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Weiterhin eine Geburtshilfe-Abteilung in Bad Tölz: Das wünschen sich inzwischen längst nicht mehr nur Mütter und Hebammen.

Online-Petition gestartet

Mögliches Ende der Geburtshilfe in Tölz:„Eine Katastrophe für den Landkreis“

Bad Tölz - Gibt es bald keine waschechten Tölzer mehr?  Mütter, Hebammen und auch Politiker schlagen Alarm. Auch, weil die umliegenden Kliniken im Fall der Schließung der Geburtshilfe in Bad Tölz schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen könnten.

Es ist der Albtraum jeder werdenden Mutter: Die Wehen haben eingesetzt, man fährt ins Krankenhaus, um Hilfe und Beistand zu bekommen – und wird abgewiesen. Hebamme Monika Döring ist überzeugt: Wenn die Geburtshilfe-Abteilung in Bad Tölz Mitte 2017 wirklich schließen muss, könnte dieses Schreckens-Szenario für die Frauen im Landkreis schon bald Wirklichkeit werden. Denn: Wenn die umliegenden Kliniken zusätzlich zu ihrem eigenen Pensum auch noch die jährlich rund 500 Tölzer Geburten stemmen müssen, stoßen diese Krankenhäuser nach Meinung der Hebamme schnell an ihre Kapazitätsgrenzen.

In München ist das Unvorstellbare bereits Realität. Immer öfter hat die gebürtige Benediktbeurerin bei ihrer Arbeit im Krankenhaus Agatharied mit Frauen zu tun, die zuvor in der Landeshauptstadt an bis zu drei verschiedenen Kliniken abgewiesen wurden – wegen Überlastung. In ihrer Not fahren sie zur Entbindung dann eben zum Beispiel nach Hausham. „Im Landkreis könnte es irgendwann ähnlich ablaufen, wenn die Abteilung wirklich schließt.“

Bei Facebook hat sich Döring deshalb mit einem eindringlichen Appell an Landrat Josef Niedermaier gewandt und fordert den Kommunalpolitiker dazu auf, der Tölzer Geburtshilfe unter die Arme zu greifen. „Wie kann es sein, dass die Politik tatenlos zusieht, wie eine der besten Geburtshilfe-Abteilungen in der Gegend die Pforten schließt“, fragt sie.

Diesen Vorwurf lässt Niedermaier nicht gelten. „Wir tun alles dafür, um die Geburtshilfe langfristig im Landkreis zu halten“, sagt der Landrat. ,„Wir Lokalpolitiker können die Ärzte aber nicht herbeizaubern.“ Schließlich fehle es in ganz Deutschland an Medizinern, die noch Geburtshilfe machen wollen. Und die wenigen Fachkräfte auf dem Markt mit finanziellen Anreizen nach Tölz zu locken, wie es häufig gefordert wird, sei seit Änderung des Antikorruptionsgesetzes Anfang Juni eigentlich nicht mehr zulässig. „Das gilt dann als Bestechung.“

Hebamme Döring hat aber ohnehin einen ganz anderen Verdacht, warum es nicht möglich sein soll, die Geburtshilfe in Tölz zu erhalten. Ihr zufolge rechnet sich eine solche Abteilung für die Krankenhäuser nämlich erst ab etwa 600 Geburten im Jahr. Zum Vergleich: In Tölz waren es im vergangenen Jahr 549 Geburten. „Da stellt sich mir schon die Frage, ob es nicht am Finanziellen liegt.“ Schließlich sei jedes Krankenhaus unterm Strich auch ein Wirtschaftsunternehmen. Und ob es Asklepios mit Hauptsitz in Hamburg wirklich kümmere, was aus einer kleinen Geburtshilfe-Abteilung im fernen Bayern werde – Döring bezweifelt es.

Davon abgesehen ist es laut dem Tölzer Bürgermeister Josef Janker sogar der Wille der großen Politik, kleine Krankenhäuser durch große, zentrale Versorgungszentren zu ersetzen. „Und das unter dem Deckmantel der Qualitätssicherheit“, erzürnt sich der Rathaus-Chef. „Das sind dramatische Entwicklungen, und mir blutet das Herz, dass es bald keine gebürtigen Tölzer mehr geben könnte.“

Soweit will Dina Born noch gar nicht denken. Die Hebamme arbeitet seit vielen Jahren im Tölzer Krankenhaus und sagt namens der Kolleginnen: „Wir sind unendlich traurig, dass es sein kann, dass die Abteilung schließen muss.“ Ehe sich die Hebammen zu ihrer eigenen Zukunft äußern, wollen sie erst einmal abwarten, was tatsächlich passiert. Für Born aber steht schon jetzt fest: „Das Aus wäre eine Katastrophe für den Landkreis und die Frauen hier.“

Das sieht Agnes Müller aus Lenggries genauso. Nach drei Kindern hat die 30-Jährige zwar mit der Familienplanung abgeschlossen, sorgt sich aber um ihre Schwester und ihre Freundinnen, die dann schlimmstenfalls nicht mehr die Möglichkeit hätten, „selbstbestimmt zu entbinden“. Denn gerade in größeren Häusern werde aus Zeit-, Raum- oder Personalnot allzu schnell ein Kaiserschnitt vorgenommen, statt der Natur ihren Lauf zu lassen. Ganz anders in Tölz: „Die Hebammen sind wunderbar und gehen auf die individuellen Wünsche der Frau ein.“

Die Vorstellung, dass die werdenden Mütter künftig mit der Angst nach Starnberg, Garmisch-Partenkirchen, Wolfratshausen oder Agatharied fahren müssen, es nicht mehr rechtzeitig bis zur Geburt in den Kreißsaal zu schaffen oder in einen Stau zu geraten, findet Müller schrecklich. „Da ist ja auch ein großes Risiko mit dabei.“

Mit ihrer Meinung steht Müller nicht alleine da: Am Wochenende haben Betroffene die Facebook-Gruppe „Rettet die Geburtshilfe Bad Tölz“ sowie eine Online-Petition gestartet. Bis Redaktionsschluss hatten sich 1175 Unterstützer eingetragen.

Aktion im Internet: www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-geburtshilfe-in-bad-toelz

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