Diese Küche von der Pfister Möbelwerkstatt wurde aus Abrissholz gefertigt, das aus der Region Kraichgau in Baden-Württemberg stammt. Foto: Pfister Möbelwerkstatt
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Diese Küche von der Pfister Möbelwerkstatt wurde aus Abrissholz gefertigt, das aus der Region Kraichgau in Baden-Württemberg stammt. Foto: Pfister Möbelwerkstatt

Vom Müll zum Möbel - Upcycling für die Wohnung

Köln (dpa/tmn) - Die Reste der Produktion können ein zweites Leben bekommen. Upcycling nennt sich das, wenn aus solchen Materialien hochwertige neue Produkte entstehen. So wird aus Abrissholz eine Küche und aus Furnierresten ein Stuhl.

Wenn aus Bauschutt ein Regal wird oder aus Sperrholz der große Esstisch der Familie, nennt sich das Upcycling. Möbeldesigner bedienen sich bei Abfallprodukten, Produktionsresten oder gar Sperrmüll und machen aus dem vermeintlichen Ballast der Industrie etwas Hochwertiges. Designliebhaber blättern dafür teilweise viel Geld hin. Beschädigungen und verblasste Farben des Ausgangsmaterials bleiben oft erhalten. Viele Beispiele gibt es auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne (Publikumstage: 23. bis 25. Januar) in Köln zu sehen.

"Anfangs waren es Start-ups aus Berlin oder Hamburg, die das Thema aufgegriffen haben", erläutert Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Jungdesigner suchten Restmaterialien zusammen, die keiner mehr wollte, und formten daraus anspruchsvolle Möbel. Darüber wurde auf den Messen zwar geredet, einige Einzelstücke waren zu sehen, aber erst jetzt kommt der Trend richtig im Möbelhandel an.

"Upcycling ist in allen Branchen ein Trend, gerade im Designbereich und vor allem hier bei den Möbeln", sagt Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Eine gute Idee, findet der Experte. Die neuen Besitzer freuen sich oft über die interessanten Fakten, die sie zu den Upcycling-Möbeln erzählen können: Der auf der IMM Cologne vom Unternehmen CV. Nuansa Kayu Bekas präsentierte Tisch zum Beispiel wird aus dem Holz alter indonesischer Fischerboote gefertigt.

Ein ungewöhnliches Upcycling-Beispiel ist der Lounge-Sessel namens Zwei Drüber Ein Drunter von Moij Design. Er sieht aus, als wäre er mit einer Palmenmatte belegt. Es handelt sich dabei aber um ein Gewebe aus Furnierstreifen, die als Abfallprodukt in Tischlereien entstehen. Die zwei Designerinnen Stine Paeper und Angelina Erhorn haben mehrere Lagen des Gewebes unter Vakuum verformt, was eine stabile Sitzschale ergibt.

Auch Dingen, die vielleicht im Schrank verstauben, lässt sich ein neues Dasein geben: Nicht aus einem Abfallprodukt, sondern aus hochwertigen Pelzen macht Schulte Design den Klappstuhl Butterfly. "Wenn Dinge alt geworden sind, heißt das ja nicht automatisch, dass sie an Wert verloren haben - ganz im Gegenteil", erläutert der Designer Franz-Josef Schulte den Reiz des Weiterverwendens. "Ihre Werterolle hat sich vielleicht verändert oder wurde verschoben."

Die Pfister Möbelwerkstatt stellt aus gesammeltem Abrissholz eine Küche her. Natürlich liege auch hier der Recyclinggedanke auf der Hand: "Das alte Holz ist viel zu schade, um verbrannt zu werden oder es verrotten zu lassen", sagt Geschäftsführer Uwe Pfister.

Wer in solche Möbel investieren will, muss sich meist im höheren Preissegment umsehen, sagt Geismann. "Echtes Upcycling ist sehr aufwendig und teuer. In den niedrigeren bleibt das Vintage eher gefragt - also etwas, was nur so aussieht, als wäre es aus altem Material." Buschmann vom BUND warnt sogar vor Täuschungen: "Man muss kritisch sein, gerade im günstigen Preissegment ist vieles nur künstlich auf alt gemacht."

Service:

Für die Öffentlichkeit ist die IMM Colgone vom 23. bis 25. Januar, jeweils von 9.00 bis 18.00 Uhr beziehungsweise am Sonntag von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Vom 19. bis 22. Januar haben nur Fachbesucher Zutritt.

IMM Cologne

Living Kitchen

CV. Nuansa Kayu Bekas (eng.)

Moij Design

Pfister Möbelwerkstatt

Schulte Design

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