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Berge und Burgen: Beim Abspann zu „König Laurin“ hat sich Thomas Müller an Elementen aus dem Film orientiert. „Man kann den Film weitererzählen – auf einer abstrakten Ebene“, sagt er.

Kino-Kunstform

Abspann-end

Bad Tölz - Der Tölzer Thomas Müller ist Titeldesigner fürs Kino. Sein künstlerischer Abspann schmückt den aktuellen Familienfilm „König Laurin“. Der 30-Jährige gibt zu: „Im letzten James Bond war ich nur wegen des Vorspanns.“

Der eine räkelt sich im Sessel und greift zum letzten Schluck Cola, der andere wiederholt die besten Pointen, der nächste erklärt im Rausgehen den Weg zur Kneipe: Das passiert im Kino, wenn auf der Leinwand der Abspann beginnt. Thomas Müller bleibt dann sitzen – und schaut besonders genau hin. „Der Abspann ist der würdige Abschluss. Er muss die Gefühlsebene des Films treffen und ihn abrunden.“ Müller kann sich abendfüllend über Abspänne unterhalten – und über Vorspänne. Für den 30-jährigen Tölzer sind sie Berufung und Beruf: Er ist Titeldesigner.

Schon Alfred Hitchcock übte diesen Job zu Beginn seiner Karriere aus, in der Stummfilm-Ära natürlich unter anderen Voraussetzungen. Heute, in goldenen Zeiten amerikanischer Serien wie „House of Cards“ oder „True Detective“, sind Vor- und Abspänne eine eigene Kunstform ohne kreative Grenzen. James Bond-Fans wissen den Wiedererkennungswert des 007-Vorspanns seit Jahrzehnten zu schätzen.

Für Thomas Müller sind Titel- und Schlusssequenz die Klammern, die einen Film zusammenhalten. Zuletzt hat er sie für das Familienabenteuer „König Laurin“ kreiert – die Geschichte eines jungen Thronfolgers, der durch die Begegnung mit einem Zwergenkönig eine neue Welt kennenlernt. Bei der Deutschland-Premiere des in Südtirol gedrehten Films wurde er neben den Schauspielern auf die Bühne gerufen. „Es ist schon stark, wenn du dein eigenes Werk auf der Leinwand im Münchner Mathäser-Kino siehst“, sagt der Tölzer.

Thomas Müller: Der Titeldesigner aus Tölz arbeitet bei einer Münchner Filmproduktion.

Müllers Werk besteht aus wachsenden Pflanzen, wehenden Fahnen, Höhlen, Bergen und Burgen – grafisch eingebettet in geometrische Formen. Dass Blumen und Blätter im Abspann sprießen, ist kein Zufall. In „König Laurin“ wurden die naturverbundenen Zwerge verbannt. Die Folge: Nichts gedeiht mehr, die Umwelt verrottet. „Man kann ein mögliches Ende andeuten, oder den Film weitererzählen. Nur eben auf einer abstrakten Ebene“, sagt Abspann-Profi Müller. Was sagt so einer zum Klassiker? Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund? „Ist auch okay, wenn es zum Film passt.“

Nach dem nun fünften Filmengagement findet er mehr und mehr seinen eigenen Stil. „Ich sehe mich als Künstler und möchte die Malerei mit dem Grafischen verbinden.“ Der 30-Jährige geht gerne von selbstgeschaffenen Aquarellen aus, er mag es handgemacht. Leben kann er vom reinen Titeldesign nicht. In Deutschland gebe es einige wenige Koryphäen, Filmfirmen würden häufig auf die gleichen Köpfe zurückgreifen, sagt Müller. Doch sein Kontaktnetzwerk wächst langsam. „Es läuft viel über Mundpropaganda. Ich hoffe, dass mir Laurin ein paar Türen öffnet.“

Nachdem er Interaktive Medien in Ausburg studiert hatte, heuerte Müller als Motion Designer und Young Art Director bei einer Münchner Filmproduktion an, die den Imagefilm für den „Obststandl-Didi“ gedreht hat. In seinem Arbeitsalltag bastelt er an Erklärvideos, Animationen und Präsentationskonzepten. In der Freizeit geht Müller gerne ins Kino. Auch wenn er schon vorher weiß, dass ihm der Film nicht gefällt: „Im letzten James Bond war ich eigentlich nur wegen des Vorspanns.“

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