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Die Energieversorger kalkulieren mit der Lethargie der Kunden. Doch die Bereitschaft zum Wechsel des Stromanbieters steigt mit den Strompreisen. Denn pro Jahr und Haushalt lassen sich im Schnitt 300 Euro einsparen.

Strom

Fallstricke beim Anbieter-Wechsel

München - Die Öko-Umlage steigt und damit wieder einmal die Stromrechnung. Das wird viele Verbraucher zum Tarifwechsel animieren. Sie sollten aber auf Fallstricke achten.

Manchmal sind schlechte Nachrichten wie steigende Strompreise gut fürs Geschäft. Weil die Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2014 um knapp ein Fünftel auf 6,24 Cent je Kilowattstunde zulegt, verteuert das die Stromrechnung eines deutschen Durchschnittshaushalt um gut 30 Euro pro Jahr. Experten wie Georg Heusgen rechnen deshalb damit, dass Verbraucher in nächste Zeit verstärkt ihren Stromtarif wechseln. Der Manager ist Geschäftsführer Energie beim Internet-Vergleichsportal Check24 und baut wie Kollegen anderer Vergleichsportale nun auf anschwellende Vermittlungen.

Gut dreieinhalb Millionen Deutsche haben laut Bundesnetzagentur 2011 ihren Stromanbieter gewechselt. Zahlen für 2012 sind noch nicht verfügbar. Klar ist aber, dass mittlerweile mehr Deutsche ihren Energieversorger austauschen als ihre Kfz-Versicherung. Letzteres galt lange als beliebteste Tätigkeit von Sparfüchsen. 2013 werden nun erstmals über vier Millionen Deutsche ihren Stromtarif wechseln, schätzt Heusgen. Zum Vergleich: Maximal halb so viele sind es bei der Kfz-Police. Damit ist beim Strom aber immer noch viel Luft nach oben. Zum Beispiel sucht sich jährlich jeder fünfte britische Haushalt einen neuen Stromtarif. Hierzulande sind trotz zunehmendem Wechselfieber noch acht von zehn Haushalten beim Grundversorger, vier von zehn sogar noch mit dem ursprünglichen Basistarif. Das bei Energietarifen deutschlandweit führende Vergleichsportal Verivox hat ausgerechnet, dass Haushalte, die noch in der Grundversorgung stecken, beim Wechsel zu einem günstigen Anbieter in der Summe fünf Milliarden Euro sparen könnten.

Einige hundert Euro im Jahr sind drin

„Im Schnitt gehen wir pro Jahr und Haushalt von 300 Euro realistischem Sparpotenzial aus“, erklärt Verivox-Expertin Dagmar Ginzel. So ähnlich sieht das auch die Stiftung Warentest. „Locker einige hundert Euro im Jahr“ seien drin, bestätigen die Verbraucherschützer. Sie warnen aber davor, sich blind auf das vermeintlich billigste Angebot zu stürzen, das man bei Verivox, Check24 und Co mit ein paar Mausklicks findet. Unbedarfte könnten auf diese Weise leicht bei einem verbraucherunfreundlichen Tarif landen. Als solche sehen die Warentester vor allem Lockangebote an, die mit einem hohen Neukundenbonus von 25 Prozent werben. Ist das erste Vertragsjahr vorüber, würden dann die Preise oft massiv erhöht. Verivox und Check24 kennen und bestätigen solche Praktiken. Sie verweisen aber darauf, dass sie in den Voreinstellungen ihrer Portale nur solche Anbieter zulassen, die ihre Vertragslaufzeit auf ein Jahr begrenzen. Klicken suchende Verbraucher diese Voreinstellung nicht weg, könne man jedes Jahr den Stromtarif wechseln und einen neuen Bonus kassieren. Es sei nicht jedermanns Sache jedes Jahr erneut einem Neukundenbonus nachzujagen, kritisiert die Stiftung Warentest. „Energieversorger kalkulieren mit der Lethargie ihrer Kunden“, räumt Heusgen ein. Er kennt viele Tricks. Bisweilen würden Neukundenboni nicht ausbezahlt, wenn ein Verbraucher nach einem Jahr erneut wechselt. Wer zum Beispiel „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ kündigt, den entlassen trickreiche Anbieter schon ein oder zwei Tage vor Vollendung des ersten Vertragsjahres und umgehen so den Bonus.

Andere werben im November mit einem vermeintlich günstigen Tarif, in dem aber die ihnen schon bekannte Erhöhung der EEG-Umlage noch nicht eingepreist ist. Im Frühjahr des folgenden Jahres würden dann die Preise erhöht. Das sei zwar rechtlich nicht anfechtbar, aber ein Stück Verbrauchertäuschung, kritisiert Kollegin Ginzel von Verivox.

