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Ein Brand ist im Keller der ehemaligen Leonardisklinik ausgebrochen. 20 Bewohner der Asylunterkunft werden im Gebäude vermisst. Mit diesem Szenario sahen sich am Freitag die Feuerwehren aus Heilbrunn, Obersteinbach, Oberbuchen und Mürnsee konfrontiert

Auftakt zu Aktionswoche

Feuerwehr übt in leerer Leonardisklinik den Ernstfall

Bad Heilbrunn - Es ist ein Szenario, das sich niemand vorstellen möchte: Eine Asylbewerberunterkunft brennt. 20 Menschen werden vermisst. Genau damit sahen sich die Feuerwehren aus dem Gemeindegebiet Bad Heilbrunn am Freitagabend in einer Übung konfrontiert.

Dichter Rauch quillt aus dem Keller. Überall aus dem Gebäude sind laute Hilferufe und Schmerzensschreie zu hören. Auf der Rückseite des Hauses hat sich zudem ein schrecklicher Unfall ereignet. Um sich vor den Flammen zu retten, ist ein Bewohner aus dem Fenster gesprungen und hat sich dabei an einer Eisenstange schwer verletzt. Vor dieser Herausforderung standen am Freitagabend die Feuerwehren aus Bad Heilbrunn, Mürnsee, Obersteinbach und Oberbuchen. Kreisbrandmeister Georg Lettner hatte die Großübung an der ehemaligen Leonardisklinik am Abt-Walther-Weg organisiert.

Das Gebäude soll einmal als Unterkunft für 70 bis 100 Asylbewerber dienen, steht momentan aber noch leer. „Wir sind sehr froh, dass die Feuerwehr hier übt“, sagt Kreis-Sozialamtsleiter Thomas Bigl, der unter den Zuschauern ist. Der Landkreis hat die Liegenschaft als Unterkunft angemietet. „Sollte wirklich mal etwas passiere, haben wir eine ganze Reihe von Feuerwehrleuten, die schon mal im Gebäude war.“

Es dauert nur wenige Minuten nach der Alarmierung, bis die Heilbrunner mit den ersten Einsatzwagen eintreffen. Ihre Kollegen aus den weiter entfernten Ortsteilen brauchen kaum länger. Während draußen Schläuche entrollt werden und die Löscharbeiten beginnen, durchsuchen die Atemschutzträger die Räume. Das ist eine Herausforderung: Das Gebäude ist verwinkelt. Von den Fluren gehen zahllose Türen ab, die in Zimmer oder in weitere Flure führen – und das auf mehreren Etagen. „Das ganze Haus ist voller Kinder. Helft’s denen“, brüllt ein Verletzter im Erdgeschoss die Retter an. Das Opfer selbst hat eindrucksvoll vom BRK geschminkte Wunden auf dem Rücken. Das Rote Kreuz stellt auch einige der Opfer. Die anderen werden von der Heilbrunner und Mürnseer Jugendfeuerwehr gespielt.

Hinterm Haus haben die Helfer den Verletzten, der aus dem Fenster gesprungen ist, entdeckt. Diesen Part hat übrigens eine Puppe übernommen. Das macht den Abtransport nicht leichter. Der Dummy wiegt genauso viel wie ein ausgewachsener Mann. Der Rettungsdienst vom BRK ist mit mehreren Fahrzeugen vor Ort. Die Helfer schätzen den Grad der Verletzung ein und entscheiden, in welcher Reihenfolge behandelt werden muss.

Beobachtet wird die Übung von den fünf jungen Frauen aus der Jugendgruppe der Oberbuchener Feuerwehr. Horst Kürzeder erklärt ihnen gerade, warum die Suche nach den Vermissten so schwierig ist. „Menschen reagieren in solchen Situationen panisch. Manche verstecken sich unter dem Bett. Einige schreien auch nicht sofort.“ Das haben auch die Feuerwehrleute erkannt, die im ersten Obergeschoss suchen. Dort sitzen zwei Oper zitternd im Schrank.

Bis alle 20 Vermissten gefunden sind, dauert es gut 45 Minuten. „Es ist ein riesiges Gebäude. Es muss Raum für Raum abgesucht werden“, sagt Leo Schwaighofer von der Heilbrunner Feuerwehr. Er ist abgestellt, um die Presse zu informieren. Im Ernstfall wäre natürlich nicht nur der Tölzer Kurier vor Ort. Vermutlich würden längst Kamerateams verschiedener Fernsehsender ihre Ausrüstung aufbauen.

Im Ernstfall würde auch Sozialamtsleiter Bigl nicht einfach nur zuschauen. Er wäre vermutlich gerade damit beschäftigt, einen Bus zu organisieren. „Wir müssten die Bewohner ja irgendwo anders unterbringen.“ Eine Turnhalle wäre wahrscheinlich die einzige Option für die erste Nacht. „Außerdem würden wir Dolmetscher organisieren. Aber da haben wir anerkannte Asylbewerber, die uns helfen.“ Damit ein echtes Feuer frühzeitig entdeckt wird und sich möglichst viele Menschen selbst retten können, sind die Brandschutzanforderungen an Asylbewerberunterkünfte hoch. „Und auch wenn es uns einigen Ärger einbringt, setzen wir das um, was der Brandschutz vorschreibt“, sagt Bigl. Die ehemalige Klinik wurde beispielsweise mit zusätzlichen Notausgängen ausgestattet und einer Brandmeldeanlage. Aktuelle Rettungspläne hängen aus.

Gut eine Stunde nach der Alarmierung heißt es am Freitag „Feuer aus“. Kurze Zeit später werden die letzten beiden Vermissten aus dem Haus gebracht.

Feuerwehrübung in Heilbrunner Leonardisklinik

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