Es ist kein schönes Gefühl, sich ausgesperrt zu haben. Doch eine Versicherung, die für den Schlüsseldienst aufkommt, rechnet sich laut Verbraucherschützern oft nicht. Foto: Kai Remmers
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Es ist kein schönes Gefühl, sich ausgesperrt zu haben. Doch eine Versicherung, die für den Schlüsseldienst aufkommt, rechnet sich laut Verbraucherschützern oft nicht.

Verbraucherschützer informieren

Schlüsseldienst: Lohnt sich eine Versicherung?

Die Haustür ist verschlossen, der Schlüssel nicht zu finden. Für viele eine Horrorvorstellung - auch wegen hohen Kosten für einen Handwerker. Schlüsseldienst-Versicherungen sollen eine Lösung für den Notfall sein.

Berlin - Sich auszusperren, wird schnell teuer. Für solche Fälle gibt es spezielle Versicherungen, die Kosten für einen Schlüsseldienst abdecken. Verbraucherschützer sehen sogenannte Wohnungsschutzbriefe aber kritisch. Diese kosteten jährlich zwischen 20 und 60 Euro.

Dabei könnten Verbraucher jahrelang Beiträge zahlen, ohne jemals von der Versicherung Gebrauch zu machen. "Wie wahrscheinlich ist es, dass ich einen Schlüsseldienst brauche?", gibt Christian Biernoth von der Verbraucherzentrale Hamburg zu bedenken.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) führt dagegen an, dass ein Wohnungsschutzbrief Verbraucher davor bewahre, an einen möglicherweise unseriösen und überteuerten Schlüsseldienst zu geraten. Denn im Notfall schickt die Versicherung einen Dienst ihrer Wahl vorbei.

Nach Ansicht des Bundes der Versicherten (BdV) sind diese Zusatzversicherungen aber unnötig, auch weil sie teilweise den entstandenen Schaden nur bis zu einer gewissen Höhe decken, sagt BdV-Sprecherin Bianca Boss. So seien Reparaturkosten etwa auf mehrere Hundert Euro begrenzt.

Verbraucherschützer Biernoth ergänzt: "Es wird außerdem nur die einfache Türöffnung und das provisorische Schloss bezahlt." Es könnten also trotz Schlüsseldienst-Versicherung weitere Kosten entstehen. Es sei somit besser, das Geld für einen solchen Fall selbst auf die Seite zu legen.

Der BdV macht außerdem auf die aus seiner Sicht umständliche Prozedur aufmerksam: Im Notfall müssen die Geschädigten zunächst die Versicherung verständigen, die wiederum einen Vertragspartner beauftragt. "Welcher Versicherter hat schon die Servicenummer seiner Versicherung im Handy gespeichert?", sagt Boss. Wer allerdings selbst einen Handwerker ruft und die Rechnung nachträglich einreichen möchte, bleibe auf den Kosten sitzen.

Laut GDV soll die Versicherung auch bei Rohrreinigung, Schädlingsbekämpfung oder Entfernung von Wespennestern greifen. Aus Sicht von BdV-Sprecherin Boss bringen Mieter solche zusätzlichen Leistungen aber meist nichts. In diesen Fällen sei der Vermieter für die Beseitigung der Schäden verantwortlich. Und dieser müsse dem Mieter ein Verschulden erst nachweisen.

Was tun, wenn man vor verschlossener Haustür steht und der Schlüssel in der Wohnung liegt? Versicherungsexperte Christian Biernoth von der Verbraucherzentrale Hamburg hat die wichtigsten Tipps:

  • Welcher Schlüsseldienst sollte beauftragt werden? Auf keinen Fall eine Firma, die mit "AAA" am Anfang des Telefonbuchs steht. "Dahinter verbergen sich oft schwarze Schafe", sagt Biernoth.
  • Auch von einer Vermittlung über die Telefonauskunft rät der Experte ab. Es sei schwer zu überprüfen, ob diese einen zu einem seriösen Anbieter weiterleitet, erklärt Biernoth.
  • Es ist besser, sich vorsorglich nach den Preisen bei einem örtlichen Betrieb zu erkundigen. Dies spare Anfahrtkosten und beuge Abzocke im Notfall vor, empfiehlt der Versicherungsexperte.
  • Wenn der Schlüsseldienst am Telefon ist: Festpreis verhandeln, einschließlich möglicher Zuschläge. "Wenn der Anbieter dies ablehnt, empfiehlt es sich, sich nach einem anderen umzuschauen", sagt Biernoth.
  • Wenn der Handwerker an der Haustür steht: vorsichtshalber den Preis nochmals bestätigen lassen. Keine Blankoschecks unterschreiben. Unbedingt eine Rechnung ausstellen lassen.
  • Wenn kein Bargeld vorhanden ist: Niemals unter Druck setzen lassen. "Bei einer horrenden Rechnung sollten Verbraucher den Betrag lieber überprüfen lassen, als sofort zu bezahlen", sagt Biernoth.
  • Auf keinen Fall sollte man sich vom Techniker dazu drängen lassen, in seiner Begleitung Geld am Automaten abzuheben.
  • Als Faustregel gilt: Die Kosten für den Schlüsseldienst am Wochenende betragen im Schnitt zwischen 100 und 180 Euro. "Mehr darf eine normale Türöffnung nicht kosten", erklärt der Experte.

dpa/tmn

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