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Das Wasser steigt: Das Erdgeschoss des sogenannten Beamtenhauses ist im April 1959 bereits geflutet. 

Senkung des Wasserspiegels macht es sichtbar

Alt-Fall: Das versunkene Dorf im Sylvensteinsee

Lenggries/Fall - So tief war der Sylvensteinsee schon lange nicht mehr abgesenkt. Von der Brücke aus sind die verschlammten Fundamente der Häuser zu sehen – und wecken Erinnerungen an das Dorf Alt-Fall.

Heinz Tretter hat sich die Überreste seiner alten Heimat genau angeschaut. „Es wird wohl das letzte Mal sein, dass wir die Mauern sehen“, sagt der 65-Jährige. Nach dem Einbau der neuen Grundablass-Verschlussklappe in der vergangenen Nacht ist der Tiefstau Geschichte – wie die Tage von Alt-Fall. Tretter kann sich noch an jedes einzelne Haus erinnern, dessen Grundmauern jetzt zum Vorschein gekommen sind. „Ich hatte viele Freunde und bin bei allen ein- und ausgegangen.“ Die Mauern der alten Häuser haben sich gut gehalten und sind nur von verhältnismäßig wenig Schlamm bedeckt, findet Tretter

Der ehemalige EDV-Techniker war erst sieben Jahre alt, als seine Eltern und Großeltern im Herbst 1957 ihre Sachen packen mussten. „Die Oma war schon ein wenig wehmütig“, erinnert er sich. „Aber meine Eltern und wir Kinder wussten ja, dass wir in ein viel schöneres Haus einziehen.“ Mit dem Bau der neuen Ortschaft war bereits 1956 begonnen worden. „Wir hatten jetzt ein Bad und mussten samstags nicht mehr in den Holzzuber steigen.“

„Und wir hatten nach dem Umzug ein großes Wohnzimmer, in dem wir alle Platz hatten“, sagt Josef Harbacher. Auch er hat die Zwangsumsiedlung in guter Erinnerung. „Alt-Fall wird immer so romantisch dargestellt“, sagt der 66-Jährige. „Aber ehrlich gesagt: Die Häuser unserer Eltern waren ein richtiges Glump.“ Die neuen Wohnungen waren zwar „keine Luxus-Herbergen“. Aber schöner als die Häuser, die spätestens 1959 für immer verschwanden.

Mit seinem Jugendfreund Heinz Tretter hat er sich den Schulweg geteilt. Im heutigen „Faller Hof“ war die neue Schule untergebracht. Von dort marschierten die acht Klassen mit ihrem Lehrer Hüttl am 22. Mai 1959 auf die neue Brücke. Tretter und Harbacher haben den spannendsten Ausflug ihrer Schulzeit nie vergessen. An jenem Frühlingstag wurde das sogenannte Beamtenhaus gesprengt, und alle haben sie zugeschaut. „Die Wasserfontäne war sagenhaft“, sagt Tretter. „Das vergisst du nie.“

Derzeit sind die Grundmauern des „Beamtenhauses“ zu sehen. „Es stand etwas höher als die übrige Bebauung“, sagt Anton Böhm. Der heute 92-jährige hat während seiner Dienstzeit beim Forstamt Fall unzählige Fotos und Berichte von Alt-Fall gesammelt und in zwei kleinen Büchern veröffentlicht. An den letzten Bewohner des Beamtenhauses erinnert sich der mittlerweile bettlägrige Zeitzeuge noch ganz genau. „Der Rentner Todeschini wollte dort noch länger bleiben“, erzählt er mit klarer Stimme am Telefon. Das Wasser in dem 1959 fertig gestellten Stausee sei im April 1959 schneller als erwartet gestiegen. „Bei dem Umzug hat es pressiert.“

„Damit hatte keiner gerechnet“, erinnert sich auch Harbacher. Mit großem Interesse hat der damals erst Zehnjährige verfolgt, wie alle bei der Evakuierung mithelfen mussten. „Es hatte viel geregnet, und in wenigen Tagen stand das Wasser bereits vor der Haustüre.“ Eine Speditionsfirma habe die Sachen der letzten Bewohner abtransportiert. Einen Monat später versank das Haus nach einer Unterwassersprengung endgültig im neuen See.

Der Speicher füllte sich rasch. Bald war Alt-Fall Geschichte. „Wir Kinder hatten noch nie so viel Wasser gesehen – und mussten schnell schwimmen lernen: Wir sind wie die Frösche hineingesprungen und haben uns mit mit Händen und Füßen über Wasser gehalten. Es war eine schöne Zeit.“

Harbacher hat den Sylvensteinspeicher zeitlebens im Auge behalten. Er arbeitete bis 2011 als Schaltwärter und Elektriker im Kraftwerk. 

Alois Ostler

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