Baufinanzierung: Drei von vier Beratungen mangelhaft

Knapp 400 Baufinanzierungsverträge haben sich Experten der Verbraucherzentrale genauer angesehen - mit ernüchterndem Ergebnis. Worauf sollte man achten?

Das ernüchternde Ergebnis der Untersuchung: 71 Prozent der Beratungen und der anschließenden Angebote waren nach Einschätzung von Experten der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nicht bedarfsgerecht. Bemerkenswert an der Untersuchung ist, dass der vermeintliche Vorteil einer Beratung vor Ort sich eher ins Gegenteil verkehrt: „Die beobachteten Mängel in Beratungen zur Eigenheimfinanzierung haben wir bei allen Vertriebsformen festgestellt“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, also bei Beratungen von Bausparkassen, Versicherungsgesellschaften, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Finanzvertrieben.

Die fünf häufigsten Mängel

Fehler 1: Falsche monatliche Rate

Entweder ist die monatliche Rate zu hoch - oder zu niedrig. Im Interesse des Verbrauchers stehen niedrige Zinskosten für ihr Darlehen bei möglichst rascher Tilgung. Um diesen Interessenwiderspruch vor dem Hintergrund individueller Zahlungsmöglichkeiten berücksichtigen zu können, fehlte es oft an einer sorgfältigen Analyse der finanziellen Situation.

Fehler 2: Falsche Darlehenssumme

Bei der Ermittlung der wirklich nötigen Darlehenssumme ist auch zu bewerten, wie bestehendes Vermögen zum Immobilienerwerb eingesetzt werden kann. „Andererseits sollte die Darlehenssumme ausreichend hoch bemessen sein, um die zu finanzierenden Ausgaben abzudecken, was eine sorgfältige Abschätzung der notwendigen Ausgaben voraussetzt“, so Nauhauser. Das ist in jedem vierten Fall unterblieben.

Fehler 3: Falsche Zinsbindung

Hier stehen das Interesse an kurzen Zinsvereinbarungen - da günstiger - und das Risiko stark steigender Darlehenszinsen nach Ablauf der Zinsbindung im Widerstreit. Hier kommt es darauf, das Risiko der Restschulden im Zeitablauf richtig zu beurteilen – und die Möglichkeit der konkret möglichen Tilgungsgeschwindigkeit. Je höher sie ist, desto gelassener kann man die Anschlusszinsen betrachten. Auch hier lag jeder vierte Berater daneben.

Fehler 4: Untragbare Finanzierung

Wenn das Eigenkapital unangemessen niedrig und die dauerhafte monatliche Belastung zu hoch ist, dann ist eine solche Finanzierung nicht tragbar. Immerhin in sieben Prozent der Fälle kam es dennoch zu einem Angebot.

Fehler 5: Unflexible Finanzierung

Nur wer möglichst viele oder hohe Sondertilgungen leisten kann oder die monatliche Tilgungshöhe variieren darf, hat eine Chance womöglich im Laufe der ersten Zinsbindung schuldenfrei zu werden. Doch genau dieser Bedarf müsste Gegenstand einer Beratung sein –und in einen „bedarfsgerechten Produktvorschlag“, so Nauhauser, münden. Das sei in fast jedem fünften Fall nicht geschehen.

Marcus Preu

Rubriklistenbild: © dpa

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