Tarife mit Vorauskasse seien dagegen seit dem Pleiten von Teldafax und Flexstrom praktisch kein Thema mehr im Markt, sagt Heusgen. Großes Sparpotenzial, aber auch ein Risiko liege in Paketttarifen. Hier müssen Verbraucher ihren Strombedarf vorab schätzen. Liegt er dann deutlich darunter, verfällt die Differenz zur Schätzung. Liegt der Verbrauch deutlich darüber, werde es teuer und die Stromrechnung könne zum Albtraum werden, warnt der Experte.

Wer die Wohnung wechselt oder nicht sicher weiß, ob er über die Jahre hinweg einen stabilen Stromverbrauch hat, solle die Finger davon lassen. Rund vier Fünftel aller Haushalte habe aber erfahrungsgemäß stabilen Verbrauch. Anderseits weiß Heusgen, dass der Wechsel des Stromtarifs per Vergleichsportal oft in zehn Minuten vollzogen ist.

Thomas Magenheim-Hörmann

Strom sparen: Kleine Maßnahmen, große Wirkung

Strom sparen beginnt mit den kleinen Handgriffen. Oft haben schon kleine Veränderungen große Wirkung: Wer Elektronikgeräte richtig ausschaltet und den Stecker zieht, spart mehr Strom, als wenn die Geräte im Stand-by-Modus bleiben. Ähnliche Tricks gibt es für fast alle Bereiche im Haushalt – und so lässt sich die Stromrechnung trotz hoher Energiepreise senken. Die Deutsche Energie-Agentur rät zu Folgendem:

Küche

Der Kühlschrank gehört nicht neben den Herd. An einem kühlen Platz verbrauchen Kühl- und Gefriergeräte drei bis sechs Prozent weniger Strom. Warmes Essen sollte nicht direkt in den Kühlschrank oder in die Tiefkühltruhe gestellt werden – denn dann wird das Innere des Gerätes wärmer. Verbraucher warten mit dem Hineinstellen also besser, bis das Essen abgekühlt ist. Strom sparen sie auch, wenn sie Gefrorenes im Kühlschrank auftauen. Und beim Kochen dürfen Verbraucher ruhig zum Wasserkocher greifen: Er erhitzt Wasser effizienter als ein alter Herd. Wer den Ofen beim Backen schon vor Ende der Garzeit ausschaltet, nutzt die Nachwärme optimal.

Badezimmer

Wird das warme Wasser erst im Durchlauferhitzer erwärmt, ist das günstiger. Denn ein Warmwasserspeicher muss das Wasser ständig warm halten, auch, wenn über längere Zeit keiner den Hahn öffnet. Ist es im Winter zu kalt, um die Wäsche draußen zu trocknen, setzen viele auf den Wäschetrockner. Die dena empfiehlt, die Wäsche vorher gut durchzuschleudern, das spart im Trockner Strom und Zeit.

Wohn- und Arbeitszimmer

Je heller die Hintergrundbeleuchtung vom Fernseher, desto mehr Strom verbraucht er. Das gilt auch für Handys, Tablets oder Laptops. Nach dem Benutzen reicht es oft nicht, Elektronikgeräte nur auszuschalten. Gerade alte Geräte benötigen auch im Stand-by-Modus viel Strom. Am besten trennen Verbraucher die Geräte komplett vom Stromnetz, beispielsweise über einen schaltbaren Mehrfachstecker.

Wer über längere Zeit verreist, sollte alle Geräte, ob modern oder alt, vom Stromnetz nehmen. Computer verfügen auch über Energiesparfunktionen. Bei kürzeren Pausen lohnt es sich, den Rechner in einen Sleep-Modus zu versetzen. Faxgerät, Drucker, Kopierer und Scanner können als Multifunktionsgerät kombiniert nicht nur Platz, sondern auch Strom und damit Geld sparen.

Beleuchten und Heizen

Neben der Energiesparlampe sparen auch effiziente LED- und Halogenlampen Strom. Heizkörper sollten nicht hinter Möbeln verschwinden. Bei geöffnetem Fenster sollte man die Heizung ausschalten. Am besten öffnet man zum Lüften gegenüberliegende Fenster und Türen – so tauscht sich die Luft schneller aus.

Energielabel

Das EU-Energielabel weist auf die Effizienz von Haushaltsgeräten hin. Sparsame Geräte werden mit A+++ ausgezeichnet, verschwenderische mit D oder noch schlechteren Klassen. Nicht nur für Waschmaschinen und Geschirrspüler gibt es die Energieklassen, sondern auch für Fernsehgeräte, Stereoanlagen, DVD-Player oder Computer. Die Elektronikgeräte werden für ihre Energieeffizienz mit dem „Energy Star“ ausgezeichnet.

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