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Im Kessel entsteht die Eigenkreation: Brauerin Johanna Glas zeigt das sogenannte Aufhacken im Läuterbottich.

Brauerin im Mühlfeldbräu

Hopfen und Malz, Johanna erhalt’s

Bad Tölz – Bei ihr ist Hopfen und Malz nicht verloren, sondern in guten Händen: Johanna Glas hat im Tölzer Mühlfeldbräu das Brauer-Handwerk gelernt. Nach ihrer Ausbildung möchte sich die 20-Jährige selbstständig machen.

Dampfend steigt der Malzduft hinauf und verbreitet sich im Sudhaus, unter dem glänzenden Kessel sammelt sich der Gerstensaft. In den Gemäuern des Tölzer Mühlfeldbräu entsteht ein neues, ein besonderes Bier.

Noch interessanter als das Getränk, das hier das Licht der Welt erblickt, ist jedoch die Person, die es braut: Johanna Glas, 20 Jahre alt, führt bei dieser Produktion Regie. Das Bier, eine Eigenkreation, ist ihr Gesellenstück. Mit routinierten Bewegungen führt sie die notwendigen Arbeitsschritte aus und passt dabei so gar nicht in das gängige Klischee eines Brauers, kräftig, stämmig, rund wie ein Sudkessel. Johanna Glas ist mit ihrer schlanken, beinahe grazilen Figur das genaue Gegenteil. Doch wer sie hier in der Brauerei arbeiten sieht, räumt schnell mit überholten Vorstellungen auf.

Ihr geht es vor allem um eines, das Bier. Schon als Schülerin bekam sie in ihrem Heimatort Kolbermoor den Spitznamen „Weißbierkönigin“ verpasst, nicht aber wegen übermäßigen Bierkonsums: „Ich bin keine Maßkrugtrinkerin, mir ging und geht es um den Genuss. Schon früh habe ich angefangen, verschiedene Sorten auszuprobieren, wollte herausfinden, welche Brauerei welches Bier besonders gut braut.“

Nach dem bestandenen Abitur kam für die junge Frau kein Studium in Frage. „Ich wollte etwas im Handwerk machen, etwas wo man anpacken kann und das Ergebnis der Arbeit auch in Händen halten kann.“ Doch der Beruf ihres Vaters, Spengler, sagte ihr nicht zu. „Dann sagten mir meine Freunde, dass doch eine Brauerlehre genau das Richtige für mich wäre.“ Tatsächlich brauchte es nur einen Tag, den ersten eines Praktikums bei einer Brauerei in ihrem Heimatlandkreis, um sie zu überzeugen: „Da habe ich gewusst, das ist es, das will ich machen.“

Nach dem Ende des Praktikums fand sie zunächst keine Brauerei für eine Ausbildung. Doch dann erfuhr sie, dass das Tölzer Mühlfeldbräu eine Lehrstelle zu vergeben hatte. Glas zögerte nicht und setzte sich gegen ihre Mitbewerber durch. Dass die Kolbermoorerin nach Tölz gegangen ist, hat sie nie bereut. „Hier, in so einer kleinen Brauerei, kannst du alles perfekt erlernen, du darfst und musst jeden Schritt selber machen.“

Dass Frauen in der Brauerausbildung selten sind, ist kein Geheimnis. Die meiste Zeit saß die junge Frau als einzige Schülerin in der Berufsschulklasse. Trotzdem stellt sie ihr Geschlecht nicht in den Vordergrund, ihr geht es um das Produkt und nicht darum, ob ein Brauer oder eine Brauerin es herstellt. Jede Selbstdarstellung liegt ihr fern, wobei auch sie zugeben muss: „Natürlich prägt das schon das Image des Produkts mit.“

Nun zieht es sie wieder in die Heimat. In Kolbermoor will sich die junge Brauerin selbstständig machen, ihrem breiten Bekanntenkreis eine lokale Brauspezialität präsentieren. „Das ist dann aber kein Craft-Beer, da ist der Markt schon abgedeckt. Ich will ganz traditionelle Sorten brauen, die hier in der Region trotzdem selten hergestellt werden.“ Dieses Ziel hat sie schon bei ihrem Lehrlingsbier erfüllt. Ein Schwarzbier ist es geworden. „Als mein Vater den ersten Schluck getrunken hat und dann lächelte, das war der schönste Moment.“

Doch ihr geht es nicht nur um das Getränk und das ganze Drumherum, sondern die Kultur des Bieres liegt ihr am Herzen. Und so will die Kolbermoorerin gerade ihren Geschlechtsgenossinnen den Gerstensaft näherbringen: „Viele Frauen bestellen ganz automatisch einen Spritz, fast schon aus Gruppenzwang. Sie kennen sich mit verschiedenen Biersorten einfach nicht gut genug aus, haben das Getränk deshalb noch nicht für sich entdeckt.“ Johanna Glas will das ändern, mit Frauen-Stammtischen beispielsweise.

Pläne und Ideen sind mehr als genug vorhanden. Gut möglich also, dass sie mit ihrem erstem Bier „made in Bad Tölz“ eine lange Brau-Karriere beginnt.

Markus Henseler

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