Macht die Tölzer Geburtshilfe wirklich einen Abflug? Trotz Babyboom und gutem Ruf sieht es tatsächlich danach aus, als ob es ab Mitte des nächsten Jahres keine Tölzer Kindl mehr geben wird. Foto: M. Staar

Fast 2000 Bürger unterstützen die Online-Petition

Überwältigende Solidarität für Tölzer Geburtshilfe

Bad Tölz - Die Anteilnahme ist riesig: Innerhalb von zwei Tagen haben fast 2000 Unterstützer die Online-Petition zum Erhalt der Tölzer Geburtshilfe unterschrieben. Die Hebammen sind überwältigt von so viel Solidarität. Von der Politik und der Klinikleitung fühlen sie sich dagegen im Stich gelassen.

Es ist schon paradox: In Bad Tölz gibt es einen regelrechten Babyboom, die Geburtshilfeabteilung erfreut sich offensichtlich großer Beliebtheit, und die Klinikleitung konnte einen Vertretungsarzt fürs Wochenende gewinnen sowie zwei Oberärzte anstellen, um die beiden Belegärzte Stephan Krone und Florina Rummel zu entlasten. Trotzdem steht die Geburtshilfe an der Asklepios-Stadtklinik vor dem Aus. Auch wenn eine der beide Oberärzte vor einiger Zeit in Elternzeit gegangen ist, hat die Hebammen diese Entwicklung überrascht und entsetzt, wie sie in einer aktuellen Stellungnahme schreiben. „Dieses Team ist für uns eine ideale Voraussetzung, um die Geburtshilfe in Bad Tölz weiterhin zu erhalten“, heißt es darin.

 Das Argument der Klinikleitung, dass es nach Änderung des Antikorruptionsgesetzes nicht mehr möglich sei, die Zusammenarbeit mit den beiden Belegärzten in der bisherigen Form fortzusetzen, lassen die Hebammen nicht gelten: „Wenn Verträge offen gelegt und Gelder nachvollziehbar und nicht heimlich gezahlt werden – was ist daran korrupt?“ Die neun Frauen fordern die Asklepios-Gruppe auf, mit dem Erhalt der Geburtshilfe den Versorgungsauftrag zu erfüllen, den sie bei der Übernahme der Klinik vertraglich zugesichert habe. Joachim Ramming, Geschäftsführer des Tölzer Krankenhauses, zeigt in einer schriftlichen Stellungnahme durchaus Verständnis für die Betroffenheit der Hebammen und der Bevölkerung. „Wir bedauern es ja selbst außerordentlich“, sagt Ramming. „Aber unsere Belegärzte wollen das nicht mehr, und wir dürfen es nicht mehr. An diesen Fakten müssen wir uns orientieren.“ Den Vorwurf von Hebamme Monika Döring weist Ramming von sich: „Die Rentabilität einer solchen Abteilung hängt nicht an der Geburtenzahl, und steht für uns auch nicht im Fokus.“

 Um die Tölzer Geburtshilfe zu retten, gebe es nur einen Weg: „Wir müssten neue Belegärzte finden, die bereit wären, auf rechtlich einwandfreier Basis mit uns zusammenzuarbeiten.“ Generell seien aber immer weniger Mediziner bereit, sich neben einer eigenen Praxis auf eine so zeitintensive Nebentätigkeit in einem Krankenhaus einzulassen.

 Wie berichtet, können und wollen viele auch die hohen Versicherungskosten nicht stemmen. Die Leidtragenden sind und bleiben die werdenden Mütter: „Eine weite Autofahrt wird nicht nur Kinder am Straßenrand das Licht der Welt erblicken lassen, sondern kann auch in Notsituationen unabsehbare Folgen für Mutter und Kind haben“, schreiben die Tölzer Hebammen. Sie fühlen sich auch von der Politik im Stich gelassen, nachdem ein Dringlichkeitsantrag der Freien-Wähler-Fraktion zur Rettung von Geburtsabteilungen im ländlichen Raum im Landtag abgelehnt worden ist. Darin hatten Florian Streibl und seine Partei-Kollegen unter anderem die Staatsregierung dazu aufgefordert, auf Bundesebene ein Soforthilfe-Programm zu initiieren, das Krankenhäuser mit kleineren Geburtshilfeabteilungen finanziell unterstützt. 

Landrat Josef Niedermaier zeigte sich auf Facebook enttäuscht, dass der Antrag von der Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt worden ist: „Das sagt alles darüber aus, welche Linie gefahren wird. . . Schade!“ Umso wichtiger ist es für die Hebammen und auch das Pflegepersonal, dass sie zumindest von der Bevölkerung sehr viel Rückendeckung bekommen. „Wir möchten uns von ganzem Herzen für die Unterstützung und die Anerkennung unserer Arbeit bedanken, die uns von allen Seiten entgegengebracht wird.“ 

Für Nanett Nordhausen aus Bad Tölz ist dieses Engagement selbstverständlich: „Das Thema geht uns doch alle irgendwo an.“ Zusammen mit Alexander Hofmann und vielen anderen hat sie eine Online-Petition ins Leben gerufen, bei der sich innerhalb von nur zwei Tagen rund 2000 Unterstützer eingetragen haben. Um ihrer Solidarität mit dem Geburtshilfe-Team Ausdruck zu verleihen, sammeln die Petenten auch Unterschriften und wollen eine Lichterkette organisieren.

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