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Weitgehend kahl: Eine Esche mit Pilzbefall neben der Staatsstraße 2072, nördlich von Arzbach.

Pilz bedroht Baumart

Die Esche stirbt

Bad Tölz-Wolfratshausen - Ein Pilz aus Asien lässt im Landkreis reihenweise Eschen sterben. Die Bäume werden zur Gefahr für den Verkehr – und für die, die sie fällen müssen. Förster sind machtlos. Die Forschung sucht nach resistenten Merkmalen und experimentiert mit geklonten Eschen.

Die Esche hat eine lange Geschichte. Sie reicht bis in die Kreidezeit zurück. Über 65 Millionen Jahre also. Die letzte Eiszeit drängte sie zurück – bis die Esche ein paar Jahrtausende vor Christus ein Comeback in Mitteleuropa feierte. Im September 2016 sagt Wolfgang Neuerburg: „Die Esche hat ein sehr gravierendes Problem.“ Es trägt den komplizierten Namen „Hymenoscyphus pseudoalbidus“. Auf Deutsch heißt der Pilz, der die Eschentriebe sterben lässt, „Falsches weißes Stengelbecherchen“. Er wurde aus Asien eingeschleppt, tauchte zunächst in Osteuropa und 2008 erstmals in Bayern auf. „Man kann ihn nicht bekämpfen“, sagt Neuerburg, der den Bereich Forsten des Landwirtschaftsamts in Holzkirchen (AELF) leitet.

Wie Neuerburg sorgt sich auch Robert Krebs um den Fortbestand des Laubbaums, der gerade im feuchten Umfeld, etwa an Seeufern, gedeiht. Der stellvertretende Leiter des Tölzer Forstbetriebs entfernt in letzter Zeit immer mehr Eschen im Isarwinkel. Notgedrungen: An sämtlichen Straßen und Waldwegen gefährden vom Stengelbecherchen befallene Eschen den Verkehr. Tote Äste können jederzeit herunterfallen. Mehr noch: „Wir müssen damit rechnen, dass die Bäume unvermittelt umstürzen“, sagt Krebs. Dafür ist der Hallimasch verantwortlich, eine Pilzart, die Weißfäule verursacht und das Stammholz innerhalb weniger Jahre zerfrisst. „Das ist aber von außen nicht erkennbar“, erklärt Krebs das Tückische am Hallimasch. Sekundärschädling nennen ihn die Waldexperten, weil er gerne in Kombination mit dem Pilz auftritt.

Die Straßenmeisterei Bad Tölz kürzt Eschen bei „Geringbefall“, berichtet Leiter Josef Strobl. Er hat beobachtet, dass das Triebsterben in den vergangenen beiden Jahren stark zugenommen hat. „Ein paar mussten dringend weg“, sagt Strobl. Zum Beispiel an der Staatsstraße 2072 Richtung Wegscheid oder in der Allee zwischen Lenggries und Anger. Fällen ist in diesem Fall leichter gesagt als getan. „Man muss vorsichtig sein. Es ist unberechenbar, wie sich der Baum verhält“, warnt Krebs.

Das Triebsterben und Stammzerfressen bedroht sowohl alte als auch junge Eschen – und damit eine ganze Baumart in ihrer Existenz. Bei großen Exemplaren kann das Absterben 15 Jahre lang dauern. Förster überlegen schon länger, wie man sie ersetzen könnte. Eine Alternative wäre der Bergahorn, der sich aber im Feuchten nicht so wohl fühlt wie die Esche.

Die brüchigen Bäume sind auch ein Problem für die Gemeinde Kochel, die ihrer gesetzlichen Verkehrssicherungspflicht nachkommen muss. Gerade in stark besuchten Naherholungsgebieten rund um den Kochelsee müsse man achtsam sein, berichtet Förster Max Leutenbauer.

Die Wissenschaft beschäftigt das Aussterben der Eschen seit Jahren. Forscher aus ganz Europa suchen nach resistenten Eschen oder Saatmischungen. Ralf Petercord hat ein sechsjähriges Forschungsprojekt hinter sich. Er leitet die Abteilung Waldschutz der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), mit der hiesige Waldschützer in engem Kontakt stehen. Man habe versucht, Eschen zu klonen und die Klone wiederum mit dem Pilz zu infizieren. „Einige Klone waren toleranter und haben schwächere Symptome gezeigt“, sagt Petercord. Ein Teilerfolg. Der Wissenschaftler macht aber klar, dass die Ursachenforschung sehr komplex ist. Das Anpflanzen von ausländischen Arten ist für Petercord keine wirkliche Alternative. „Eine japanische Esche kann wieder ganz andere Schwächen haben und damit unser Ökosystem verunreinigen."

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