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„Es gibt keine Entspannung“

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Symbolbild

Bad Tölz - Das Landratsamt muss noch heuer die Anzahl der Mitarbeiter in diesem Bereich verdoppeln – Tendenz steigend.

Das Thema Asyl wird für den Landkreis immer mehr zur Belastungsprobe. Landrat Josef Niedermaier nutzte gestern die Sitzung des Kreisausschusses, um über den aktuellen Sachstand zu informieren. Eine der Konsequenzen aus den steigenden Zahlen: Der Kreis wird 16 weitere Sachbearbeiter einstellen müssen – mehr als eine Verdopplung des aktuellen Mitarbeiterstands.

Darüber informierte Personalchef Jürgen Huber ganz am Ende der öffentlichen Sitzung. Man rechne intern mit einem Betreuungsschlüssel von 1:70. Das heißt: Ein Mitarbeiter ist für 70 Flüchtlinge zuständig. 13,75 Sachbearbeiter gibt es momentan für das Thema Asyl. Eine weitere Kraft sieht der Stellenplan für heuer noch vor. Momentan wäre das ausreichend. Der Landkreis geht aber davon aus, dass sich bis Jahresende die Zahl der Asylbewerber auf 2000 verdoppelt haben wird, was bedeutet, dass man um weitere Kräfte nicht herumkommen wird. Mit 40 000 bis 50 000 Euro pro Jahr pro Stelle muss der Kreis rechnen, wenn er sie denn besetzt bekommt. Bewerber sind rar, fast alle Kommunen suchen händeringend. Übrigens zum Vergleich: Vor Beginn der aktuellen Flüchtlingskrise gab es am Landratsamt nicht einmal eine halbe Stelle für das Thema Asyl.

Ein Ende des Zustroms ist nicht in Sicht. „Die Kurve flacht sich nicht ab, es gibt keine Entspannung“, sagte Sozialamtsleiter Thomas Bigl. Das eigene Handeln werde „immer kurzatmiger“. „Die Leute sind am Limit“, ergänzte Niedermaier.

Wie viele Mitarbeiter für das Thema Asyl im nächsten Jahr noch dazukommen müssen, ist völlig offen. „Wenn sich die Zahlen allerdings so weiterentwickeln, haben wir irgendwann keinen Platz mehr für die Leute, die wir einstellen müssen“, sagte Niedermaier. Die könnte man dann ja in Containern unterbringen, murmelte Martin Bachhuber (CSU). „Das ist kein Witz“, antwortete der Landrat. Man mache sich bereits Gedanken über Bürocontainer. „Und auf die Frage, wann das alles endet, kann ich nur ehrlich antworten: Ich weiß es nicht“, bekannte Niedermaier.

Und weil es eben keine Antwort auf diese Frage gibt, sieht Michael Müller (CSU) die Stimmung in der Bevölkerung kippen. „Das sind nicht alles Rechtsradikale. Viele fragen sich einfach, wo das hingehen soll.“ Und bei aller Freude über die Willkommenskultur am Münchner Hauptbahnhof „mit Teddybären und Brezen, sollten wir uns vielleicht auf politischer Ebene eine Strategie überlegen, damit die Stimmung nicht noch weiterkippt“. Bachhuber gab ihm Recht: „Ich bin neulich im Einkaufszentrum so wüst beschimpft worden, dass gleich die Leute stehen geblieben sind. Die Frau hat gesagt, dass sie künftig nur noch rechts wählt.“ Die Menschen hätten einfach Angst – beispielsweise vor Überfremdung.

Mit sachlicher Argumentation komme man oft am weitesten, sagte Niedermaier. Deshalb dankte Klaus Koch (Grüne) ausdrücklich den Mitarbeitern des Landratsamtes, die bei den Infoveranstaltungen in den Gemeinden Rede und Antwort stehen. „Das kommt wahnsinnig gut an, wie Sie auftreten.“

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