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Studienanfänger Quirin steht in der Universität in München vor den Wohnungsgesuchen am schwarzen Brett.

Ein Erstsemestler berichtet

Kein Spaß: Suche nach Studentenbude in München 

München - Die Wohnungssuche in München ist ganz schön schwer. Studienanfänger Quirin will bei seiner Suche nach einem Zimmer sogar eine Tendenz bemerkt haben: Mädchen würden stark bevorzugt.

Ein Blick links in die Küche: klein, aber mit Balkon. Ein Blick rechts in das Zimmer, in dem eine alte senffarbene Couch steht: Parkettboden, etwa 20 Quadratmeter. „Ja, da ist schon ganz nett“, sagt Quirin und schaut nochmal in den Raum, der bald sein neues Zuhause werden könnte. Dann folgt der übliche Austausch von Informationen: Quirin, 19 Jahre alt, aus Ingolstadt, beginnt ein BWL-Studium an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und sucht ein Zimmer für höchstens 500 Euro.

Ihm gegenüber stehen Markus und Xenia, beide 25 Jahre alt, aus München. Sie studieren Geografie und BWL und haben ein Zimmer in ihrer WG frei. Dann ist die Führung durch die Wohnung auch schon vorbei, knapp sieben Minuten müssen zum Kennenlernen reichen. „Wir sagen so gegen Mittag Bescheid, wir entscheiden noch heute“, sagt Xenia und wickelt sich ihre Strickjacke um die Arme, bevor Quirin aus der Tür tritt. Er wird das Zimmer in der WG nicht bekommen, in sein erstes Semester des Studiums startet er ohne eigenen Schlafplatz - die Wohnungssuche für Studenten ist in München so hart wie schon lange nicht mehr.

Das größte Problem ist die Kontaktaufnahme. „Es gibt zwar viele Anzeigen auf WG-Portalen, aber viele Vermieter schreiben gar nicht erst zurück“, sagt Quirin, als er nach der Wohnungsbesichtigung enttäuscht auf einer Parkbank sitzt. Der 19-Jährige hatte sein Abitur im vergangenen Jahr bestanden, nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in England möchte er nun mit dem Studium beginnen.

„In der Rubrik WG-Zimmer sind momentan mehr als 8200 Anzeigen in München inseriert. Die Anzahl der aktivierten Anzeigen ändert sich aber stündlich“, erklärt eine Sprecherin des Online-Portals „WG-gesucht.de“, auf dem der Großteil der Studenten nach einer Bleibe Ausschau hält. Täglich kämen etwa 100 neue Anzeigen hinzu, ein neuer Mitbewohner sei in vielen Fällen innerhalb weniger Stunden gefunden.

München liege, nach Berlin, auf Platz 2 der beliebtesten Städte der Studenten. In der Landeshauptstadt spielen auch Kontakte eine große Rolle: „Ich höre das oft: da findet einer was über den Kumpel vom Kumpel. Für Leute, die niemanden kennen, wird es so noch schwerer“, sagt Quirin. Seine Wohnungsnot hat ihn erfinderisch gemacht - er gestaltete einen Zettel mit seinem Gesuch und hing diesen in der Stadt aus: an U-Bahnhöfen bei Studentenwohnheimen oder in der Nähe der Mensa.

Wichtig war, dass seine Zettel herausstechen, denn „bei der Mensa hängen ungefähr 400 Gesuche und dazwischen zwei Angeboten“. Ein älterer Herr meldete sich mit einem Angebot: „Ich glaube, ich bin der einzige Bewerber, weil der Mann kein Internet hat“, sagt Quirin und lacht. Sonst hat er noch keine Angebote bekommen - dafür zwei englischsprachige Anfragen, ob er denn ein Zimmer vermiete.

Oft hätten die WGs oder Vermieter konkrete Vorstellungen: „Viele wollen nur Mädchen. Ich denke, die Vorurteile sind gegenüber Jungs größer, dass wir lauter oder dreckiger sind“, sagt Quirin. Er fühle sich diskriminiert, wenn er nicht die gleichen Chancen auf das Zimmer habe. Ein Gleichbehandlungsgesetz, wie es etwa für Arbeitsstellen gilt, gibt es hier aber nicht. „Für ein harmonisches Zusammenleben in einer WG ist entscheidend, dass sich die Bewohner wohl fühlen und zusammen passen. Deswegen entscheiden sich manche bewusst für eine reine Frauen-WG oder eine reine Männer-WG“, erklärt die Sprecherin von „WG-gesucht.de“. Eine explizite Nachfrage nach einem Geschlecht in der Anzeige sei erlaubt.

Verbindungen sind immer noch rein männliches Terrain: die Wohnheime der Burschenschaften bleiben für Mädchen geschlossen, in den Anzeigen wird explizit nach jungen Männern verlangt. Auch Quirin hat kurz über eine Bewerbung dort nachgedacht: „Sie locken mit super günstigen Zimmern in guter Lage“, sagt der 19-Jährige. Das Problem liege mehr im Zwischenmenschlichen: „Die sind halt politisch doch alle tendenziell rechts - und da habe ich keine Lust drauf.“

Auch bei der Privatzimmer-Vermittlung des Studentenwerkes München können potenzielle Vermieter nur weibliche oder männliche Mieter anfragen. Hier bieten beispielsweise Senioren leerstehende Zimmer in ihrer Wohnung an - bei vielen Anzeigen steht der Vermerk „nur an Studentinnen“. Komplett geschlechtsneutral vermietet das Studentenwerk München seine Plätze in den Wohnheimen: in München gibt es derzeit 11 000 Zimmer.

Die Studenten müssen sich auf einen Platz bewerben und oft auch Wartezeiten von bis zu vier Semestern in Kauf nehmen. „Wir haben normalerweise keinen Leerstand“, erklärt eine Sprecherin des Studentenwerks, „freiwerdende Plätze werden sofort besetzt“. So erreicht die Landeshauptstadt eine Unterbringungsquote von gerade mal 9 Prozent der rund 100 000 Studierenden in München und Rosenheim. Für neue Wohnprojekte fehle schlichtweg der Baugrund. In Würzburg liegt die Quote bei 12 Prozent, dort gibt es aber genug bezahlbaren privaten Wohnraum.

Quirin steht wieder vor dem schwarzen Brett der Mensa, gleich startet seine erste Vorlesung - und er hat immer noch kein Zimmer. Da seine Eltern noch in Ingolstadt wohnen, hat er den Vorteil, mit dem Zug pendeln zu können. Er wird die Suche aber nicht aufgeben.

dpa

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