+
In Stuttgart besteht Feinstaub-Alarm. Foto: Marijan Murat

Umweltschutz: Stuttgart darf nicht "deutsche Peking" werden

Als erste Stadt in Deutschland kämpft Stuttgart mit einem Feinstaubalarm gegen die erhöhten Schadstoffwerte. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert die freiwillige Aktion als "Placebo-Maßnahme" ohne Wirkung. Auch andere Verbände finden deutliche Worte.

Stuttgart (dpa) - Als erste Stadt in Deutschland hat Stuttgart einen speziellen Feinstaubalarm ausgerufen. Aktuell appelliert die Stadt an ihre Bürger, in den nächsten Tagen freiwillig aufs Auto zu verzichten und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Seit Sonntagabend sollen außerdem sogenannte Komfortkamine, die lediglich als zusätzliche Wärmequelle dienen, nicht genutzt werden. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs kämpft seit langem mit erhöhten Feinstaubwerten. Umweltschützer sehen die jetzige Aktion aber kritisch.

Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe ist der Feinstaubalarm eine "Placebo-Maßnahme" ohne Wirkung. "Appelle bringen nichts", sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch der Deutschen Presse-Agentur. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart schreckten mit Blick auf die Autoindustrie vor obligatorischen Schritten gegen die gesundheitsschädlichen Emissionen zurück, meinte Resch. "Das ist ein Kniefall vor Daimler."

Der Automobilclub ACE forderte Preisanreize, um Pendler zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Die Stuttgarter Verkehrsbetriebe bieten bereits einen zusätzlichen Freimonat für Abo-Einsteiger an sowie verbilligte Tickets während der ersten beiden Feinstaubalarme.

Der Naturschutzbund (Nabu) meinte: "Stuttgart darf nicht das deutsche Peking werden." Wenn Freiwilligkeit nicht zum Ziel führe, müssten Verbote ausgesprochen werden, sagte Landeschef Andre Baumann. In Peking hatte starker Smog den Menschen zuletzt im Dezember über viele Tage zu schaffen gemacht. Zeitweise wurde in der chinesischen Hauptstadt die höchste Smog-Alarmstufe "Rot" in Kraft gesetzt, was unter anderem Fahrverbote zur Folge hatte.

Seit Jahren ringen die Stadt Stuttgart und das Land um Lösungen zur Verringerung der Luftverschmutzung, auch die EU macht Druck. Denn der zulässige EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wird in Stuttgart regelmäßig überschritten. Vor allem die Lage in einem Talkessel sorgt dafür, dass bei einer bestimmten Wetterlage der Luftaustausch problematisch ist.

Eine zweistellige Zahl von Menschen in Stuttgart sterbe jedes Jahr vorzeitig wegen hoher Stickstoffdioxid- und Rußwerte, sagte Umwelthilfe-Geschäftsführer Resch. Ein besonderes Risiko trügen dabei Kinder, Kranke und alte Menschen. Der Verband klagt vor Gericht gegen das Land, um in der aus seiner Sicht "schmutzigsten Stadt Deutschlands" Fahrverbote für Dieselfahrzeuge durchzusetzen. Ein Urteil wird nach Auskunft von Resch noch in diesem Jahr erwartet.

Feinstaubalarm

Aktuelle Messwerte

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aufmerksame Vermieter sorgen für Mietschulden-Rückgang

Berlin - Dass jemand seine Miete nicht pünktlich überweist, kann viele Gründe haben - und schwere Folgen bis hin zur Obdachlosigkeit. Die Branche sieht sich im Kampf …
Aufmerksame Vermieter sorgen für Mietschulden-Rückgang

Sex-Verzicht & Glatze rasieren: Das tun Münchner für Wiesn-Tische

Smartphone-Abstinenz, Enthaltsamkeit und ein halbes Jahr ohne Alkohol: Die Bewohner der Landeshauptstadt fiebern dem Oktoberfest 2016 entgegen. Doch wie weit geht die …
Sex-Verzicht & Glatze rasieren: Das tun Münchner für Wiesn-Tische

Wie kommt denn dieser Hai in die Pfütze?

Im Kultfilm "Sharnado" werden lebende Haie durch Los Angeles gewirbelt. Im australischen Adelaide gab es nun einen ähnlichen Fall: Polizisten fanden einen Hai in einer …
Wie kommt denn dieser Hai in die Pfütze?

Kredithaie: Vermittler mit dubiosen Versprechen

Wer kein Geld hat, sehnt sich oft nach einem Kredit. "Kredithaie" locken häufig mit geliehenem Geld ohne Schufa-Abfrage und zu günstigen Konditionen - am Ende folgt kann …
Kredithaie: Vermittler mit dubiosen Versprechen

Kommentare