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Einfach ein Genuss: Fast sechs Minuten dauerte der Schlussapplaus für den Dirigenten, den aus 80 Sängern bestehenden Chor, die Solisten und das Orchester. 

Elias-Oratorium: Einfach ein Genuss

Bad Tölz - Die Aufführung des Elias-Oratoriums in der Tölzer Stadtpfarrkirche war ein triumphaler Erfolg.

Er ist einer der größten deutschen Komponisten. Doch man musste lange warten, bis eines seiner Werke in Bad Tölz zur Aufführung kam: das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der vom Komponisten vorgeschriebene Riesenchor wurde durch eine Kooperation der Stadtpfarrei Maria Himmelfahrt mit dem Chor der Stadtpfarrkiche Erding ermöglicht. Die umjubelte Aufführung in der ausverkauften Stadtpfarrkirche am Sonntag wurde für alle Mitwirkenden zu einem triumphalen Erfolg. Fast sechs Minuten dauerte der Schlussapplaus für den Dirigenten, die beiden Chöre, die Solisten und das Orchester.

Mendelssohns mehr als zwei Stunden langes und tief religiöses tönendes Bilderbuch vom verbissenen Kampf und Scheitern des biblischen Propheten entbehrt nicht der theatralischen Effekte. Dirigent Christoph Heuberger inszenierte die 42 Einzelstücke des Riesenwerks übergangslos und mit flotten Tempi, opulent und mit opernhaft-dramatischen Zügen: Es erzählt von Elias’ erbittertem, teils zornigem und bösem Kampf gegen die Vielgötterei, von seinem Rückzug und Lebensüberdruss, seiner Gottesbegegnung und Himmelfahrt.

Heuberger arbeitete auch die Aktualität des Stoffes heraus: die Erlösungsverheißung, aber auch das Gewaltpotenzial, das Religion in sich birgt.

Als 80-köpfiger mächtiger Klangkörper bewältigten die beiden Chöre in einem höchst beeindruckenden Miteinander stets hellwach, gesanglich exzellent, sicher und ausgewogen ihren überaus anspruchsvollen und vielschichtigen Part. Homogen und mit ergreifender Eindringlichkeit gestalteten sie die ihnen zugedachten sehr unterschiedlichen Rollen mit Brillanz und Tiefe: als flehendes Volk Israel, als fanatische Baalspriester, als Erzähler und Verkündiger. Sie erzeugten dabei einen groß dimensionierten und fülligen, aber dennoch stets transparenten „Romantiksound“, der diesem Werk vollauf gerecht wurde.

Idealer Partner war das aus Profimusikern des BR-Sinfonieorchesters, der Münchner Philharmoniker und des Staatsorchesters rekrutierte Orchester, das durch Spitzenmusiker aus der Region wie Josef Kronwitter und Harald Roßberger verstärkt wurde.

Als Solisten hatte Christoph Heuberger lauter stimmschöne Hochkaräter gewonnen. Die ambivalente Persönlichkeit des Elias arbeitete Bassist Andreas Macco (seit 2010 Professor für Gesang am Mozarteum Salzburg) auf überzeugende Weise heraus. Gleichermaßen begeisterten der kurzfristig eingesprungene Tenor Johannes Chum aus Graz als Obadja, die an verschiedenen Opernhäusern tätige Sopranistin Susanne Bernhard aus München als Mutter, Witwe und Engel sowie die auf vielen Bühnen erfolgreiche Lokalgröße, die Altistin Barbara Hölzl, als Königin und Engel. Solistische Aufgaben übernahmen auch Susanne Killer und Angelika Altnöder, die beide dem Kammerchor von Maria Himmelfahrt angehören.

Der „Elias“ ist ein genialer Wurf und ein Stück aus einem Guss, sicher das bedeutendste Oratorium der Romantik. Für Heuberger und seinen Chor war das Werk „unsere bislang größte Herausforderung“ und ein „ungeheurer Kraftakt“. Alle Beteiligten hätten neue hohe Maßstäbe gesetzt. Ebenfalls äußerst bemerkenswert war übrigens das hervorragend gestaltete Programmheft für dieses denkwürdige Konzert, das keineswegs in den Papierkorb gehört, sondern einen Platz im Bücherregal bekommen sollte.

 Von Rainer Bannier

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