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Rauchen? Haustiere? Besuch? Vor dem Einzug in eine WG sollten einige grundsätzliche Fragen geklärt werden.

Erste eigene Wohnung

Mietrecht: Darauf müssen WGs achten

München - Vom Elternhaus in die eigene Bude: Nach dem Auszug sind Studenten oder Azubis rechtlich für den Zustand von Wohnung oder WG-Zimmer selbst verantwortlich. Das sollten sie beachten:

Wer zum Studieren oder für eine Ausbildung ein eigenes Zimmer mieten möchte, steht zunächst vor vielen Fragen. Wo früher das galt, was die Eltern sagten, greifen nun die Paragraphen des Mietrechts. Damit das Mietverhältnis nicht in einem Rechtsstreit oder hohen Zahlungsverpflichtungen endet, sollten angehende Studenten oder Azubis die wichtigsten Rechte und Pflichten als Mieter kennen.

Vor dem Einzug

Auf Mängel achten

Es klingt paradox: Vor dem Einzug sollten künftige Mieter schon an den Auszug denken! Denn die gemieteten Räumlichkeiten sind dem Vermieter wieder so zu übergeben, wie man sie angemietet hat. Da nach einigen Jahren Mietdauer oft die Erinnerung schwindet, sollten Studenten schon vor dem Einzug unbedingt eine Mängelliste erstellen. Dazu sollten sie bei der Wohnungs- oder Zimmerbesichtigung den Zustand von Möbeln, Heizung, Wasserrohren (samt Toilette) und größeren Haushaltsgeräten wie Wasch- und Spülmaschine überprüfen. Dabei hilft, sich nicht nur auf die Auskünfte von Vermietern und den bisherigen Bewohnern zu verlassen, sondern sich neben dem Gespräch aufmerksam umzuschauen und auch mal auf den Lichtschalter, Wasserhahn etc. zu drücken.

Künftige Mitbewohner einschätzen

Die wichtigste Frage für künftige Wohngemeinschaften: Ist es eine Lebensgemeinschaft oder eine reine Zweck-WG? Bei Zweck-WGs gibt's abseits der häuslichen Pflichten wenig persönlichen Austausch. Innerhalb von Lebensgemeinschaften herrscht meist der gleiche Bezug wie zum erweiterten Freundeskreis. Deshalb bleibt vorher zu klären, ob man zumindest einige Interessen teilt und sich vorstellen kann, regelmäßig viel Zeit mit seinen Zimmernachbarn zu verbringen. Richtig kennenlernen kann man sich bei einer halbestündigen Zimmerbesichtigung natürlich nicht. Dennoch gilt: Augen auf! Sieht ein WG-Bewohner ungepflegt aus, ist er später vermutlich schwer für's Putzen zu motivieren. Da sich Haushaltspflichten jedoch juristisch kaum einfordern lassen, bleiben Putzen und Abspülen meist eine Frage der "WG-Diplomatie".

Rechte & Pflichten als Mieter

Kernfrage: Haupt- oder Untermieter?

Je nachdem, ob Studenten einen Mietvertrag als Haupt- oder Untermieter unterschreiben, entstehen unterschiedliche Rechtslagen. In vielen WGs gibt's einen Hauptmieter, der für die pünktliche Überweisung von Kaltmiete, Nebenkosten und Internet-Gebühren zuständig und für den Zustand der gesamten Wohnung haftbar ist. Allerdings ist der Hauptmieter berechtigt, von den Untermietern Mietanteile und andere vertraglich vereinbarte Kosten einzufordern und diesen mit einer Frist von sechs Monaten den Untermietvertrag zu kündigen.

Die Eltern des Hauptmieters müssen vor Vertragsbeginn meist eine Mietbürgschaft unterschreiben. Dabei sollten sie darauf achten, dass sie vertraglich explizit nur für den eigenen Sprössling haften. Gibt es im Mietvertrag hingegen mehrere gleichberechtigte Mieter, stehen sie alle gleichermaßen in der Pflicht.

