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Die Adoption eines Kindes ist an klare Voraussetzungen geknüpft.

Interview

Adoption: „Das Kind hat zwei Elternpaare im Leben“

Bad Tölz-Wolfratshausen - Im Landkreis gibt es pro Jahr nur wenige Adoptionen. Was dabei zu beachten ist, erklärt Judith Steinberger vom Tölzer Jugendamt im Interview.

Das Thema Adoption steht im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der alle Interessierten am morgigen Donnerstag um 19 Uhr ins Landratsamt eingeladen sind. Unter dem Titel „Adoption – Wissen um Herkunft“ liest der Autor Rainer Wrage aus seinem Buch „Nuckeldecke. Die Geschichte einer Adoption“, das seine eigene Lebensgeschichte thematisiert und die Frage stellt: Was bedeutet eine Adoption aus Sicht des Kindes? Der Tölzer Kurier befragte im Vorfeld der Veranstaltung Judith Steinberger zur Adoptions-Situation im Landkreis. Sie ist im Kreis-Jugendamt für die Themen Adoptionsvermittlung und Pflegekinderfachdienst zuständig.

Wie viele Kinder werden im Landkreis jährlich adoptiert?

Wir unterscheiden nach drei Adoptionsarten: 1. Neugeborenenadoptionen: Hier haben wir im Schnitt eine Adoptionsvermittlung im Jahr – der Beschluss über die Adoption kann erst nach einem Jahr Adoptionspflege erfolgen; 2. Stiefelternadoptionen – das sind etwa sechs Adoptionsfälle jährlich; 3. Volladoptionen ohne Neugeborenenadoptionen. Hier ist die Eltern-Kind-Beziehung meist schon mehrere Jahre gewachsen, zum Beispiel zwischen Pflegeeltern und Pflegekind. Auch da haben wir etwa einen Fall jährlich. Auslandsadoptionen verzeichnen wir schon seit mehreren Jahren keine mehr.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um ein Kind zu adoptieren, und wie ist das Prozedere?

Bei allen Adoptionen muss vorab eine positive Eltern-Kind-Beziehung gewachsen sein. Die Kinder entwickeln sich in dieser Familie positiv. Erziehungshaltung, persönliche und äußere Rahmenbedingungen müssen in guter Ordnung und absehbar verlässlich sein. Bei der Neugeborenenadoption ist vor der Vermittlung eines Kindes ein Bewerbungsverfahren, das etwa sechs Monate dauert, mit Eignungsanerkennung zwingend vorausgesetzt. Es werden für ein Kind passende Eltern ausgewählt. Die Bewerber müssen sich der Adoptionsvermittlungsstelle anvertrauen und bereit sein, ihr Profil offenzulegen. Eine positive Elternschaft muss erwartet werden können. Dokumente wie Führungszeugnisse, ärztliche Atteste, Lebensberichte, Einkommensnachweise und so weiter werden vorgelegt. Das Alter der Bewerber muss dem von natürlichen Elternschaften entsprechen. Ein Ehepartner muss mindestens 25 Jahre alt sein. Bei anderen Volladoptionen und Stiefelternadoptionen muss vor der Adoption die Adoptionsvermittlungsstelle bei einem Hausbesuch die Verhältnisse überprüfen.

Wie läuft das bei Auslandsadoptionen?

Die Bewerber wenden sich an eine anerkannte Auslandsvermittlungsorganisation. Man findet sie auf der Homepage des Bayerischen Landesjugendamts. Das Bewerbungsverfahren wird in der Regel von der öffentlichen Adoptionsvermittlungsstelle vor Ort durchgeführt, speziell für die Vermittlung eines in der Regel schon mehrjährigen Kindes aus einem bestimmten Land. Die Adoptionsvermittlungsstelle besucht die Familie in der Nachsorge, Nachsorgeberichte ergehen noch längere Zeit ins Herkunftsland.

Welche Probleme treten häufig bei einer Adoption auf?

Adoptiveltern müssen von Beginn an auf die Haltung gegenüber den leiblichen Eltern achten. Dass eine frühzeitige Aufklärung wichtig ist, ist inzwischen allgemein bekannt. Genauso wichtig ist eine Haltung gegenüber den leiblichen Eltern im weiteren Verlauf: Das Kind hat zwei Elternpaare in seinem Leben, eine innere Anfreundung an diese Tatsache erleichtert allen Beteiligten die Adoption. Häufig fällt diese innere Annäherung den Adoptiveltern erst einmal nicht leicht. Bei Auslandsadoptionen ist mit vermehrten Belastungen bei den Kindern zu rechnen, zum Beispiel wegen unklarer Biografie, wegen Vorbelastungen, später können Identitätskonflikte auftreten und so weiter. Auch ist die Vermittlung langwierig.

Aus welchen Ländern sind im Landkreis schon Kinder adoptiert worden?

Im Landkreis leben unter anderem adoptierte Kinder aus Russland, Vietnam, Indien, Kolumbien, Guatemala und Haiti.

Laura Kistler

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