spielen auffordern, rät sie zu einer lauteren, hohen Stimme.

Quietschen oder Säuseln sei sinnvoll, wenn man Aufmerksamkeit erregen will oder Freude und Zuneigung ausdrücken, erklärt Heyse. Macht Bello etwas falsch, sind ausgedehnte Schimpftiraden dagegen wenig effektiv, sagt Heyse. Besser seien einfache Ansagen in strengem Tonfall - und auch das funktioniert höchstens bei Hunden. "Katzen reagieren eher mit Protestverhalten", sagt Hölscher. Und kleine Heimtiere wissen gar nicht, was Tadel ist.

dpa/tmn

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