Pläne der Stadtwerke 

Biomasse soll Badeteil erwärmen

Bad Tölz: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die Tölzer Stadtwerke denken nach wie vor über ein Hackschnitzelkraftwerk an der Benediktbeurer Straße nach. Es soll das Badeteil mit regenerativer Energie versorgen. Auch andere Standorte werden geprüft.

Ein Vorbescheidsantrag für das Biomasse-Heizwerk war jüngst noch vor der Sitzung des Bauausschusses zurückgezogen worden. In einem Leserbrief beklagte Wilhelm Wesselmann aus Tölz daraufhin die „Verschandelung des Kurgebiets“ und warnte vor zusätzlichen Feinstaub- und Abgasbelastung.

„Besser ist doch ein Kamin als 100“, erwidert Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Huber und geht sogar von einer deutlichen Verbesserung der Luftwerte aus. Abgesehen davon, dass das Hackschnitzelwerk modernste Grob- und Feinstaubfilter haben werde. Man erreiche 35 Grad Abgastemperatur. „Da sieht man nicht mal eine Wolke.“ Auch im Lettenholz gebe es keinerlei Beschwerden.

Zum Thema Verschandelung meint er: Sauberer Strom und warmes Wasser „kommen halt nicht bloß aus der Steckdose und der Leitung. Sie müssen irgendwo auch erzeugt werden.“

Was also ist der Plan? Zwischen Rosenhof und Kogel gibt es eine unbebaute Dreiecksfläche, die zu einem rund 8000 bis 9000 Quadratmeter großen Areal in städtischem Besitz gehört. Auf rund 3500 Quadratmeter Baufläche soll ein 15 Meter breites und 10 Meter tiefes und etwa 14 Meter hohes Heizkraftwerk mit zwei Kesseln errichtet werden. Hinzu kommen Lagerflächen für die Hackschnitzel, Rampen und Holzbunker. Die Leistung des Werks beträgt etwa sechs Megawatt und soll möglichst viele Häuser im Badeteil versorgen. Auch das Natura Spa sowie die neuen Hotels an der Arzbacher Straße sollen angebunden werden. Das Werk soll zu 90 Prozent mit Hackschnitzeln aus heimischen Wäldern arbeiten. Die Leistung ist etwas größer als die des Werks im Lettenholz.

Das Gebäude würde in den Hang hineingebaut, womit von zwei Seiten der Schallschutz gegeben wäre. Es wäre vollständig mit Holz verkleidet, sagt Huber. Die Sichtachse zum Kogel-Wald oberhalb bliebe erhalten. Für Huber ist es ein wichtiges Argument, dass die Stadt sich aktiv an der Energiewende beteiligen will. Das angedachte Hackschnitzelwerk würde einen Primärenergiefaktor von 0,3 erreichen, das heißt es ist in seiner Energiebilanz deutlich umweltschonender und effizienter als Gas. Tölz könnte, so Hubers Vision, rechnerisch als „100 Prozent klimaneutraler Kurort“ für sich werben. „In Österrreich machen die das längst. Das ist ein Wettbewerbsvorteil.“ Für angeschlossene Hotels könne sich das positiv in der Sterne-Bewertung niederschlagen.

Drei von vier Nachbarn würden das Projekt unterstützen, sagt der Stadtwerke-Chef. Die Signale von den Kliniken seien positiv. In der jüngsten Sitzung des Tölzer Bauausschusses war der Vorbescheidsantrag zurückgezogen worden. Es habe noch Diskussionsbedarf gegeben, hieß es dazu aus dem Rathaus. Bevor man nun erneut in den Bauausschuss geht, wollen die Stadtwerke noch mindestens drei weitere Alternativ-Standorte auf Tölzer Flur mit Vor- und Nachteilen untersuchen. Dann erst will man die Pläne zur Diskussion vorlegen.

Huber glaubt indes fest an den Bauplatz Benediktbeurer Straße. Auch die Bürger könnten ihre Bedenken noch geltend machen. Die Öffentlichkeit wird im Bebauungsplan Stellung beziehen können.

Christoph Schnitzer

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