Hobbygärtner müssen durch den milden Winter mit mehr Blattläusen rechnen.
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Hobbygärtner müssen durch den milden Winter mit mehr Blattläusen rechnen.

Insekten

Milder Winter muss nicht viele Schädlinge zur Folge haben

Selbst eisige Winter machen den als Schädlingen gesehenen Krabbeltieren oft nichts aus. Dagegen leiden die Insekten eher unter einem Winter mit fast frühlingshaften Temperaturen - warm und feucht kann für sie sogar tödlich sein.

Braunschweig - Nach dem relativ warmen Winter in diesem Jahr ist nicht unbedingt mit einer besonders hohen Zahl von schädlichen Insekten zu rechnen. "Ein milder und feuchter Winter ist für viele Insekten meist fataler als Kälte", sagte Dr. Gerlinde Nachtigall, Sprecherin des Julius-Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig. "Vor allem ein wiederholter Temperaturwechsel kann für die Tiere gefährlich werden, da sie in diesem Stress ihre Kälteanpassung häufig vorschnell aufgeben."

Probleme für Garten und Landwirtschaft kann es nach milden Wintern allerdings mit Blattläusen geben. Nachtigall: "Wenn es nicht friert, überleben die erwachsenen Blattläuse des Vorjahres." Sie vermehren sich dann ungeschlechtlich und gebären lebende Junge. Das könne schon im Februar passieren. Normalerweise gebe es erst im Herbst eine Fortpflanzungsgeneration. Da sich Insekten wie Blattläuse oder Mücken sehr rasch innerhalb weniger Tage entwickeln, seien letztlich aber erst die Wetterbedingungen im Frühjahr entscheidend für die Frage, ob es besonders große Vorkommen geben werde.

Gute Überlebensmöglichkeit biete der milde Winter wärmeliebenden Insekten wie den aus dem Süden eingewanderten Eichenprozessionsspinnern, erklärte die Biologin. Der Nachtfalter wird wegen der giftigen Brennhaare im Raupenstadium gefürchtet. Außer der Temperatur trügen jedoch noch weitere Faktoren wie die phasenweise Massenvermehrung zu der Ausbreitung des Falters bei. "Ein feuchter Herbst und ein feuchtes Frühjahr verbunden mit einem nicht zu kalten Winter sind viel bedeutendere Faktoren, um Insektenpopulationen zu dezimieren", sagte Nachtigall. Pilze, die Insekten befallen, könnten sich dann gut entwickeln.

Andererseits seien heimische Insekten, Milben und Spinnen gut an die Witterungsbedingungen strenger Winter angepasst, betonte die Sprecherin. "Die Tiere befinden sich mit Einbruch des Winters in einem Überwinterungsstadium und können so niedrige Temperaturen über lange Zeit ertragen", sagte Nachtigall. Wechselwarme Tiere suchten sich andere Lebensräume oder bildeten Ruhestadien, in denen der Stoffwechsel stark reduziert werde. So könnten bestimmte Blattwespen bis zu sechs Jahre überdauern. Die Rosskastanien-Miniermotten könnten in ihrem Kokon Temperaturen bis minus 25 Grad widerstehen. "Manche Insekten schützen sich vor Erfrieren durch eine starke Erhöhung der Konzentration von Glyzerinen, Zucker oder Salz im Blut", erklärte Nachtigall weiter. So könnten die Larven und Puppen mancher Arten Temperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius trotzen.

Die Landwirte haben in diesem Jahr noch wenig von den geflügelten Plagegeistern gesehen. "Was uns große Sorgen macht, sind die Mäuse", sagte Gabi von der Brelie vom Landvolk. "Auf Äckern, auf Wiesen und im Wald nagen sie die Pflanzen von unten an." Nagetiere hätten in der Regel mehrere Würfe im Jahr, erklärte JKI-Sprecherin Nachtigall. Die Jungtiere wachsen schnell heran. Selbst wenn es durch einen ungünstigen Winter mit mehrfachem Wechsel von Frost und Tauwetter zu einer höheren Todesrate komme, könne der Populationsverlust daher schnell wieder ausgeglichen werden.

dpa

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