Ein bisschen wuchern lassen: So trägt der Garten zur Artenvielfalt bei. Foto: Sören Stache
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Ein bisschen wuchern lassen: So trägt der Garten zur Artenvielfalt bei.

Aufräumen überbewertet: Für Artenvielfalt im Garten sorgen

Wer hätte das gedacht: Manchmal macht der Unordentliche doch alles richtig. Zumindest im Garten.

Berlin  - Der eigene Garten lässt sich schon mit einfachen Mitteln in eine Heimat für viele verschiedene Tierarten verwandeln. So trägt der Hobbygärtner auf kleiner Ebene zur Artenvielfalt bei. Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt folgende Tipps:

Auf heimische Pflanzen setzen: Wessel empfiehlt, auf heimische Pflanzen zu setzen - und darunter etwa fruchttragende Gehölze zu haben. "Die klassische Thuja-Hecke hat da einfach ausgedient", gibt er ein Negativbeispiel. Fremdländische Arten können leicht aus dem eigenen Garten ausbüxen und sich ungewollt ausbreiten - die Herkulesstaude ist laut Wessel so ein Beispiel. Beim Mischen kommt es außerdem darauf an, zuzusehen, dass es möglichst lange über das Jahr verteilt Blüten gibt - da haben die Bestäuber etwas von. Für Wildbienen etwa pflanzt man Sonnenblumen, Salbei oder Thymian und lässt Lauch und Zwiebeln blühen.

Ohne Gift arbeiten: Vollständig auf Gift zu verzichten, ist ein wesentlicher Schritt in Richtung artenreicher Garten. "Leider wird das noch verwendet", sagt Wessel. "Den paar Feinden, die den eigenen Salat angreifen, kann man auch anders begegnen", findet er.

Mal nicht aufräumen: "Ein nicht aufgeräumter Garten ist oft der beste Artenschutz, den man haben kann", sagt Wessel. So dient das liegengelassene Stück Holz vielleicht einem Igel als Unterschlupf. Wird der Rückschnitt der Obstbäume nicht weggehäckselt, sondern in einer Ecke aufgeschichtet, freuen sich etwa auch der Zaunkönig und manche Reptilien. Und verblühte Sonnenblumen sowie andere Stauden müssen Hobbygärtner nicht zwangsläufig abschneiden: Wildbienen mögen das. Das gilt natürlich nicht, wenn die verblühten Blumen verpilzt sind: Dann hat das Stehenlassen keinen Sinn, sagt Wessel. Wer zu viel Unordnung nicht mag, kann auch einfach einen Bereich des Gartens als Wildgarten anlegen, den Rest klassisch instandhalten.

Nisthilfen und Steinmauer schaffen: Schwalben und Mauersegler nehmen Nisthilfen am Haus gerne an. Und auch Fledermäusen können Hobbygärtner Kästen bereitstellen. Reptilien bietet man dagegen einen Lebensraum, indem man eine Trockensteinmauer baut. Das ist schon für wenig Geld umzusetzen.

Mit diesen Tipps lässt sich zumindest auf kleiner Ebene ein Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Aber: "Man wird damit nicht den Artenschwund aufhalten", schränkt Wessel ein. Denn die Masse der Schäden findet woanders statt - nicht im eigenen Garten. Dennoch schätzt der Experte es als wichtig ein, sich und vielleicht die eigenen Kinder mit vielen verschiedenen Arten vertraut zu machen: "Man schützt nur das, worum man sich gekümmert hat", gibt er zu bedenken.

Jede dritte untersuchte Art in Deutschland ist nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gefährdet. Das geht aus dem ersten umfassenden Artenschutz-Report hervor. Besonders dramatisch ist demnach die Situation bei den wirbellosen Tieren, zu denen Insekten gehören: Knapp 46 Prozent der untersuchten Arten und Unterarten sind bedroht, extrem selten oder ausgestorben. Mit Sorge beobachten Experten dabei auch die negative Entwicklung aller 600 Wildbienenarten in Deutschland.

Fast 28 Prozent der Wirbeltierarten (Süßwasserfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) seien in ihrem Bestand gefährdet. Die Situation bei den Brutvögeln hat sich laut Bericht spürbar verschlechtert. "Allerweltsarten" unter den Agrarvögeln wie Kiebitz und Feldlerche gehe es seit 20, 30 Jahren kontinuierlich schlechter, sagte Jessel. Beim Kiebitz hat sich demnach der Bestand auf ein Drittel bis ein Viertel reduziert. Beim Rebhuhn gebe es sogar einen Rückgang von 90 Prozent.

Der Bericht nennt aber auch Erfolge durch gezielte Maßnahmen: Der Wolf ist zurück, der Biber hat sich erholt, der Schwarzstorch und der Seeadler. Auch der Äskulapnatter (Zamenis longissimus) geht es etwas besser. Die einst fast verschwundene Kegelrobbe ist in die Nordsee zurückgekehrt und jetzt auch in der Ostsee gesichtet worden.

dpa/tmn

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