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Wer eine gute Matratze finden will, muss Probliegen - am besten beim Fachhändler (im Bild: Bardo Hiltmann im Fachgeschäft Betten Zellekens in Frankfurt/Main).

Keine Alleskönner

Eine Richtige für alle gibt es nicht: Matratzen im Test

Ohne guten Schlaf in der Nacht ist der Tag nicht auszuhalten. Daher treibt viele Menschen der Kauf einer guten Matratze um. Aber vieles, was die Händler versprechen und anpreisen, ist nicht verlässlich.

Klein, groß, leicht, schwer, Seiten- oder Rückenschläfer: Die richtige Matratze ist etwas ganz Individuelles. Welche zu einem Menschen passt, entscheiden die Körpermaße und die Schlafeigenschaften.

Auf Werbeversprechen der Händler, eine könne alles, sollte man daher nichts geben. Das zeigte auch ein Praxistest der Stiftung Warentest. "Viele Händler und Hersteller, die Matratzen und Lattenroste anbieten, erzählen sehr viel Unsinn", sagt Warentest-Redakteur Hans-Peter Brix. "Grundsätzlich tragen sie viel zu dick auf mit ihrem Werbeversprechen." Was die Organisation alles herausgefunden hat: 

Nur die individuellen Maße zählen: 

Sogar der aktuelle Testsieger, eine Kaltschaummatratze, ist nicht das Richtige für alle Menschen. Sie stützt leichte Menschen gut ab, bei schweren Menschen in Rückenlage schafft sie das aber nicht optimal, berichtet Brix. Daher betont Claudia Wieland vom Fachverband Matratzen-Industrie: "Eine perfekte Matratze, die für alle gut ist, gibt es nicht. Daher würde ich immer davon abraten, mit der Absicht in den Handel zu gehen, dass man ein ganz bestimmtes Produkt kauft." Selbst Tests könnten nur eine Orientierung sein. "Aber man sollte immer darauf achten, dass die Matratze letzten Endes zu einem selbst passt."

Günstige Matratzen überzeugen auch: 

Die aktuell geprüften hochpreisigen Modelle seien nicht besser als andere, die die Hälfte kosten, berichtet die Zeitschrift "test" (Ausgabe 10/2015). In der neuesten Studie wurden nur Kaltschaummodelle, die zwischen 600 und 1390 Euro kosten, unter die Lupe genommen. In den vergangenen Jahren haben die Warentester aber auch günstigere und andere Matratzentypen untersucht. "Wir haben auch einfache Matratzen ohne besondere Zonen dabei gehabt, die in der Lage sind, für deutlich weniger Geld den Menschen gut abzustützen - sowohl in Seiten- als auch in Rückenlage", sagt Brix. "Dann reichen in der Regel wirklich 199 oder 250 Euro aus." Gute Modelle gebe es als Aktionsware aber schon ab 70 Euro.

Dicker ist nicht besser: 

Hohe Matratzen sind oft teurer. "Nach unseren Erkenntnissen ist das eher Geldschneiderei", erklärt Brix. "Je dicker die Matratzen, umso mehr spricht man ihnen Qualitätsdinge zu. Das trifft nicht zu." Wichtig ist aber, dass Matratzen eine Mindesthöhe haben, damit die Schultern tief genug einsinken können. Im Test war dies allerdings nie tiefer als 13 Zentimeter, daher reichten 16 bis 18 Zentimeter Gesamthöhe aus. Untersucht wurden aber auch dünnere, die gute Liegeeigenschaften hatten.

Lattenrost ist zweitrangig: 

"Wenn sie eine gute Matratze haben, brauchen sie in der Regel auch gar keinen ausgefeilten Lattenrost", erklärt Brix. Aus Sicht der Warentester reicht dann eine starre Unterlage völlig aus. Im aktuellen Test von drei zusammengehörigen Systemen aus Matratze und dem dazu empfohlenen Lattenrost zeigte sich sogar: "Teilweise wurden die Liegeeigenschaften etwas verschlechtert, aber in der Regel bleiben sie gleich."

Kaltschaummatratzen im Test: 

Die Stiftung Warentest untersuchte im Labor 14 Kaltschaummatratzen. Nur ein Modell schnitt mit der Note "zwei" ab, zehn mit der Note "drei" und zwei Matratzen erhielten die Note "vier". Zu den Testsiegern zählen: Swissflex Versa 20 Geltex Inside, Allnatura Vitastar-Plus, Schlaraffia Cura 65 Geltex Inside, Billerbeck Airtec Senso Classic, Dormabell CTS 1200 und Röwa Ecco2 Sensitive 16. Außerdem wurden für die Auswertung die Ergebnisse der Tests seit 2009 nochmal unter die Lupe genommen. Das betrifft den Angaben zufolge mehr als 200 Matratzen.

Eine gute Matratze findet man nur, wenn man darauf probeliegt. "Am besten auch auf mehreren verschiedenen Matratzen unterschiedlicher Härten", betont Hans-Peter Brix, Redakteur bei der Stiftung Warentest. "Einige der Fachgeschäfte bieten sogar die Möglichkeit, dass Sie die Matratze mit nach Hause nehmen in Ihr eigenes Bett." Dort kann man dann sehen, ob auch die Matratzenhöhe zum Rahmen passt. "Wenn Sie dann ein, zwei Tage darauf geschlafen haben, kriegen Sie in der Regel auch ein viel, viel besseres, intensiveres Gefühl, ob die Matratze zum Körper passt oder nicht."

Wichtig ist, dass die Schlafunterlage zum Gewicht, zur Größe und zum Schlaf passt. "Grundsätzlich macht eine gute Matratze aus, dass sie sowohl den Seiten- als auch den Rückenschläfer gleich gut abstützt", erklärt Brix. "Das heißt, dass wenn Sie in Rückenlage liegen, sollte die natürliche Doppel-S-Form der Wirbelsäule erhalten bleibt. Und in Seitenlage sollte eben eine ziemlich gerade Ausrichtung der Wirbelsäule da sein." Claudia Wieland vom Fachverband Matratzen-Industrie rät daher, sich einen Händler zu suchen, der genau darauf achten. "Es ist wichtig, dass man einen Fachhändler beim Probeliegen hat, der schaut, sinkt meine Schulter tief genug in die Matratze ein."

Man sollte sich beim Probeliegen auch hin- und herwälzen. Denn im Schlaf drehen wir uns regelmäßig, laut Brix gibt es 30 bis 40 große Bewegungen. "Das heißt, wir drehen uns auch mal von links nach rechts, vom Rücken auf die Seite", sagt der Warentester. "Und von daher ist es wichtig, dass gerade in diesen geänderten Positionen der Körper gut abstützt wird."

Paare brauchen getrennte Matratzen. "Es gibt einige Anbieter, die bieten sogar einen gemeinsamen Bettbezug an und die Kerne sind unterschiedlich", weiß Brix. "Die müssen natürlich auch gut punkt-elastisch sein, denn wenn sich der schwere Mensch dreht, sollte die leichte Person das überhaupt nicht merken. Das schaffen viele Matratzen."

dpa/tmn

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