Energiekosten und Immobilien

Wohnen wird 2014 teurer

Berlin - Mieter in Deutschland müssen sich auch 2014 auf deutliche Mehrbelastungen einstellen. Auch wer sich ein Haus kauft, wird im neuen Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen.

Auf Millionen Mieter kommen 2014 nach Einschätzung des Deutschen Mieterbunds deutliche Mehrbelastungen zu. „In Ballungszentren und Universitätsstädten, aber auch in einigen anderen mittelgroßen Städten muss damit gerechnet werden, dass die Mietbelastung um etwa 7 bis 10 Prozent steigt - jedenfalls bei Neuverträgen“, sagte Verbandsdirektor Lukas Siebenkotten im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Bundesweit dürfte das Plus bei etwa 3 Prozent liegen.“

Noch stärker als die Mietsteigerungen belasten nach Siebenkottens Worten aber die weiter steigenden Energiekosten das Mieterbudget. „Ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.“ Beispielsweise sei Strom von 2010 bis 2013 insgesamt 24 Prozent teurer geworden, Öl gar um 27 Prozent.

Gleichzeitig erhielten immer weniger Haushalte Wohngeld. „Zuletzt waren es nur noch 783.000 mit einer durchschnittlichen Höhe von 114 Euro pro Monat“, rechnet der Mietervertreter vor. Er forderte eine umgehende Erhöhung des Wohngelds um 10 Prozent und eine kontinuierliche Anpassung an die Preisentwicklung. „Darüber hinaus muss die 2011 gestrichene Heizkostenkomponente beim Wohngeld wieder eingeführt werden.“

Union und SPD hatten in den Koalitionsverhandlungen eine Wiedereinführung des Heizkostenzuschusses erwogen, dann aber angesichts der Haushaltslage im Koalitionsvertrag auf eine entsprechende Ankündigung verzichtet.

In Deutschlands Städten sei in den vergangenen Jahren viel zu wenig gebaut worden: „Wir brauchen mindestens 140.000 bis 150.000 neue Mietwohnungen pro Jahr, davon rund 60.000 Sozialwohnungen“, forderte Siebenkotten. Derzeit würden nur 60.000 bis 70.000 Mietwohnungen gebaut, davon 15.000 bis 20.000 Sozialwohnungen.

Was die Mieterbelange angeht, zieht Siebenkotten beim Blick auf den schwarz-roten Koalitionsvertrag eher eine gemischte Bilanz. „Wir sind teilweise zufrieden, teilweise aber auch nicht.“ Künftig sollen die Länder Mieterhöhungen begrenzen können, etwa in begehrten Großstadtvierteln (Mietpreisbremse). Dringend neu geregelt werden muss aus seiner Sicht beispielsweise die Frage, wer die Kosten für energetische Gebäudesanierung trägt.

Preisauftrieb bei Wohnimmobilien hält an

Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland klettern weiter. Getrieben vom starken Preisauftrieb in Ballungszentren ist Wohneigentum nach Expertenschätzungen 2013 bundesweit rund vier Prozent teurer als im Vorjahr. Der seit 2010 anhaltende Trend dürfte sich demnach 2014 fortsetzen, denn die Zinsen bleiben extrem niedrig. Und daher hält der Anlagenotstand an und treibt Investoren in Immobilien. Das Angebot kann nicht schnell genug auf die steigende Nachfrage reagieren. Die Bundesbank hatte bereits gewarnt, dass Wohnungen insbesondere in Großstädten um bis zu 20 Prozent überbewertet seien.

Länder drehen an der Steuerschraube

Mit dem Jahreswechsel erhöhen vier Bundesländer die Grunderwerbsteuer. Wer in Berlin, Bremen, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück kauft, muss dem Fiskus dann deutlich mehr überweisen als zuvor. Schon 2012 und 2013 hatten acht Bundesländer die Steuer erhöht. Bundesweiter Spitzenreiter ist künftig Schleswig-Holstein mit einem Satz von 6,5 Prozent. Wer im Norden ein Haus für 200 000 Euro kauft, muss zusätzlich 13 000 Euro an das Finanzamt überweisen.

In Berlin lag sie vor sechs Jahren noch bei 3,5 Prozent - jetzt greift die dritte Erhöhung. Ab 1. Januar werden 6 Prozent fällig. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) rechnet damit, dass allein durch den jüngsten Aufschlag jährlich 100 Millionen Euro mehr in die Landeskasse kommen. „Eine moderate Anhebung, die auch im Ländervergleich nicht als überzogen gelten kann“, nennt der von der SPD benannte Nußbaum den Schritt. Schließlich liege Berlin hinter Schleswig-Holstein.

Die Kieler Landeskasse soll durch die kräftige Erhöhung um 1,5 Prozentpunkte um 66 Millionen Euro anschwellen. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat in Aussicht gestellt, dass die Steuer auch wieder sinken könne. „Wir werden das ändern, wenn wir es nicht brauchen.“ Aber nicht vor 2020, und nur wenn der Haushalt dann im Plus sei, wie Albig ergänzte.

Für die Länder ist die Steuer eine wichtige Einnahmequelle. Mit 7,4 Milliarden Euro machte sie 2012 die Hälfte der reinen Landessteuern aus und übertraf deutlich die Rennwett- und Lotteriesteuer, die Feuerschutzsteuer und die Biersteuer. Und die Einnahmen steigen: 2010 hatten Immobilienkäufer nach Angaben des Statistischen Bundesamts den Länderkassen nur 5,3 Milliarden Euro gebracht.

Bayern und Sachsen sind die einzigen Länder, die von Immobilienkäufern in letzter Zeit keine höheren Steuern verlangt haben. Dort liegt der Satz seit Jahren bei 3,5 Prozent.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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