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Mit ganz spezieller Technik bringt Daniel Eltinger Farbe auf seinen Bildern an. Der Künstler stellt in der Galerie Gehse aus.

Vielschichtig, faszinierend und verstörend

Galerie Gehse: Künstler von der Spree an der Isar

Bad Tölz – „Von der Spree an die Isar“ heißt das Motto des im Juli eröffneten Galerieprojekts Gehse an der Tölzer Badstraße. Nach dem Berliner Maler Albrecht Gehse zeigen dort jetzt weitere Künstler ihre Werke, die ihre Ateliers in der Bundeshauptstadt und in Brandenburg betreiben.

Die Bilder und Bronzeskulpturen von Susanne Kraißer, Daniel Eltinger und Steffen Blunk – sonst in internationalen Galerien zu sehen – verwirrten und faszinierten das Publikum der Vernissage am Samstag.

Zunächst nehmen ein leuchtendes Grün und ein magisches Blau die Blicke der Besucher gefangen: die großflächigen Gemälde Daniel Eltingers. Der gebürtige Stuttgarter bedient sich einer ganz eigenen Maltechnik. Die leuchtenden Farben tropft er manchmal nur auf unebene Folien. Ist die Farbe getrocknet, legt er die Farbseite auf die Leinwand. Diese beschichtet er zuvor mit reinem, bindendem Acryl. Noch während des Trocknungsprozesses zieht Eltinger die Folien ab, die Farbpigmente bleiben haften und erzeugen die lebhafte Oberfläche. So entsteht eine faszinierende Tiefenwirkung. Bei seinem dreiteiligen dunklen Gemälde „gartenwacht triptychon“ schimmern die Farben Rot, Gelb und Grün an die Oberfläche, aber sie werden von dunklen Strukturen überdeckt. „Der Engel hat den Garten Eden verschlossen“, liefert Eltinger eine mögliche Interpretation für das geheimnisvolle Bild. „Aber auch Kafka hat mich inspiriert.“ In dessen Parabel „Vor dem Gesetz“ verwehrt ein Türhüter den Zugang zum Recht.

Allgemein spielen religiöse Themen eine große Rolle in Eltingers Werk. Der Maler stellt auch gerne in Kirchen aus. Seinem Bild „des nachts“ mit dem faszinierenden Ultramarinblau liegt das „Hohelied der Liebe“ zugrunde.

Ein paar Schritte weiter erregt ein majestätischer Frauenakt in der Mitte des Raums die Aufmerksamkeit. Susanne Kraißers weibliche Figur hat nur einen Rock um die Hüften gebunden, die Hände liegen hinter dem Kopf. An Degas’ Balletttänzerinnen erinnern die vielen kleinen Skulpturen in den Galeriefenstern, schwarz und bezaubernd.

Der dritte Künstler im Bunde, Steffen Blunk, war bis vor Kurzem Ateliernachbar von Eltinger. „Zuerst beendet Steffen vollständig seine Bilder und spachtelt dann Figuren oder Körperteile aus dem Schichtholz heraus“, erklärt Eltinger das Schaffen seines Kollegen. Diese zerstörten Oberflächen halten das irritierte Auge fest. Die Aussagen sind im Gegensatz zu Eltingers Farbstrukturen klar – und brutal. Blunk stellt Kriegszerstörung dar, vom Ersten Weltkrieg über brennende Städte im Hitler-Deutschland bis zu aktuellen Szenen aus Syrien.

Von jedem Künstler sind rund 20 Werke vor Ort. Michael Komma, der die Galerie betreut, wird die Werke immer wieder austauschen. Kraißer, Eltinger und Blunk werden wohl nicht die einzigen bleiben, deren Werke den Weg von der Spree an die Isar finden. „Es gibt einige Berliner Künstler, die sich für diese Region begeistern“, sagt Eltinger. Komma hat also noch weitere Künstler für die kleine Tölzer Galerie in petto.

Die Galerie Gehse ist jeweils Dienstag (16 bis 18 Uhr), Freitag (16 bis 19 Uhr) und Samstag (11 bis 15 Uhr) geöffnet.

Birgit Botzenhart

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