Mit ihrer EP „Age of swans“ haben sie ein Gesamtkunstwerk erschaffen. Die Mitglieder der Band „Oakhands (v.li.) Felix Pöttinger, Max Mayr, Jussi Urbach, Niklas Benedum und Aaron Weber Foto: Quentin Strohmeier/kn

Im Porträt: Die Band Oakhands

„Wir machen das, was man nicht macht“

Bad Heilbrunn - Zwei Gitarristen aus Bad Heilbrunn hinterfragen mit ihrer Post-HardcoreBand „Oakhands“ das Schwarz-Weiß-Denken, ohne dabei politisch zu werden. Nun ist ein Label auf sie aufmerksam geworden.

„Wir passen in keine Schublade“: Bands, die das von sich behaupten, lassen sich meist eben doch ganz gut einem erweiterten Genre zuweisen: Punk-, Progressive- oder Surf-Rock? Country- oder Folk-Pop? Musikbegeisterte brauchen ein Vokabular, um diskutieren zu können – oder um überhaupt zu beschreiben, „was die denn so machen“.

Felix Pöttinger hätte allen Grund dazu, sich und seine vier Musikerkollegen von sämtlichen Kategorien freizusprechen. Doch der Gitarrist der „Oakhands“ nimmt klar Stellung: „Wir sind eine Post-Hardcore-Band.“ Abgehakt, drin in der Schublade. Szenekenner haben beim Wort Post-Hardcore sofort geschriene Refrains und drückende Gitarrensounds im Ohr.

Doch die Gitarren der Oakhands drücken kaum. Sie klingen warm und schweben dank dosiert eingesetzter Delay-Effekte. „Wir achten auf einen sauberen Grundsound“, sagt Pöttinger, der eine Telecaster und damit einen E-Gitarren-Klassiker spielt. Wie der zweite Gitarrist der Band, Max Mayr, kommt er ursprünglich aus Bad Heilbrunn. Mittlerweile wohnen die beiden wie der Rest der Gruppe im Münchner Raum.

Mayr und Pöttinger liefern die Grundstrukturen der Songs, an denen in der Bandprobe gefeilt wird. „Es bleibt nie bei der ersten Version“, sagt Pöttinger. Meist haben die fünf Männer Mitte 20 mehrere Schlagzeugspuren und sogar verschiedene Gesangsmelodien kreiert, bevor sie sich entscheiden, wie der Song klingen soll.

Diese Akribie ist zu hören auf der Debüt-EP der Oakhands, die den Titel „Age of swans“ trägt. Die fünf Songs werden von Rezensenten in den Szene-Portalen gefeiert. Nicht nur das: Mit Uncle M ist zuletzt ein Label auf die junge Band aufmerksam geworden, das unter anderem Anti-Flag, Boysetsfire und Lagwagon bei der Promotion unterstützt. Für die Oakhands übernimmt Uncle M die PR-Arbeit und den Online-Vertrieb. „Wir können uns jetzt ganz auf das Künstlerische konzentrieren. Aber es ist kein klassischer Plattenvertrag“, erklärt Pöttinger. Der Vertrieb einer CD lohne sich nicht mehr. Damit aber die Fans etwas in den Händen halten können, lässt die Band eine kleine Auflage pressen.

Gitarrist Pöttinger hat dank seiner Ex-Band „Moving City Lights“ Erfahrungen im Kontakt mit kleinen Labels. „Im Popbereich wollen viele einfach nur schnell Geld verdienen. Wir haben einen echten Partner gefunden. Liebhaber wie wir, die einfach Bock haben, die Musik zu pushen.“

Label-Unterstützung nur ein Jahr nach der Gründung, jede Menge Band-Erfahrung, positives Feedback auf die Musikvideos im Netz: Dennoch wissen die Oakhands, dass es verdammt schwierig ist, mit ihrer Kunst Geld zu verdienen. „Wenn wir das vorhätten, würden wir ja andere Musik machen“, sagt Pöttinger, mehr im Ernst als im Spaß. Er wolle mit seinen Kollegen „einfach gute Qualität abliefern. Wir haben auch schon fünf, sechs Songs weggeworfen“, sagt er. Nicht nur über den Klang – die warmen Gitarren, der präsente Gesang –, sondern auch über die Kompositionen wird bandintern viel diskutiert. „Wir bauen zum Beispiel gerne Taktwechsel ein, vom Vierviertel- in den Dreivierteltakt. Das macht’s spannend und anspruchsvoll.“

„Age of swans“ haben die Fünf größtenteils bei befreundeten Musikern in Tölz und München aufgenommen. Um das pink-blaue Design hat sich Grafik-Student Pöttinger selbst gekümmert. „Wir wollten ein hässliches Artwork. Nach dem Motto: ,Wir machen das, was man nicht macht‘. Es ist gut, wenn es polarisiert“, sagt er.

Eine Provokation also? Nur ein wenig. Was ist eigentlich schön? Was ist hässlich? Und wer definiert das eigentlich? Das fragen die Oakhands die Zuhörer und Betrachter. „Die Dualität der Gegensätze“, nennen sie es. „Das Leben ist eben nicht immer schwarz oder weiß“, sagt Pöttinger, der für das Design eine eigene Computerschrift erfunden hat.

„Age of swans“ ist ein Gesamtkunstwerk. Hinter allem steht ein Konzept, das sich inhaltlich vor allem mit Selbstzweifeln und Lebensentscheidungen beschäftigt. Visualisiert wird dieser „Kampf zwischen zwei Fronten“ (Pöttinger) in einem 15-Minuten-Film, der auf die Oakhands-Lieder abgestimmt ist. Regisseur ist Schlagzeuger und Filmstudent Jussi Urbach. Inspiriert ist der Film von der brasilianischen Campoeira-Kampfkunst. Leiden, kämpfen, fallen, wieder aufstehen: Emotionalen Wendungen, die die Oakhands mit ihren ständigen Lautstärkewechseln und instrumentalen Brüchen fühlbar machen.

Reinhören

Die EP „Age of Swans“ kann man bei Amazon, iTunes, Spotify und Deezer anhören und herunterladen. Den Film zur EP gibt es bei YouTube.

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