Haustiere

Inwieweit ein Mieter Haustiere halten darf, steht im Mietvertrag. Ein generelles Verbot von Tieren in der Wohnung ist dabei rechtswidrig. Kleintiere wie Frettchen, Hamster und Wellensittiche dürfen somit in der Regel gehalten werden. Für alle anderen Tiere gilt: Was im Mietvertrag nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist nicht gestattet - Tierfreunden bleibt meist nur der Auszug.

Rauchen

Ein generelles Rauchverbot in der Wohnung ist vor Gericht für den Vermieter meist schwer haltbar. Dennoch bleibt zu überlegen, ob man es so weit kommen lässt: Wer als Raucher in eine Nichtraucher-WG zieht, sollte mit seinen Mitbewohnern genau klären, ob sie sich durch Rauchen in der Küche, auf dem Balkon etc. gestört fühlen. Gerichtsurteile zum Thema sind in der Vergangenheit zu wechselnden Gunsten ausgefallen. Klar ist: Streit mit den Mitbewohnern - insbesondere ein Rechtsstreit - "verpestet" auf jeden Fall das Wohnungsklima.

Besuch

Dauerbesuch bei den Mitbewohnern kann unangenehm sein - vor allem, wenn dadurch Lärm oder höhere Nebenkosten entstehen. Grundsätzlich darf jeder Mieter seine nahen Angehörigen bis zu sechs Wochen auch ohne Zustimmung der Vermieter bei sich aufnehmen. Dazu gehören Eltern, eigene Kinder oder Ehepartner, nicht jedoch der Beziehungspartner oder die beste Freundin. Vermieter und Mitbewohner müssen Dauerbesuch nicht tolerieren, wenn dadurch Überbelegung in der Wohnung entsteht. Am besten ist es in diesem Fall, sich beim Vermieter über den ungeliebten Gast zu beschweren. Meist werden Mitbewohner dadurch schon hellhörig und der Besucher zieht ganz schnell aus. Im schlimmsten Fall kann der Vermieter ein rechtlich bindendes Hausverbot erwirken.

Partys & Grillen

Einmal im Monat feiern ist erlaubt? Leider steht diese Faustregel nirgendwo geschrieben und ist damit rechtlich nicht bindend. Nachbarn und Anwohner müssen Partys mit Musik und lauten Gesprächen nur tolerieren, wenn die Nachtruhe von 22.00 Uhr bis 7.00 Uhr morgens eingehalten wird. Nächtliches Duschen ist von dieser "Sperrzeit" übrigens ausgenommen. Meist sind Anwohner von Studenten-WGs zudem verständnisvoll, wenn man vorab mit ihnen spricht, um die Party anzukündigen und sich für eventuelle Lärmbelästigung im Voraus zu entschuldigen.

Steht im Mietvertrag ein Grillverbot, müssen sich Mieter daran halten. Ansonsten darf auf dem Balkon oder im Garten gegrillt werden.

Vor dem Auszug

Kündigungsfrist

Ist das Mietverhältnis im Vertrag zeitlich unbefristet, gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Die "Faustregel", dass Mieter früher aus ihrem Vertrag kommen, wenn sie einen Nachmieter vermitteln, besitzt keinen juristischen Hintergrund. Dennoch lassen sich Vermieter nach Absprache meist auf eine solche Vereinbarung ein.

Kaution

In der Regel muss ein Neumieter beim Einzug dem Vermieter eine Kaution in Höhe von bis zu drei Kaltmieten hinterlegen, die dieser auf einem verzinsten Konto anlegen muss. Rechtlich muss der Vermieter die Kaution samt Zinserträgen nicht unmittelbar nach dem Auszug zurückbezahlen. Er kann sie einbehalten, bis eventuelle Mietrückstände oder Wohnungsmängel ausgeglichen sind. Im Klartext: Der Mieter muss Zimmer oder Wohnung im Ursprungszustand übergeben. Dazu gehört beispielsweise, dass er entstandene Schäden reparieren oder zwischenzeitlich farbig gestrichene Wände wieder weiß streichen muss. Seine Kaution mit der Wohnungsmiete zu verrechnen und dadurch "abzuwohnen", ist nicht gestattet. Vermieter können einen Teil der Kaution einbehalten, bis die Nebenkostenabrechnung für das vergangene Jahr erstellt und gegebenenfalls auf den Mietzeitraum umgerechnet ist.

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