Strom: Versorger penibel prüfen

Berlin - Der Strommarkt ist hart umkämpft. Um wechselwillige Verbraucher balgen sich mittlerweile Dutzende Lieferanten: Besonders Zulauf haben Discounter mit Billigtarifen. Nicht immer ist günstig aber auch gut.

Die Zahl der Stromanbieter ist massiv gestiegen. Konnten Anfang 2009 Verbraucher bundesweit im Schnitt zwischen 53 Versorgern wählen, boten sich im Februar 2011 bereits 83 an. Da Strom ein homogenes Gut ist, also kein Unterschied zwischen der Elektrizität verschiedener Anbieter besteht, bestimmt der Preis die Kaufentscheidung.

Top-Plätze auf Preisrechnern

Folglich locken Stromanbieter mit Rabatten, Boni, Dumpingtarifen. Das Kalkül: Durch beständiges Wachstum die knappen Margen auffangen. Ziel ist es, mit Spitzenpreisen die Top-Plätze der Vergleichsrechner im Web zu entern und so Kunden zu ködern.

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Tatsächlich lassen sich per Billigtarif gegenüber etwa der Basisversorgung des örtlichen Stadtwerks durchaus einige Hundert Euro sparen. Das Modell trägt allerdings nur, weil Kunden meist hohe Vorauszahlungen oder Kautionen leisten müssen und nur kurze beziehungsweise gar keine Preisgarantien akzeptieren. Tatsächlich benötigen Discounter laut Matthias Cord von der Unternehmensberatung A.T. Kearney „die Vorkasse, um Strom einzukaufen und neue Kunden zu gewinnen“.

Wachstum kann kaum gemanagt werden

Besonders erfolgreich mit dieser Strategie sind bislang Flexstrom aus Berlin mit rund 400.000 Kunden und Teldafax aus Troisdorf mit etwa 500.000 Strombeziehern. Doch der hohe Zuspruch hat Tücken: Verbraucher klagen über Servicemängel. Insbesondere Teldafax liegt im Dauerclinch mit unzufriedenen Kunden.

Die Vorwürfe reichen von fehlenden Abschlussrechnungen, nicht erfolgten Rückzahlungen von Guthaben, verspäteten Kündigungen beim Altversorger bis hin zu schlechtem Telefon-Service.

Bundesnetzagentur prüft Teldafax

Dabei gelobt der Stromanbieter, der laut Handelsblatt schon mehrfach in Finanzproblemen steckte und Ende 2010 eine millionenschwere Kapitalspritze eines russischen Investors erhielt, regelmäßig Besserung. 

Die Bundesnetzagentur, die Verbraucherrechte im Strommarkt wahrnimmt, prüft wegen massenhafter Reklamationen die Geschäftspraktiken. Und die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen das Management wegen möglicher Insolvenzverschleppung.

Der Fall sollte Verbraucher jedoch nicht abschrecken, ihren Stromanbieter zu wechseln. Denn nur aktive Kunden können den Wettbewerb im Strommarkt ankurbeln und damit Preistrends begrenzen. Auch die Wahl eines Discounters kann durchaus richtig sein, wenn die Konditionen stimmen. So bieten mittlerweile Billig-Stromanbieter günstige Verträge auch mit monatlicher Zahlung an.

Matthias Kutzscher

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