Macht sich heuer rar: Der schmackhafte Hexenröhrling.

Pilz-Saison neigt sich dem Ende zu

Schwammerlsuche über „Waldweitem Netz“

Bad Tölz-Wolfratshausen - Herbstzeit ist Pilzzeit. Noch kann man im Wald und in den saftigen Moorpolstern Schwammerl stehen sehen. Doch die Saison ist bald zu Ende.

Wer jetzt noch Schwammerl suchen will, ist fast schon zu spät dran. „Im Moment schaut es eher schlecht aus mit dem Sammeln“, sagt Pilz-Coach Annett Ender von der Kräuter- und Kreativwerkstatt Bad Heilbrunn. „Das Wachstum der Pilze hat dieses Jahr sehr früh angefangen.“ Dies bestätigt auch Edmund Garnweidner, der von 1976 bis 2003 Vorsitzender des Vereins für Pilzkunde München war und schon öfter Pilzwanderungen im Auftrag der Kochler Tourist-Info angeboten hat. „Im Juli und in der ersten Augusthälfte sind einige Pilzarten gewachsen, doch durch die Hitzewelle im August und die vielen sonnigen und warmen Tagen im September sind nur noch wenige nachgekommen“, so Garnweidner.

Denn Pilze bevorzugen für die Fortpflanzung einen gleichmäßig durchfeuchteten Boden. Der Steinpilz etwa ist zwar im Juli noch gewachsen,mittlerweile aber nicht mehr zu finden. „Die Hexenröhrlinge hingegen gab es dieses Jahr so gut wie gar nicht, während man im vorigen Jahr noch körbeweise von ihrer Art gefunden hat“, informiert Ender. Auch bei den Pfifferlingen sei überregional ein Rückgang spürbar. Grund: Pfifferlinge sind empfindlich und reagieren auf Umweltbelastung. „Je mehr Landwirtschaft in der Umgebung vorhanden ist, desto schlechter für den Pilz“, so die Expertin. Täublinge, von denen rund 200 genießbare sowie ungenießbare Arten existieren, sind dagegen noch zu finden. Auch der Schopf-Tintling steht noch am Wegesrand. Doch Sammler sollten sich hier beeilen, denn der fünf bis zehn Zentimeter hohe Pilz kann, wenn er in der Früh zu sprießen anfängt, abends schon nicht mehr gut sein. „Wenn der Schopf-Tintling nicht mehr weiß gefärbt und somit essbar ist, dann zerfließt er zu einer tintenartigen Flüssigkeit“, erklärt Ender.

„Pilze lassen sich drei Kategorien zuordnen“, so Garnweidner. Die erste Art seien Pilze, welche totes Pflanzenmaterial zersetzen. Die zweite sind Parasiten-Pilze, welche Organismen angreifen und töten. Und zuletzt gibt es noch Pilzgeflechte, die eine Lebensgemeinschaft mit einem Baumpartner eingehen. Zu dieser Kategorie gehören auch die Speisepilze. „Der Pilz ermöglicht dem Baum durch die Verbindung eine zehnfache Aufnahme von Wasser und Nährstoffen“, erklärt der Mykologe. Im Gegenzug erhält der Pilz von den Bäumen den während der Fotosynthese produzierten Zucker.

Wer schon öfters Wildpilze gesammelt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass sie an manchen Stellen vermehrt wachsen. Ursache ist der sogenannte „Parkplatzeffekt“. Annett Ender erklärt das so: „Wenn man nach einer Suche im Wald nicht fündig geworden ist und folglich langsam wieder Richtung Auto wandert, dann befinden sich am Parkplatzrand oft Pilze.“ Grund hierfür seien die Vorgänge, die sich im Verborgenen unter der Erde abspielen. Der Schwammerl sei ein vergleichsweise kleiner, unbedeutender Teil des eigentlichen „Pilzkörpers“. Im Erdboden bilden kleine Pilzfäden ein dichtes Geflecht, das „Myzel“ genannt wird. Dieses Myzel sei der eigentliche Pilz. Treffe der Pilzorganismus, wie oft am Parkplatzrand, auf steinigen Boden, könne sich der Pilz unterirdisch nicht mehr weiter vermehren. Zum Zwecke der Fortpflanzung lasse das Myzel nun zeitweise die oberirdischen Fruchtkörper ausbilden. Kurz gefasst, wachsen Pilze an den Stellen vermehrt, wo sich plötzlich die Bodenbeschaffenheit ändert und somit die Weiterverbreitung des Myzels gestoppt wird. Deshalb könne man das unterirdische Pilzgeflecht auch als „Wood Wide Web“ bezeichnen – als „waldweites Netz“. Das Myzel vernetze den Wald und könne sich über weite Flächen ausbreiten.

Wichtig bei der Pilzsuche ist, dass man sich auskennt. „Wenn man sich nicht zu 100 Prozent sicher ist, um welchen Pilz es sich handelt, dann sollte man ihn lieber stehen lassen“, warnt Annett Ender. „Denn einige Pilze haben einen giftigen Zwilling.“

Tatjana Kintscher

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