Casting

Bühne frei für die „Mini-Bullen“ von Tölz

Bad Tölz - Wer wird der "Mini-Bulle" von Tölz? Am Sonntag gab's in der Kurstadt ein Casting für einen geplanten Kinofilm - und Dutzende Buben kamen.

 „Du kannst mich mal“, brüllt Christoph Becker und verlässt wutentbrannt die Bühne. Rudi Gall schaut dem 13-jährigen Eurasburger fassungslos hinterher. Einen Moment lang ist es so still im Kleinen Kursaal, dass man die Scheinwerfer summen hört – dann grinst Gall und applaudiert. Auch die Jury klatscht. Sie hat an diesem Sonntagnachmittag die schwierige Aufgabe, einen Buben zu finden, der in dem geplanten „Bulle von Tölz“-Kinofilm den Sohn von Ottfried Fischer alias Benno Berghammer spielen könnte.

Das prominenteste Jury-Mitglied saß zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit am Tisch: Schauspielerin Katerina Jacob („Sabrina Lorenz“), hatte sich etwas verspätet. Doch auch Jacob hätte die Einschätzung ihrer Kollegen sicher geteilt: Christoph ist aufgeweckt und nicht auf den Mund gefallen. Ein potenzieller „Mini-Bulle“ also.

Ob es am Ende für Christoph gereicht hat, stand bis zum Redaktionsschluss gestern nicht fest. Denn das offene Casting fand zwar bereits am Sonntag statt. „Wir wollten aber gerne noch eine Nacht darüber schlafen, ehe wir uns endgültig entscheiden“, sagt Jury-Mitglied Markus Kleinhans von der Tölzer Produktionsfirma „Mekk-Movie“.

Drei Buben haben Kleinhans und die anderen Juroren in die engere Auswahl genommen. Einer sei ein richtiger Ottfried-Fischer-Typ, ein anderer passe nicht so ganz ins Beuteschema. Doch die Optik stand für die Initiatoren ohnehin nie im Vordergrund: „Wir brauchen vor allem einen Buben, der wirklich spontan ist“, betont Kleinhans. „Denn mit Otti zu drehen heißt immer, spontan sein zu müssen.“

Insgesamt hatten sich 57 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 14 Jahren um die Rolle der Figur beworben, die vorläufig Timo heißt. Nur 19 von ihnen schafften es allerdings durch das Vor-Casting, das im „Bullen-Büro“ von Nessy Karolinger an der Herderstraße stattfand. Dort hatte die Travestie-Künstlerin zur Begrüßung der Nachwuchs-Schauspieler schon mal den Roten Teppich ausgerollt und eine lebensgroße Oscar-Statue aufgestellt.

Von dieser Symbolik ließ sich Fabio Stroe (12) aber nicht beeindrucken: „Wenn ich genommen werde, ist das gut, wenn nicht, dann nicht“, sagt der Geretsrieder. Die Rolle wäre ihm seiner Meinung nach aber regelrecht auf den Leib geschrieben: „Timo passt zu mir, weil er auch nicht auf seine Mutter hört und eine große Klappe hat“, witzelt Fabio und Mama Camelia nickt zustimmend.

Unter den Bewerbern waren sogar zwei Mädchen, von denen es eine ins Haupt-Casting geschafft hat. Unterm Strich habe es dann aber doch nicht ganz gepasst, sagt der Tölzer Filmemacher Kleinhans, der zusammen mit Andreas Jordan durch die beiden Regional-Krimis „Tödliche Verbindungen“ und „Pension Freiheit“ bekannt geworden ist. Theoretisch wäre ein Mädchen aber für die Rolle in Frage gekommen: „Es ist ja noch nichts in Stein gemeißelt“, betont Kleinhans.

Noch steht schließlich nicht einmal fest, wer das Drehbuch schreibt. Und auch ein Investor muss noch gefunden werden, der die Finanzierung des Kinofilms übernimmt. Deshalb werden Kleinhans und seine Mitstreiter zunächst einen kleinen Teaser drehen und damit auf Investorensuche gehen, sobald der Gewinner des Castings feststeht. Große Diskussionen dürfte es gestern Abend aber nicht mehr gegeben haben: „Wir waren uns schon relativ einig.“ Läuft alles nach Plan, könnten die Dreharbeiten bereits im nächsten Frühsommer beginnen.

Stimmen Drehbuch und Finanzierung, wollen auch Ottfried Fischer und Katerina Jacob ein letztes Mal in ihre Paraderollen schlüpfen und dem „Bullen von Tölz“ so einen würdigen Abschluss verschaffen. Denn die Kultserie endete nach 69 Folgen abrupt mit dem Tod von Ruth Drexel, die als Mutter von Benno Berghammer maßgeblich zum großen Erfolg der Serie beigetragen hatte.

Ein Teil der Handlung eines möglichen Kinofilms lässt sich bereits erahnen, wenn man die Rollenbeschreibung liest: Timo (11) ist bei seiner Mutter, der Kriminalhauptkommissarin Sabrina Lorenz, in Berlin aufgewachsen. Als die Mutter mit ihrem Filius zurück ins beschauliche Bayern ziehen möchte, stößt dieser Plan auf wenig Gegenliebe bei dem Teenager. Aber Timo findet schnell in Benno Berghammer einen Verbündeten, auch wenn keiner der beiden ahnt, dass sie Vater und Sohn sind. . .

Um zu zeigen, was sie auf dem Kasten haben, mussten die Bewerber beim Casting zwei kleine Szenen nachspielen, die genau diese Handlung aufgriffen. Unterstützung dabei bekamen sie von Profi-Schauspieler Rudi Gall, der vor allem versuchte, den Buben die Aufregung zu nehmen. Auch Katerina Jacob ließ es sich nicht nehmen, selbst auf die Bühne zu steigen und mit den Bewerbern zu spielen. „Das hat ihr unwahrscheinlich Spaß gemacht“, freut sich Kleinhans. „Man hat gemerkt, dass ihr das Projekt richtig am Herzen liegt.“

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