Strom: Preisspirale dreht hoch

München - Die Stromunternehmen in Deutschland machen den Konsumenten Dampf. Über 600 Versorger haben Anfang 2011 ihre Preise um durchschnittlich sieben Prozent angehoben. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Für Verbraucher dürften die nächsten Energiekostenrechnungen eine Ärgernis werden: Denn die hiesigen Stromversorger drehen munter an der Preisschraube – das gilt für kleine Stadtwerke, europaweit operierende Konzerne wie Eon oder Vattenfall, die Billig-Töchter großer Unternehmen wie Eprimo oder „E wie Einfach“, aber auch für sogenannte Discounter wie Flexstrom. Bereits zum Jahreswechsel haben nach Angaben des unabhängigen Verbraucherportals Verivox 609 Versorger die Preise für Elektrizität im Schnitt um sieben Prozent erhöht. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Preise steigen im elften Jahr in Folge

Erhebungen zufolge schlagen im Februar und März weitere 78 Anbieter bei den Preisen drauf, und zwar um durchschnittlich sechs Prozent. „Derzeit deuten alle Anzeichen auf weitere Strompreissteigerungen im Laufe des Jahres hin“, gibt Peter Reese von Verivox zu bedenken. Das würde bedeuten, dass die Strompreise in Deutschland für private Kunden im elften Jahr in Folge gestiegen sind. Seit 2000 haben sich die Kosten pro Kilowattstunde (kWh)um über 70 Prozent verteuert. Alleine zwischen 2005 und 2010 musste ein typischer Drei-Personen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh Strompreissteigerungen von 35 Prozent hinnehmen.

Diese bittere Pille müssen aber nicht alle in diesem Land schlucken. Während Privatkunden von Energie einen Preisschock nach dem anderen verkraften müssen, profitierten sogenannte Industriekunden, also Großabnehmer von Strommengen, und die Versorger selbst von deutlich günstigeren Einkaufsbedingungen. Denn in der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Großhandelspreise aufgrund der nachlassenden ökonomischen Dynamik abgesackt. Das belegen Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach ist der sogenannte Erzeugerpreisindex Strom zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 um satte 20 Prozent gefallen.

Ökoenergie als Kostentreiber?

Warum Privatkunden der Preisabschwung nicht weitergereicht wird, ist kaum verständlich. Zwar rechtfertigen die Versorger die ungebrochene Preisspirale mit langfristigen Beschaffungsstrategien und den gestiegenen Kosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. „Viele Versorger haben sich angeblich in Zeiten hoher Großhandelspreise eingedeckt und können daher die Preise nicht senken“, erläutert Rees, bemängelt aber auch: „Dieses Argument verliert im Lauf der Zeit allerdings an Stichhaltigkeit, denn die wenigsten Anbieter decken sich für mehr als zwei Jahre im Voraus mit Strom ein.“

Richtig ist hingegen, dass die EEG-Umlage, mit der Strom aus erneuerbaren Energien gefördert wird, sich stetig erhöht hat; zuletzt zum 1. Januar 2011 um 1,7 auf 3,5 Cent für jede Kilowattstunde. Da die Stromanbieter die Umlage in voller Höhe an die Ökostrom-Produzenten abführen, werden die Verbraucher entsprechend zu Kasse gebeten. Ob die Umlage auch künftig zulegt und damit als Faktor für Endkundenpreise weiter an Bedeutung gewinnt, wird im Oktober 2011 – dann für das Jahr 2012 – verkündet. „Sollte die Abgabe auch nur geringfügig steigen, dürfte das Jahr 2011 so enden, wie es angefangen hat – mit Strompreiserhöhungen“, sagt Energieexperte Peter Reese.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen verwahrt sich indes gegen weitere Preisrunden infolge der EEG-Umlage. "Der Strom wird auf jeden Fall wegen der Investitionen in erneuerbare Energie nicht teurer", sagt er in einem Interview mit dem Westfalen-Blatt. "Ich erwarte, dass die Stromkonzerne ihre Preisvorteile an die Verbraucher weitergeben und nicht mit falscher Begründung Erhöhungen durchsetzen."

229 Euro bei Wechsel sparen

Die heftigen Preisrunden müssen Bürger aber nicht hinnehmen. Fakt ist: Wird Energie beim Lieferanten teurer, haben Kunden ein gesetzlich geregeltes Sonderkündigungsrecht.  

Matthias Kutzscher

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