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Industriemechaniker ist der beliebteste IHK-Ausbildungsberuf im Tölzer Land.

Azubis: „Wir könnten noch mehr brauchen“

Bad Tölz - Das Ausbildungsjahr startet unter relativ guten Voraussetzungen: Viele Betriebe konnten ihre Lehrstellen besetzen. Allerdings nicht alle. Das Handwerk könnte noch mehr Nachwuchs gebrauchen.

In der Bäckerei von Konrad Stelmaszek fangen am 1. September zwei Auszubildende an. Damit ist der Obermeister der Bäcker-Innung zufrieden. Schließlich würden in allen Handwerksberufen junge Kräfte gesucht, sagt er. Insgesamt ist noch Luft nach oben: In den Innungsbetrieben beginnen heuer sieben Bäcker und elf Bäckereifachverkäuferinnen ihre Lehre. „Das ist ordentlich, das Doppelte wäre aber auch nicht verkehrt“, so Stelmaszek.

Im Juli waren im Landkreis noch fast 300 Ausbildungsstellen unbesetzt, berichtet Arbeitsamt-Sprecherin Katharina Kristen. Auch zum Beginn des Ausbildungsjahrs beklagt die Industrie- und Handelskammer, dass die Betriebe im Landkreis „weiterhin große Mühe haben, genügend Azubis zu finden“. Mit 296 unbesetzten Lehrstellen gebe es heuer „eine Rekord-Bewerberlücke“. Da die Unternehmen im Landkreis in diesem Jahr 738 Lehrlinge einstellen wollten, sind tatsächlich noch etwa 40 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt. Dabei ist die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent (29 Stellen) gestiegen.

Auf der anderen Seite waren zuletzt aber auch noch 150 Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle. Denn das Problem ist, dass Angebot und Nachfrage nicht immer übereinstimmen. „Viele strömen in den kaufmännischen Bereich oder in Berufe, in denen man nicht so schmutzig wird“, sagt Kristen. Die Top-5 der IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis sind beispielsweise Industriemechaniker, Einzelhandelskaufmann, Bankkaufmann, Kaufmann für Büromanagement und Industriekaufmann. Bei der Suche nach einer Lehrstelle bereite aber auch manchmal die Infrastruktur im Landkreis Probleme. „Wenn der Lehrling in Bad Heilbrunn wohnt, kommt er nur schwer zur Ausbildung nach Wolfratshausen“, sagt Kristen.

Im Einzel- und Fachverkauf waren im Juli noch 70 Stellen offen. Auch die Bäckerinnung könnte noch Azubis im Verkauf brauchen. „Die Filialisierung ist nicht unerheblich“, sagt Stelmaszek. „In vielen Supermärkten gibt es Backshops.“ Und da sei es gut, nicht nur angelernte Kräfte zu beschäftigen.

Auch im Hotel- und Restaurantfach meldet das Arbeitsamt offene Stellen. Personalreferentin Simone Heilig kann das für das Arabella Brauneckhotel in Lenggries nur bedingt bestätigen. „Wir hatten Bewerber auf eine Lehrstelle, die haben aber wieder abgesagt“, berichtet Heilig. Mit derzeit zehn Auszubildenden im Hotel gebe es aber keinen Grund zur Klage. „Es gibt Interesse, wir haben sogar schon Bewerber für 2017.“

Ganz anders sieht es in den Betrieben der Friseurinnung aus. „Der Nachwuchs ist etwas karg“, sagt Obermeisterin Brigitte Bogner, die ihren Salon in Bad Tölz hat. Es seien zwar genug Auszubildende, um eine Berufsschul-Klasse zu bilden, die Zahl an Bewerbungen werde aber seit Jahren geringer. „Ich glaube, das Handwerk hat keine gute Lobby“, sagt Bogner. Warum immer weniger den Friseurberuf erlernen wollen, kann die Obermeisterin nicht sagen. „Es ist ein wunderschöner Beruf.“

Einige der beim Arbeitsamt registrierten freien Lehrstellen fallen weg, wenn die Betriebe nicht weitersuchen wollen. „Sie versuchen es dann nächstes Jahr wieder“, sagt Kristen. So ist es auch in vielen Betrieben der Schreinerinnung. Dort hat das Berufs-Grundbildungsjahr bereits im August begonnen. „Es haben über 50 Lehrlinge in Miesbach angefangen, das sind mehr als je zuvor“, sagt Innungsmeister Josef Oswald. Trotzdem würden einige Betriebe noch gerne einen Azubi nehmen, wenn denn einer da wäre. „Wie im vergangenen Jahr könnten wir noch mehr brauchen“, sagt Oswald.

Nachwuchssorgen gab es in der Firma Hawe in Sachsenkam, die Industriemechaniker ausbildet, noch nie. So ist es auch dieses Jahr. „Wir haben vier Stellen ausgeschrieben und vier besetzt“, sagt Werksleiter Knut Krekemeyer. Das Unternehmen gehe aktiv an Schulen, biete Praktika und habe sich in der Region einen Namen gemacht. Zudem konnten die Azubis bisher immer übernommen werden.

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