Tagesgeld für Kinder - auf Bedingungen achten

Berlin - Wer ein Tagesgeldkonto für den Nachwuchs einrichten will, kann Überraschungen erleben. Einige Banken verweigern die Eröffnung von Kinderkonten, andere gewähren weniger Zinsen als für Erwachsene.

Geldanlage-Vergleich: Diese Zinsen gibt es derzeit bei Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen

Eltern, die eine Finanzreserve für ihre Kinder anlegen wollen, greifen häufig auf Tagesgeldkonten zurück. Die Konten sind flexibel, leicht zu handhaben, verursachen keine Gebühren und sind in der Regel gut verzinst. Da die Zinsen variabel sind, können Banken bei steigendem Marktzins die Vergütung nach oben anpassen. Umgekehrt gilt: Verringert sich das Zinsniveau, geben die Zinsen für Tagesgeldkonten peu à peu nach.

Feste Einzahlungsbeträge sind nicht vorgeschrieben, die Zahlungshöhe und die Häufigkeit der Überweisungen liegen im Ermessen des Geldgebers. „Häufig werden Tagesgeldkonten für Minderjährige als Sparkonten geführt. Da sie auf den Namen des Kindes lauten, lässt sich dessen Sparerpauschbetrag gezielt nutzen, um Abgeltungsteuer zu sparen“, sagt André Kauselmann von der ING-Diba.

Kontoeröffnung erfordert Legitimation

Minderjährige dürfen eigenständig kein Tagesgeldkonto eröffnen. Stellvertretend für das Kind ist dies nur den gesetzlichen Vertretern erlaubt. Dazu müssen sich die Eltern oder der gesetzliche Vormund gegenüber der Bank legitimieren. Die Geburtsurkunde oder andere amtliche Papiere des Kindes werden zum Nachweis der Vormundschaft benötigt. Die gesetzlichen Vertreter sind bis zur Volljährigkeit des Kindes verfügungsberechtigt und können Ein- und Auszahlungen auf dem Konto vornehmen.

Wenn Großeltern oder Paten ein Tagesgeldkonto für den Enkel oder das Patenkind eröffnen wollen, etwa um Geld zu schenken, erfordert dies einen Vertrag zugunsten Dritter. Das Konto wird dann auf den Namen des Begünstigten geführt. Ist das Kind noch nicht volljährig, sind die Eltern bis zum 18. Lebensjahr vertretungsberechtigt. Ab Volljährigkeit kann das Kind selbstständig Transaktionen vornehmen. „Die ING-Diba sperrt ab dem 18. Geburtstag automatisch den Zugang für die Eltern und schaltet neue Pin/Tan-Daten für das Kind frei. Allerdings muss sich der Nachwuchs nachträglich per Post-Ident legitimieren“, so Banksprecher Kauselmann.

Zinsen und Nebenbedingungen

Die Konditionen von Tagesgeldkonten für Minderjährige sind von Bank zu Bank unterschiedlich. Einige Institute machen sich erst gar nicht die Mühe und bieten keine Kinderkonten an, so etwa die Bank of Scotland, die Postbank oder GE Capital. Auch viele Bankhäuser mit türkischen Wurzeln halten kein entsprechendes Angebot parat, etwa die Oyak Anker Bank oder die Vakif Bank.

Bei Direktbanken deutschen Ursprungs sieht es hingegen besser aus. So bieten beispielsweise die Netbank, Comdirect, DAB-Bank, Cortal Consors, ING-Diba oder 1822 direkt Tagesgeldkonten für Kinder an.

Eine Befragung durch biallo.de ergab, dass nicht alle Banken einheitliche Zinssätze für Tagesgeldkonten gutschreiben. Manchmal gibt es für „normale“ Tagesgeldkonten bessere Zinsofferten als für Kinderkonten. So schreibt beispielweise Cortal Consors für das Kinderkonto nur den aktuellen Guthabenzins von 1,3 Prozent gut, während Neukunden für das klassische Tagesgeldkonto zwölf Monate lang 2,1 Prozent Zinsen erhalten.

Vorsicht vor Tagesgeldkonten mit Zusatzfeatures

Ein unübliches Zinsmodell bietet die Netbank, denn dort ist das Girokonto besser verzinst als das Tagesgeldkonto. Während das Tagesgeldkonto einheitlich mit 1,25 Prozent verzinst wird, schreibt die Bank bei regelmäßigem Geldeingang 1,60 Prozent Zinsen auf dem Girokonto gut. Die Eröffnung des Girokontos ist Voraussetzung für das Tagesgeldkonto – das gilt auch für Kinderkonten. Allerdings genießen Minderjährige einen Vorteil: „Es genügt bereits ein monatlicher Einkommenseingang von 0,01 Euro auf dem Girokonto, etwa aus Aushilfstätigkeit oder Bafög, und das Kind erhält den Bonuszins von 1,60 Prozent“, sagt Robert Hoyer von der Netbank AG.

Tagesgeldkonten, die nur mit Zusatzfeatures abgeschlossen werden können, sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Meist benutzen die Geldhäuser den Zwang zur zusätzlichen Konto- oder Depoteröffnung dazu, Kunden mit weiteren Angeboten zu locken. Das sogenannte Cross-Selling kann nervig sein. Neben der Netbank macht zum Beispiel die DAB-Bank ihr Kinder-Tagesgeldkonto von der Eröffnung eines Junior-Depots für Wertpapiere abhängig.

Verfügungen müssen nachvollziehbar sein

Eltern oder Großeltern, die Geld auf den Namen ihrer Kinder anlegen, dürfen das Kapital und die Erträge nicht einfach zurückbuchen und wieder für sich verwenden. Der Kapitalübertrag sollte auf Dauer angelegt sein, andernfalls wittert das Finanzamt Gestaltungsmissbrauch. Das heißt aber nicht, dass das Geld für alle Zeit dem Zugriff der Eltern entzogen ist. Wird zum Beispiel das Geld für einen Internatsplatz des Kindes an einer auswärtigen Schule benötigt, so ist dies ein einleuchtender Grund, Sparguthaben abzuheben.

Auch das Motiv des Steuersparens erlaubt Geldtransfers zwischen Familienmitgliedern. Der Bundesgerichtshof entschied einen entsprechenden Fall zu Gunsten der Eltern. Die Richter urteilten, dass die Erziehungsberechtigten trotz Vermögensübertrag auf die Kinder, das Geld jederzeit zurückholen dürfen. Denn das Motiv der Eltern, Geld im Namen der Kinder anzulegen um damit deren Sparerfreibeträge auszunutzen, sei nachvollziehbar und berechtigt. Damit sei das Kapital noch nicht in das Eigentum der Kinder übergangen. Im zu entscheidenden Fall hatte sich eine Bank geweigert, das Geld vom Konto des minderjährigen Kindes auf ein elterliches Konto zurück zu buchen. Das Geldinstitut witterte einen Missbrauch der Vertretungsmacht der Eltern. Die Bundesrichter widersprachen dieser Auffassung. Da die Summen aus dem Vermögen der Eltern stammten, könnten diese auch darüber verfügen, so die Richter (Az. XI ZR 220/03).

Max Geißler

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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