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Christof Prechtl vom Verband der bayerischen Wirtschaft (vbw). 

Fachkräftemangel: „Denkweise muss sich ändern“

Bad Tölz – Wie kann dem Fachkräftemangel begegnet werden? Zu dieser Frage gab der Bildungsreferent der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), Christof Prechtl, auf Einladung der Tölzer CSU Antworten.

Rund 20 Interessierte hatten sich im Vortragssaal der Firma Rollo Solar im Tölzer Farchet eingefunden. Eingeladen hatten Gerhard Knill, Vorsitzender der Mittelstandsunion, und Christof Botzenhart, Sprecher des Arbeitskreises Schule, Bildung, Sport (AKS) des CSU-Kreisverbands.

Die Zahlen lieferte Prechtl gleich zu Beginn: 10 000 bis 15 000 Ausbildungsplätze blieben in Bayern jedes Jahr unbesetzt. Damit betreffe der Fachkräftemangel längst nicht mehr nur den Hotel- und Gaststättenbereich oder die Pflege, sondern auch Versicherungen und Banken. „Bekannte Betriebe wie BMW und Siemens haben kein Problem mit Ausbildungskräften, unbekannte Unternehmen dagegen sehr wohl“, erklärte er.

Damit sich die Situation bessert, müssten viele herkömmliche Denkmuster verändert werden. Prechtl sparte nicht an deutlichen Worten. Aufgrund der demografischen Entwicklung müssten ältere Menschen mit ihrer Erfahrung länger in Beschäftigung gehalten werden. „Das Renten-Niveau wird nicht so hoch bleiben, das wissen wir alle“, sagte Prechtl. Frauen müssten für gut bezahlte „Männerberufe“ in der Metall- und Elektroindustrie oder im Ingenieurswesen gewonnen werden. „Die Bezahlung von Frauen und Männern ist auch deshalb unterschiedlich, weil sie unterschiedliche Berufe auswählen“, sagte Prechtl.

Die verschiedenen Bildungswege dürften nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden, weil die Realitäten andere seien als noch vor Jahrzehnten. Ein Akademiker verdiene heute nicht automatisch mehr als ein Facharbeiter, und eine Berufsausbildung sei nicht weniger wert als eine akademische Laufbahn. „Das muss man den jungen Leuten offen sagen“, erklärte er. „Wir brauchen eine saubere Berufs- und Studienorientierung.“

Aber auch oder gerade um die, die ihre Ausbildung abbrechen, müsste man sich mehr kümmern, forderte Prechtl. Das sei eine gemeinschaftliche Aufgabe, in die die Eltern ebenso eingebunden werden müssten. Wenn ein eingeschlagener Weg abgebrochen werde, „dann hilft kein Niederlagen-Denken“. Stattdessen müsse an den nächsten Schritt gedacht werden, denn Bildung sei ein mehrgleisiger Weg. „Es gibt immer Optionen. Man muss sie nur ergreifen.“  bib

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